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Mini-Mainboards mit Intels neuen Atom-Celerons

Ohne große Ankündigung hat Intel die "Apollo Lake"-Prozessoren für Billig-Notebooks und Mini-PCs vorgestellt, nun tauchen erste Mini-ITX-Mainboards mit Celeron J3355, J3455 und Pentium J4205 auf.

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ASRock J3455-ITX Apollo Lake

Apollo Lake-Mainboard ASRock J3455-ITX mit Celeron J3455

(Bild: ASRock)

ASRock und Asus gehören zu den ersten Hardware-Herstellern, die Mainboards mit Intels neuen Apollo-Lake-SoCs auf ihren jeweiligen Webseiten anpreisen – im Handel sind sie noch nicht zu finden. Zu den spannendesten Produkten gehören ASRock J3455M, J3455-ITX und J4205-ITX, weil der Hersteller dafür die Ausgabe von 4K-Auflösungen mit 60 Hertz Bildwiederholrate via HDMI 2.0 verspricht. Vermutlich lötet ASRock dazu jeweils einen Zusatzchip auf die Boards, der DisplayPort-1.2- in HDMI-2.0-Signale verwandelt. Auf eine Anfrage dazu hat ASRock bisher nicht reagiert und die Bedienungsanleitungen der Boards fehlen noch.

Laut Intels CPU-Datenbank ark.intel.com unterstützen die Apollo-Lake-Chips HDMI 2.0 nicht, sondern nur HDMI 1.4b für UHD-/4K-Auflösungen mit 30 Hz. 4K mit 60 Hz wären also höchstens per DisplayPort möglich – aber auch dazu gibt es noch keine Dokumentation, Intel hat noch keine Datenblätter veröffentlicht. Das ist etwas ungewöhnlich, weil ark.intel.com eine Reihe der Chips als "launched" bezeichnet und auch schon Preise nennt, die aber wie bei den Vorgängern Braswell und Bay Trail illusorisch sind: Viele der Chips kosten nominell über 100 US-Dollar, einige damit bestückte Boards aber unter 100 US-Dollar – da will Intel den Analysten wohl Sand in die Augen streuen und höhere Preise vorgaukeln, als mit den Billigheimern zu erzielen sind.

Die "J"-Prozessoren Celeron J3355 (Dual-Core), J3455 und Pentium J4205 (Quad) sind mit jeweils 10 Watt TDP spezifiziert, genau wie ihre Vor-Vorgänger aus der Bay-Trail-Generation, etwa der Celeron J1900. Für die bisher aktuellen Braswells wie den Celeron J3160 nennt Intel 6 Watt TDP. Ob sich in der Praxis große Unterschiede ergeben, hängt wohl auch von der Beschaltung des jeweiligen Mainboards ab; die bisherigen Apollo-Lake-Boards kommen jedenfalls mit lüfterlosen Kühlköpern aus. Sparsamer sind die Mobilversionen mit einem "N" in der Typenbezeichung, also Celeron N3350, N3450 und Pentium N4200.

Bei Apollo Lake will Intel im Vergleich zu Braswell die Single-Thread-Performance spürbar verbessert haben – ob und bei welchen Programmen das etwas bringt, muss die Praxis zeigen. Wie in den letzten Atom-Celeron-Generationen üblich, haben vor allem die Video-Decoding-Fähigkeiten der integrierten GPU zugelegt. Apollo Lakes sollen HEVC-Decoding mit 10 Bit Farbtiefe pro Kanal in Hardware übernehmen können. ASRock bewirbt auch starke Encoding-Fähigkeiten, etwa für den Einsatz in Video-Überwachungssystemen.

Das Silizium-Die des System-on-Chip Apollo Lake.

(Bild: Intel)

Unter den Treiberdateien, die sich auf dem ASRock-Server für Apollo-Lake-Systeme finden, sind bisher ausschließlich Grafiktreiber für Windows 10 64-Bit. Auch laut offizieller Grafiktreiber-Support-Seite von Intel gibt es Apollo-Lake-Grafiktreiber nur für Windows 10 und Linux, ebenso wie für die neuen "Kaby Lake"-Chips (Core i-7000). Das dürfte ein Grund für die Aussagen von Microsoft zum Support von neuen Prozessoren erst mit Windows 10 sein.

Bei PCI Express 2.0, USB 3.0 und SATA 6G gibt es im Vergleich zu den Vorgängern nur geringe Verbesserungen: Statt höchstens 4 sind jetzt bis zu 6 PCIe-2.0-Lanes möglich und statt maximal 5 bis zu 8 USB-Ports – wie viele mit USB 3.0 SuperSpeed, ist offen. Leider bleibt es bei zwei SATA-6G-Lanes, sodass sich Boards ohne Zusatzchips wie ASMedia ASM1061 nur eingeschränkt für Mini-Server eignen.

Offiziell steuern die Apollo-Lake-SoCs laut Intel weiter maximal 8 GByte RAM an, auf vielen Boards funktionieren aber auch 16 GByte in Form von zwei SO-DIMMs oder UDIMMs mit je 8 GByte. Die Chips dürften auch wieder in NAS eingesetzt werden wie ihre Vorgänger, hier bringen größeres RAM und Funktionen wie VT-d Verbesserungen für virtuelle Maschinen.

Die "N"-Versionen von Apllo Lake tauchen nicht nur in Notebooks auf, sondern Intel will sie auch selbst in Mini-PCs löten. Mehrere Webseiten haben schon über NUC-Typen NUC6CAYS (inklusive Windows 10 auf eingelötetem eMMC-Flash) und NUC6CAYH (mit Platz für 2,5-Zoll-SATA-HDD/SSD) berichtet. Angeblich sollen auch diese "APL"-(Apollo Lake-)NUCs HDMI-2.0-Signale liefern.

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(ciw)

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