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Millionenmarke: Bundesregierung hält an Elektroauto-Ziel fest

Die Bundeskanzlerin hatte sich voriges Jahr skeptisch gezeigt, ob bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen gebracht werden könnten. Die Bundesregierung hält das eigene Ziel als "politische Richtgröße" aber weiter für gültig.

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Millionenmarke: Bundesregierung hält an Elektroauto-Ziel fest

Elektroautos deutscher Hersteller.

(Bild: VDA)

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Anfang Januar 2018 waren laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Deutschland 98.280 Elektro-Pkw zugelassen. Dazu kamen 209 E-Busse, von denen 114 batteriebetrieben fahren, 80 erhalten den Strom über Oberleitungen. Trotz der mauen Zahlen hält die Bundesregierung an ihrem "ehrgeizigen", auf der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) zusammen mit Industrie, Gewerkschaften und Wissenschaft vereinbarten Ziel fest, dass bis 2020 hierzulande eine Million Elektroautos unterwegs sein sollen. Die Marke sei zumindest "als politische Richtgröße nach wie vor gültig", erklärt das Wirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte voriges Jahr erklärt, dass es "im Moment" nicht realistisch sei, den Vorsatz noch zu verwirklichen. Bei den damals zuständigen SPD-Ministerien für Wirtschaft und Umwelt hagelte es daraufhin Proteste. Das mittlerweile von Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) geführte Ministerium für Wirtschaft und Energie gibt nun die Parole aus, dass Industrie und Bundesregierung "ihre Anstrengungen fortsetzen und gegebenenfalls anpassen" müssten, "um hier erfolgreich zu sein".

Das "bestehende Marktanreizpaket" mit einer Kaufprämie von bis zu 4000 Euro helfe, umweltschonende Elektrofahrzeuge im Markt zu verbreiten, schreibt das Ministerium. Dazu gehörten auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur, steuerliche Anreize sowie eine "kontinuierliche Erhöhung des Anteils von Elektrofahrzeugen in der öffentlichen Beschaffung". Flankierend dazu kämen das "Sofortprogramm saubere Luft" sowie Initiativen, die Schwarz-Rot im Koalitionsvertrag vereinbart habe. Dazu zähle neben einer Sonder-Abschreibungsoption für gewerbliche genutzte E-Autos etwa das Vorhaben, den Einbau von Ladepunkten für Mieter und Wohnungseigentümer rechtlich zu erleichtern.

Zuversichtlich äußert sich die Regierung auch zum Aufbau einer Zellproduktion für Batterien in Deutschland. Sie verfolge das Ziel, die industrielle Wertschöpfungskette der Batterie in diesem Hinblick zu schließen und setze dazu auf Forschung und Innovationen. Die Skepsis des Zentralverbands der Deutschen Elektronikindustrie zum Aufbau einer Großfertigung von Lithium-Ionen-Zellen teile man nicht, da die Nachfrage dafür künftig weiter steigen werde. Neben Akkus für Elektrofahrzeugen bestehe ein ebenso zunehmender Bedarf etwa für stationäre Energiespeicher, Industrieanwendungen wie Gabelstapler, Hochleistungswerkzeuge, tragbare Elektronik und die Medizintechnik.

Parallel hat laut dem Wirtschaftsministerium die NPE in einem Fahrplan "die Voraussetzungen für den erfolgreichen Aufbau einer Batteriezellproduktion in Deutschland beschrieben. Über diese Plattform sei die Regierung "im ständigen Kontakt mit Autoherstellern" und habe darüber hinaus gesonderte Gespräche mit dieser Industriesparte sowie mit wichtigen Zulieferunternehmen sowie Batterieproduzenten geführt. Das von der EU-Kommission formulierte Ziel einer Produktionskapazität von 100 Gigawattstunden europaweit sei zwar ebenfalls ambitioniert, aber bei einem entsprechenden industriellen Engagement erreichbar.

Das Bestreben, den Stromverbrauch zu senken, hält die Bundesregierung für vereinbar mit dem Ausbau der E-Mobilität. Dieser habe kurz- bis mittelfristig nur einen geringen Einfluss auf den Energiehunger hierzulande, schreibt das Wirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der AfD-Fraktion. "Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz", die in einem eigenen Aktionsplan skizziert seien, "werden dazu beitragen, den Stromverbrauch zu senken". Zudem biete die Elektromobilität weitere "Speichermöglichkeiten für elektrische Energie und birgt erhebliche zusätzliche Flexibilitäts- und Effizienzpotenziale" für das Strom- beziehungsweise Energiesystem. Dies fließe in die Gesamtbewertung mit ein.

Berechnungen, wonach sich für eine Million E-Autos ein Strommehrbedarf von rund 2,67 Terawattstunden pro Jahr inklusive Ladeverluste ergebe, und die daraus abgeleiteten potenziellen Folgen für Deutschland bei einem nahezu vollständigen Ersatz von Pkw mit Verbrennungsmotoren bis 2050 hält die Regierung "nicht für zutreffend". Derzeit würden weltweit verschiedene Antriebskonzepte für Kfz "wie vollelektrische Fahrzeuge, Hybridfahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge mit dem Ziel entwickelt, die Effizienz und Klimafreundlichkeit zu steigern sowie Schadstoffe zu minimieren", begründet sie ihre Haltung. Auch in Zukunft dürften dabei "hocheffiziente und saubere Verbrennungsmotoren" eine "bedeutsame Rolle spielen". (Stefan Krempl) / (anw)

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