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Milliardenprojekt Ariane 6: Europa baut eine neue Trägerrakete

Europas Raumfahrt leitet eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft ein. Eine neue Trägerrakete soll die Vormachtstellung der Europäer für den Satellitentransport in den Weltraum sichern.

Milliardenprojekt Ariane 6: Europa baut eine neue Trägerrakete

Künstlerische Darstellung der Ariane 6 in der Konfiguration mit vier Boostern.

(Bild: ESA–D. Ducros, 2014)

In einem großen Schritt in die Zukunft haben die europäischen Raumfahrtminister dem Bau einer konkurrenzfähigen neuen Ariane-Trägerrakete zugestimmt. Das wurde am Dienstag nach der Ministersitzung der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Luxemburg mitgeteilt. Danach haben sich die Verantwortlichen auf einen Etat von 8 Milliarden Euro für die Gesamtentwicklung der europäischen Trägerraketen in den nächsten zehn Jahren verpflichtet.

Etwa die Hälfte davon geht in die Entwicklung der neuen Ariane 6, die ihren Premierenflug 2020 haben soll. Auf dem Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana soll zudem eine neue Startrampe gebaut werden. Die Beschlüsse wurden von Raumfahrtorganisationen und Industrie als Meilenstein für die künftigen Weltraumaktivitäten Europas gefeiert.

"Das waren Entscheidungen zur Zufriedenheit aller, gefällt nach harten, aber sachlichen Diskussionen", sagte der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, der dpa. Lange hatten Deutschland und Frankreich gestritten, wie die Raketenentwicklung weitergehen solle. Die Deutschen wollten zuerst die zuverlässige Ariane 5 leistungsfähiger machen und setzten deshalb auf das Projekt Ariane-5ME. Die Franzosen aber strebten den raschen und direkten Weg zu einer neuen Ariane 6 an. Die beiden Länder sind die Hauptgeldgeber der ESA.

Die für Raumfahrt verantwortliche Staatssekretärin Brigitte Zypries vertrat die deutsche Regierung in Luxemburg. Den umfassenden Zukunftsplan hatte die ESA den Ministern beziehungsweise deren Vertretern auf den Tisch gelegt. Er sieht vor, eine flexibel einsetzbare, kostengünstige und wettbewerbsfähigere Ariane-6-Rakete zu bauen. Mit bewährter Technik sichere das "den eigenständigen, verlässlichen und erschwinglichen Zugang Europas zum Weltraum".

Zwar ist die bisherige Ariane 5 ein zuverlässiger Weltmarktführer für Satellitenstarts. Mit mehr als 60 erfolgreichen Starts in Folge und einem Marktanteil bei kommerziellen Starts von mehr als 50 Prozent hat die Rakete Europa laut der ESA "direkte wirtschaftliche Vorteile" von gut 50 Milliarden Euro gebracht. Doch zunehmende droht Konkurrenz von anderen Anbietern, vor allem auch aus den USA. Und die Nachfrage der Kunden für Satellitentransporte verändert sich. Die Ariane 6 soll künftig mittlere und große Satelliten befördern, die weiterentwickelte Vega-Rakete kleinere Satelliten. Für das Entwicklungsprogramm müssten die 20 ESA-Mitgliedsländer und Kanada 3,8 Milliarden Euro aufbringen.

Bei dem ehrgeizigen Zukunftsplan, der 2016 überprüft werden soll, geht es vor allem auch darum, die Mitbewerber im lukrativen Geschäft des Satellitentransportes abzuwehren. So scheint der Start des Low-cost-Anbieters SpaceX des amerikanischen Milliardärs Elon Musk den Entscheidungsprozess der Europäer noch beschleunigt zu haben.

Vorgesehen ist der Bau einer kleineren und weit kostengünstigeren Trägerrakete als die Ariane 5, programmiert in zwei Versionen – also eine kleinere Ariane-62 mit zwei Starttriebwerken und eine größere Ariane-64 mit vier Boostern zum Transport von je zwei Satelliten. Die kleine soll eine Nutzlast von 5 Tonnen in einen geostationären Orbit bringen können, die große 10,5 Tonnen, berichtet die französische Zeitung Liberation. Satellitenstarts sollen zwischen 70 Millionen Euro (A62) und 90 beziehungsweise 120 Millionen Euro (A64) kosten, schreibt Le Monde.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, die Weichen für die Entwicklung und Fertigung der Booster – also Zusatzraketen – am Standort Augsburg seien gestellt. "Die Booster werden auch zukünftig am Standort Augsburg gefertigt, wodurch hochqualifizierte Arbeitsplätze gesichert werden."

ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain lobte: "Das ist ein Erfolg, ich wage es sogar, von einem großen Erfolg zu sprechen." Auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) wertete die Ergebnisse äußerst positiv. Dazu gehöre auch der weitere Betrieb und die Nutzung der Internationalen Weltraumstation ISS. Der Chef der Airbus Group, Tom Enders, sprach zwar von einem neuen Kapitel, doch müsse noch sehr viel mehr getan werden, "wenn wir der wachsenden internationalen Konkurrenz erfolgreich begegnen wollen".

Die Airbus Group und der französische Triebwerkshersteller Safran planen ein gemeinsames Raumfahrt-Unternehmen, um beim Raketenbau die Kräfte im Wettbewerb mit der Konkurrenz in den USA zu bündeln. (mit Material der dpa) / (mho)

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