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Missing Link: Klimawandel und Wirtschaft - ein Index der ökologischen Verantwortung

Würden alle Unternehmen wie die Unternehmen des Börsenindex DAX 30 wirtschaften, würden sie eine Erderwärmung von 4,94 °C bis 2050 erzeugen.

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(Bild: Steve Buissinne, gemeinfrei)

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Unternehmen bekannten sich nach der Pariser Klimakonferenz dazu, an der Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C mitzuwirken. Nach den jüngsten Ergebnissen des Sonderberichts des Weltklimarats müssen bis 2030 45 Prozent der CO2-Emissionen reduziert sein, um die globale Erderhitzung noch zu begrenzen. Aktuell sind die Unternehmen allerdings nicht auf Kurs: Würden alle Unternehmen wie die Unternehmen des Börsenindex DAX 30 wirtschaften, würden sie eine Erderwärmung von 4,94 °C bis 2050 erzeugen. IT- und Telekommunikationsunternehmen liegen dabei eher im unteren Bereich. Die Deutsche Telekom beispielsweise kommt auf 1,56 °C, SAP auf 1,75 °C und Infineon auf 2,03 °C.

"Missing Link"

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Wenn in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, kann das zu einem Anstieg um etwa 4 °C allein in diesem Jahrhundert führen. Wenn hingegen die Emissionen so schnell wie möglich gesenkt werden, könnte es bei einem Temperaturanstieg von 1,5 °C bleiben. Der Forschungsverbund Climate Action Tracker hält ein mittleres Szenario von einem Temperaturanstieg von rund 3 °C für realistisch.

Über dem 1,5°C-Ziel können eine Reihe von Kippelementen erreicht werden, durch die irreversible Änderungen eintreten können. Beispielsweise kann durch Dürren und Hitzen die Photosynthese-Aktivität der Pflanzen zurückgehen, was die Erderwärmung weiter vorantreibt. Wenn alle Eispanzer Grönlands und der Antarktis abschmelzen, wird der Meeresspiegel um mehrere Meter über die Jahrhunderte ansteigen. Die Vereinten Nationen warnen deshalb längst davor, dass viele Megacities entlang der Küsten bei 3 °C nicht mehr bewohnbar sein werden. 275 Millionen Menschen müssten dann umsiedeln.

Die Gradzahl als wirtschaftliche Klimametrik kann mit dem XDC-Standardmodell ermittelt werden, das von dem 2016 gegründeten Frankfurter Startup "right. based on science" entwickelt wurde. Dessen Klimakennzahl "X-Degree-Compatibility" (XDC) drückt aus, um wie viel Grad Celsius sich die Erde bis 2050 erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so wirtschaften würden wie das jeweils untersuchte Unternehmen. Die Zahl kann damit auf einen Blick zeigen, wie weit das Geschäftsgebaren eines Projekts, einer Firma oder einer Branche vom Pariser Klimaziel entfernt ist.

DAX-30-Unternehmen unterscheiden sich stark in ihrem Klimakurs, wie eine Auswertung mit XDC-Kennzahlen zeigt. Bisher veröffentlicht das Startup right aus strategischen Gründen die Gradzahlen nur zu einzelnen Unternehmen.

Zu den deutschen Anwendern gehören beispielsweise Zalando, die Fondsmanager von Salm & Salm Partner sowie die GLS Bank. Die GLS Bank will noch im Laufe dieses Jahres die Zahlen für ihr gesamtes Kredit- und Anlagenportfolio vorstellen. Jedem einzelnen Kredit soll eine XDC-Kennzahl zugeordnet werden. "Man kann sich immer mit anderen Banken vergleichen", meint Laura Mervelskemper, Referentin für Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit bei der GLS Bank, "doch hinsichtlich ökologischer Grenzen hatten wir bislang keine aussagefähigen Zahlen."

Mit der XDC-Kennzahl können Unternehmen sich nicht nur ein wissenschaftsbasiertes Klimaziel setzen, sondern mit dem dahinterstehenden Modell auch ihr Klimamanagement danach ausrichten. Außerdem generiert es Informationen, die die Berichterstattungspflicht des § 289c Handesgesetzbuch für Klima- und Umweltrisiken erfüllen. Der Paragraph verlangt von großen Unternehmen, Banken und Versicherern, sich zu Umweltbelangen zu erklären, "wobei sich die Angaben beispielsweise auf Treibhausgasemissionen, den Wasserverbrauch, die Luftverschmutzung, die Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien oder den Schutz der biologischen Vielfalt beziehen können". Die Unternehmen dürfen dabei – mit Ausnahme der Versicherer – allerdings noch weitgehend selbst entscheiden, wie sie ihre Angaben gestalten. Derzeit werden auf EU-Ebene allerdings stringente Vorgaben für das Reporting entwickelt.

Den in Python geschriebenen Quellcode des XDC-Modells will das Startup right jetzt im Rahmen des Projekts "right.open" unter eine Open-Source-Lizenz stellen – in der Hoffnung, dass die wirtschaftliche Klimametrik zum Standard wird. Derzeit prüft das Unternehmen die GNU Affero General Public License (AGPL) und die GNU General Public License (GPL) für die wissenschaftliche Nutzung.

Damit soll das Modell für Dritte überprüfbar und verfügbar gemacht werden. Forscher und Unternehmen können dann selbst mit dem Modell arbeiten. Auch soll eine Plattform namens "XDC Forum" aufgebaut werden, die nicht nur Informationen zum XDC-Modell enthält, sondern auch interaktive Elemente wie Webinare oder Podcasts zu Anwendungsmöglichkeiten des XDC-Modells. Die Forschungsergebnisse sollen in dem freien Bereich jedem zugänglich gemacht werden.