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Militärs gefährden UMTS-Zeitplan in USA

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Im weltweiten Wettlauf um die Einführung von UMTS-Diensten (in den USA: 3rd Generation Wireless Services = 3G-Services) drohen die USA weiterhin ins Hintertreffen zu geraten, weil insbesondere die US-Militärs die hierfür benötigten Mobilfunk-Bandbreiten besetzen.

Nachdem bereits im Oktober 2000 der damalige US-Präsident Clinton mit einer Anweisung an die beteiligten Behörden versucht hatte, die Einführung der 3G-Services zu forcieren und hierfür strenge Zeitlimits gesetzt hatte, deutet sich unter dem jetzigen Präsidenten George W. Bush eine gegenüber dem Militär weniger restriktive Linie an, die den Zeitplan für die Einführung der 3G-Services weiter in Gefahr bringen könnte.

So wurde von der Bush-Administration bisher noch kein Nachfolger für den Direktor der Nationalen Telekommunikations- und Informations-Administration (NTIA), unter anderem zuständig für die Überwachung der Nutzung von Funk-Bandbreiten durch staatliche Institutionen, bestellt, der auf Einhaltung des Clintonschen Zeitplans drängen könnte.

Zusammen mit der Federal Communication Commission (FCC) ist die NTIA gehalten, bis zum 1. März 2001 einen abschließenden Bericht über die Verfügbarkeit von Funk-Bandbreiten abzugeben, damit deren Kontingentierung spätestens zum 30. Juli eingeleitet werden könne. Die Versteigerung der Frequenzen soll im September 2001 starten.

Besonders problematisch stellt sich die Situation nach Auffassung der Militärs in den großen Ballungsgebieten der USA dar: In New York, Houston, Dallas, San Antonio, Denver, Miami, Philadelphia, Baltimore, Washington, Albuquerque und der gesamten San Francisco Bay Area einschließlich Oakland, Scramento, San Jose und dem Silicon Valley würden die für die 3G-Services benötigten Frequenzen vollständig für die Flugverkehrs-Kommunikation und die Satellitenkontrolle benötigt und seien für jegliche, auch nur teilweise Drittnutzung, tabu.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob in den USA überhaupt landesweite lebensfähige 3G-Services aufbaubar sind, wenn eine Einigung mit den US-Militärs über eine Verschiebung von deren Frequenzen nicht erzielt werden kann.

Um dies dennoch zu gewährleisten, schlägt der Verband der Mobilfunk- und Internetanbieter eine unkonventionelle Lösung vor, nämlich die in der letzten Lizenz-Versteigerung vom Januar erzielten Staatseinnahmen in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar für die Umstellung der Frequenzen bei den Militärs und anderen betroffenen Institutionen zu verwenden. Dieser Vorschlag dürfte allerdings politischerseits auf wenig Begeisterung stoßen, da der Versteigerungserlös bereits in das Budget des US-Kongresses aufgenommen wurde.

Das Militär ist in den USA generell ein sehr intensiver Nutzer solcher Funkfrequenzen, die anderswo zivilen mobilen Kommunikationsdiensten zur Verfügung stehen. Entsprechend kärglich ist in den USA heute bereits das Angebot an GSM-Diensten, die aufgrund der militärischen Funknutzung zudem noch auf den Frequenzbereich bei 1.900 MHz beschränkt sind. (klp)