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Missing Link: Klimawandel? – Technologie wird uns auch diesmal nicht retten

Alle diskutieren über den Klimawandel. Über die Frage nach Konsequenzen herrscht aber Uneinigkeit. Die Hoffnung auf Technologie führt aber in die Irre – wieder.

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(Bild: Elizabeth A.Cummings/Shutterstock.com)

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Lebensraumschutz ist an den konservativen Parteien angekommen, damit sie eben jemand wählt in einer Zeit von "Opa, hast du mich lieb? Warum wählst du dann nicht für meine Zukunft?". Sie wollen es sich allerdings auch mit ihrer Klientel in der Wirtschaft nicht verscherzen, zu dem sie schließlich nach Ende der Amtszeit wechseln wollen. Deshalb liegt die folgende Argumentation nahe: Die Technik soll das Problem lösen. Es ist praktisch eine Abwandlung des alten Versprechens "Der Markt regelt das" und entsprechend beliebt in denselben Kreisen von Politik, Gesellschaft und Großkonzernen.

Schon länger verlangt etwa FDP-Chef Christian Lindner, "man müsse beim Klimaschutz stärker auf Technologie und Erfindungsgeist setzen" und am Wochenende stimmte nun die Bundeskanzlerin und ehemalige Umweltministerin Angela Merkel zu: In Greta Thunbergs "aufrüttelnder" Rede sei nicht ausreichend zum Ausdruck gekommen, "in welcher Weise Technologie, Innovation gerade im Energiebereich, aber auch im Energieeinsparbereich uns Möglichkeiten eröffnet, die Ziele zu erreichen".

Die Hoffnung, dass der freie Markt, der bisher für die großflächige Verfeuerung fossiler Kohle und Erdöls gesorgt hat, dass der plötzlich das Gegenteil bewirkt, wird jedoch sofort absurd, wenn wir doch einmal mehr als drei Sekunden darüber nachdenken. Es gibt auch keine historische Präzedenz, dass Technologie diesen Effekt in der Menschheitsgeschichte je gehabt hätte. Es gibt dagegen haufenweise historische Präzedenz für den gegenteiligen Effekt.

Besseres Jagdwerkzeug gepaart mit besseren Jagdmethoden haben es unseren Urahnen ermöglicht, die meisten größeren Tiere der Vorzeit innerhalb geologisch gesehen erschreckend kurzer Zeiträume auszurotten. Dabei haben wir uns als Art stark vermehrt. Die Erfindung der Landwirtschaft in Verbindung mit sesshaften Populationen (Jungsteinzeitliche Revolution) hat uns den Großteil der Wälder gekostet, vor allem in Europa. Island wurde zur Wüste, Irland hellgrün statt dunkelgrün. Deutschland erreichte zur Zeit der Industrialisierung einen Tiefpunkt der Bewaldung und lernte in der Folge, nachhaltig mit dem Holz umzugehen.

Über viele Jahrzehnte der Aufforstung mit Forstwirtschaft wurde jedoch klar: Nachhaltigkeit alleine reicht nicht. Der bewirtschaftete Wald funktioniert viel schlechter als Biotop und wird empfindlicher gegenüber Veränderungen. "Willst du den Wald bestimmt vernichten, so pflanze nichts als reine Fichten", steht im Roggenburger Forst in Stein gemeißelt. Seit 1921. Und der Spruch war damals schon alt. Wir wissen seit Ewigkeiten, worum es grob geht, in allen Teilbereichen.

Wenn wir bestehende Technologien durch neue ablösen, fällt auf, dass nicht plötzlich alles gut wird, sondern schlicht andere Probleme entstehen, die vorher niemand ahnte. Das Pferd hat uns die Städte vollgeschissen, als wir seine Muskelkraft vor Fuhrwerken nutzten. Es war außerdem recht gefährlich und führte zu vielen Verkehrsopfern. Das Auto wurde begrüßt als saubere und sichere Alternative. Das war es dann auch eine Zeitlang. Bis kurz darauf jeder Haushalt eines kaufte und wir es zum quasireligiösen Dreh- und Angelpunkt jeder Fortbewegung erhoben.

Ich habe noch nie gesehen, dass eine Technikfolgenabschätzung richtig lag, was natürlich daran liegen könnte, dass nie jemand mehr als ein paar symbolische Cent dafür ausgibt. Die Hoffnung, dass sich all das durch eine göttliche Fügung ins direkte Gegenteil verkehren könnte, erscheint vor diesem Hintergrund so naiv, dass mehr am Wirken sein muss als eine kindliche Weltsicht. Verdrängung wahrscheinlich.