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Missing Link: Science-Fiction und KI - der ewige Kampf zwischen Mensch und Maschine

KI taucht in Science-Fiction meist als negative Macht auf. Zukunftsweisende Szenarien, aber auch aktuelle Probleme wie diskriminierende Daten bleiben außen vor.

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Wenn es gut läuft, hilft in letzter Sekunde noch ein "Factory Reset". Alle gespeicherten Aufzeichnungen eines meist androiden Roboters werden gelöscht, mit den Werkeinstellungen geht es quasi zurück auf Los. So können Amok laufende oder sich plötzlich ganz menschlich die Sinnfrage stellende Maschinen gerade noch gestoppt werden, bevor ein noch düstereres Ende naht.

"Missing Link"

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

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Solche dystopischen Erzählstränge ziehen sich durch aktuelle Science-Fiction-Kurzfilme, wie sie etwa das Berliner Sci-fi-Filmfest im Herbst im Programm hatte. Im Streifen "CC" der kanadischen Regisseurinnen Kailey und Sam Spear etwa stellt sich eine fast makellos hübsche Robo-Nanny gegen die Mutter ihres Pflegekinds, weil sie das Gefühl hat, dass sich diese nicht mehr angemessen um ihre Tochter kümmern kann. Die Kleine, die längst Herzchen für das maschinelle Kindermädchen malt, "verdient das Beste", beteuert die Androidin. Nur sie selbst könne das Kind "glücklich, gesund und sicher" halten.

heise online: Welten / Die c't Stories

(Bild: spainter_vfx / shutterstock.com)

Auch heise online und c't wollen mit Science-Fiction-Buchreihen im Hinstorff-Verlag aus der Heise-Gruppe seit Anfang des Monats den Blick dafür schärfen, wie Digitalisierung die Welt verändert. Der neue Programmbereich Science-Fiction startete jüngst mit den "heise online: Welten" und den "c't Stories".

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Als die Mutter eines Abends nach dem Rausschmiss aus ihrem Job angetrunken nach Hause zurückkommt, der Nanny nahelegt, nicht mehr den teuersten Saft zu kaufen und dem Kind einen Gutenachtkuss geben will, ist der Eklat unvermeidbar. Die Roboterdame will dies nicht zulassen, da ihr Schützling "es mit mir besser haben wird". Mit einem Messer in der Hand geht sie auf die derangierte Hausherrin zu. Die versucht noch eiligst, das Maschinenwesen übers Handy bei der Herstellerfirma "Cloverhill Kids" zu deaktivieren. Doch natürlich hat sie die Seriennummer nicht im Kopf und dafür die kalte Klinge in der Brust.

Experten des Roboterbauers lassen sich aus dem Speicher der rebellischen Nanny "die Höhepunkte" der internen Body-Cam zeigen und kommen zum Schluss: Ein kurzsichtiger Programmierfehler war an dem Ausraster schuld. "Wir können ihr eine Entschädigung anbieten, wenn sie überlebt", beraten sie knapp über das weitere Vorgehen gegenüber ihrer im Krankenhaus liegenden geschädigten Kundin und drücken den Resetknopf bei der Maschine.

Ähnliche Momente prägen den Neunminüter "Metal Health" des Iren Michael Carolan: "Tom" klagt beim Doktor über Schlafprobleme, die sich auch auf sein Arbeitsleben auswirken. "Sie sind ein wertvolles Produktionsgut", versucht ihm der Arzt gut zuzureden. Der wie ein Model aussehende Leidgeplagte wirft trotzdem die ganz großen Fragen auf, beklagt sich darüber, ein "kleines Rad in einer großen Maschine" und ein "Sklave" zu sein: "Es muss mehr geben als das."

Der Mediziner wirkt überaus überrascht und will eine "kleine Untersuchung" durchführen. Er rammt einen Schraubenzieher in Toms rechtes Ohr, sodass sich auf dessen Nacken ein USB-Anschluss auftut. Über ein damit verbundenes Tablet setzt der Mann im weißen Kittel den Androiden auf die Werkseinstellungen zurück. Doch schon kommen Anrufe mit Beschwerden über ebenfalls sich allzu menschlich verhaltende Arbeitshelfer ohne echtes Fleisch und Blut. Der Arzt klagt völlig zerknirscht über die "neuen Modelle", die ihre Programmierung in Frage stellten und Probleme mit der Firmware hätten. Als das Telefon erneut schrillt, hält er es nicht mehr aus und setzt sich selbst zurück, da er auch Teil der Maschinerie ist.

In die Reihe gut ein schmiegt sich "Introspect" des Londoner Filmemacher Piotr Karter, in dem ein älteres Ehepaar von seinem Sohn Tim einen Butler in Form des absolut "echt" wirkenden "Androiden 008" geschenkt bekommt. Nachdem dieser am Netz und nach einem babylonischen Sprachgewirr endlich auf Englisch eingestellt ist, benimmt er sich standesgemäß sehr höflich. Aspekte wie all die eingebauten Kameras, Sensoren und die damit verknüpften Fragen rund um die eigene Privatheit lässt das Paar zunächst schnell wieder fallen.

Am nächsten Morgen tanzt der Hausherr schon Rock 'n' Roll mit dem Musik abspielenden Roboter. Die Frau beklagt sich: "Er kriegt schon mehr Aufmerksamkeit als ich." Ihr Mann wiegelt ab und zählt die Vorteile des digitalen Mitbewohners auf, der nicht nur Essen servieren oder das Licht ausmachen, sondern auch den Herzschlag kontrollieren und Erinnerungen speichern könnte.

Letztlich überwiegt bei beiden aber doch die Angst vor der Singularität, also dem Zeitpunkt, an dem die Maschine die menschliche Intelligenz überholen und ihre Schöpfer komplett kontrolliert. Der Senior brät 008 mit der Pfanne eins über und erklärt den desolaten Zustand des Assistenten dem eintreffenden Sohn gegenüber mit einem bedauerlichen Unfall. Der nimmt es gelassen und sagt beiläufig, dass er die Videoaufnahmen später checken und seinen Eltern binnen 24 Stunden Ersatz liefern lassen werde. Bedenken des Paares wischt er weg mit dem Hinweis: "Wenn die KI die Steuerung übernähme, würdet ihr das gar nicht merken."

Zwischen Mensch und Maschine so gut wie nicht mehr unterscheiden lässt sich auch in der "Galerie der vergessenen Berufe". Der deutsche Regisseur Willi Kubica verlegt die Handlung ins Jahr 2068, in der ein "anonymer Künstler" Bilder von Arbeitern erstellt hat, deren Jobs längst intelligente Maschinen übernommen haben. Sie seien ersetzt worden durch den Fortschritt, ist einem Gespräch zwischen der geheimnisvoll wirkenden Galeristin Alma und dem Journalisten Marius zu entnehmen, der über die Ausstellung berichten will.

Mit der Digitalisierung ende die menschliche Evolution, nur noch die Technologie entwickle sich weiter, heißt es weiter. Algorithmen hätten sich immer komplexere Tätigkeitsfelder erschlossen und etwa Banker oder Lehrer erübrigt. Auf den Pressevertreter wirken die Bilder unruhig und aufgewühlt, sie lösen bei ihm eine Sehnsucht aus, "wie wenn man die Eltern zuhause besucht".

Maschinen würden nur aufgezogen wie eine Spieluhr, ihnen fehle das Bewusstsein, findet er. Roboter könnten aber eine Imitation von Kunst schaffen. Hier sei der Künstler ein "Freak aus Fleisch und Blut", versichert die Galeristin. Im Gegensatz zu ihrem Besucher stellt die sehr kühl wirkende Lady ihr Cocktailglas wieder auf den Tisch, ohne davon auch nur genippt zu haben. Menschliches hat sie damit nicht wirklich an sich.

Die Veranstalter des Sci-fi-Festivals wollen mit solchen Beiträgen die Konsequenzen der Technik "für die Welt von morgen" ausloten. So zumindest kommentierte dies Direktor Alexander Pfander auf einem Panel zu KI und wissenschaftlichen Bruchstellen in Form von "Science Friction". Man habe im vorigen Jahr viele Filme rund um Künstliche Intelligenz gezeigt, die aber alle ein pessimistisches Szenario in sich getragen hätten. Den Filmemachern liege damit wohl am Herzen, gängige "Werte, die Moral und Erwartungen" in Frage zu stellen.

Mit ihren Darstellungen des Kampfs um die Seele der Menschen sind die Regisseure der kurzen Festivalbeiträge nicht allein. "Geschichten über menschenähnliche Roboter und denkende Maschinen in Büchern und Filmen haben die Vorstellungen über Künstliche Intelligenz (KI) entscheidend geprägt", schreibt Andreas Dyck. "Seit der Antike faszinieren Geschichten von künstlichen Wesen und dem menschlichen Schöpfungsakt - wie etwa bereits in der altjüdischen Sage vom Golem, einer menschenähnlichen Lehmfigur, die zum Leben erweckt wird und Befehlen folgt."

Über den Stummfilm Metropolis mit dem Maschinenwesen Maria über "2001: Odyssee im Weltraum", in dem der legendäre Bordcomputer HAL die fehleranfällige Besatzung eines Raumschiffs vernichten will, oder "Westworld" mit einem scharf um sich schießenden mechanischen Revolverheld bis hin zu den Replikanten aus "Blade Runner" und "Ex Machina" mit der von Alicia Vikander gespielten maschinellen Verführerin Ava werde KI in der Science-Fiction vor allem als Bedrohung beschrieben und bediene "diffuse Ängste" vor Kontrollverlust, Ohnmacht oder der menschlichen Unterlegenheit.

In vielen einschlägigen Filmen werden Androide auch von sehr lebendigen Akteuren gespielt, fast menschlicher als der Mensch gezeichnet oder als Maschinen mit Emotionen, die letztlich selbst ein Erdensohn werden oder die "Krone der Schöpfung" erringen wollen. Für die Bonner Medienforscherin Britta Hartmann wird so auch die Frage aufgeworfen, inwiefern künstliche Menschen Lebewesen sind und welche Rechte sie haben. Science-Fiction verhandele im Kern letztlich oft uralte Fragen nach Menschlichkeit, der eigenen Identität und ihrer Abgrenzung vom Fremden, ergänzt der Züricher Filmwissenschaftler Simon Spiegel. Zusammen mit dem Lebensrecht für künstliche Schöpfungen wird für ihn so auch etwa sinnbildhaft in Zweifel gezogen, "wie ethisch es ist, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen".

Auch wenn die Wirklichkeit mit Piloten, die vergeblich gegen die automatische Steuerung kämpfen und den Tod hunderter Menschen nicht verhindern können, die Fiktion teils schon eingeholt hat: Mit der Arbeit von KI-Forschern hat das von der Technik in Sci-fi-Kassenschlagern gezeichnete Bild in der Regel wenig zu tun. Die Darstellung Künstlicher Intelligenz sei insbesondere in Science-Fiction-Filmen "häufig verzerrt", moniert Isabella Hermann, Koordinatorin eines Arbeitsbereichs über Verantwortung und maschinelles Lernen bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Zugleich muss man sich laut der Forscherin aber auch bewusst machen, wie omnipräsent fiktionale KI in der Popkultur sei: "Die fleischlose Fratze des Terminators, die unschuldig dreinblickende Ava aus Ex Machina, das rot leuchtende Auge von HAL 9000 aus 2001: A Space Odyssey oder auch mal Dr. Will Caster alias Johnny Depp aus Transcendence - selbst, wer kein Fan des Science-Fiction-Genre ist, kommt kaum an diesen Filmfiguren vorbei."

(Bild: RichartPhotos / shutterstock.com)

Vor allem durch dystopische Science-Fiction-Filme wie Matrix oder Terminator "hat jeder eine sehr bildstarke Vorstellung davon, was passieren könnte, wenn intelligente Maschinen die Macht übernehmen", legt Frank Schmiechen auf dem Portal "Gründerszene" dar. In diesen Streifen ist die KI letztlich bestrebt, die Menschheit zu vernichten. Dabei sei die Matrix "wesentlich effizienter" als das hinter dem Terminator stehende smarte Netzwerk Skynet, konstatieren Filmexperten: "Sie hat den Menschen zu einer Energiequelle reduziert."

Kein Wunder also, dass auch Vordenker wie Tesla-Chef Elon Musk oder der Astrophysiker Stephen Hawking bereits immer wieder in die Rolle der Kassandra geschlüpft sind und vor dem Ende der Menschheit wegen intelligenter Maschinen gewarnt haben. Musk sieht im Wettbewerb um die Vorherrschaft bei KI auf nationaler Ebene "den wahrscheinlichsten Auslöser des Dritten Weltkriegs". Hawking befürchtete: Wenn Menschen Computerviren programmieren könnten, werde auch jemand KI so designen, dass sie sich optimiert und selbst vervielfältigt. Daraus hervorgehen werde "eine neue Lebensform", die dem Menschen leistungsmäßig überlegen sei.

Viele dieser Filme und der damit hervorgerufenen Ängste sind für Hermann aber "mehr eine Projektionsfläche für menschliche Sehnsüchte und Urängste als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen von KI-Anwendungen". In Berlin sprach die Politikwissenschaftlerin von einem "Frankenstein-Paradox": Der Mensch strebe danach, Kreaturen zu erschaffen, vor denen er sich eigentlich fürchte. Der Wunsch, etwas Menschenähnliches oder gar Übermenschliches zu erschaffen und damit einhergehend die Sorge um Kontrollverlust und Fremdbeherrschung seien wiederkehrende Grundthemen des Genres.

Dazu komme oft ein kräftiger Schuss Gesellschaftskritik, hat die KI-Expertin herausgefunden: "Roboter und Maschinen dienen als Stilmittel, um uns Zuschauern einen Spiegel vorzuhalten." Oft repräsentierten sie etwa marginalisierte oder diskriminierte Gruppen, die nicht nur im Film schlecht behandelt würden. Ex Machina sei in diesem Sinne "eher eine feministisch angehauchte Emanzipationsgeschichte, in der sich ein weibliches Opfer von seinem perversen Peiniger befreit".

"Damit die Story funktioniert, muss Künstliche Intelligenz im Film allmächtig und magisch sein", erläutert Hermann. KI sei in der Realität aber keine Zauberkunst, sondern Mathematik und Technik. Ihre Repräsentationen in Science-Fiction-Filmen lenkten von den echten Chancen etwa im Gesundheitswesen oder für einen verringerten Ressourcenverbrauch genauso ab wie von den tatsächlichen Herausforderungen. Dazu zählt die Politologin etwa "Risiken wie die Verfestigung von Ungerechtigkeiten durch verzerrende Diskriminierungen in Datensätzen, mit denen wir Maschinen trainieren".

Hermann fordert daher Maßnahmen, um Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu erhöhen. Gefragt seien etwa "diversifizierte Entwicklerteams mit Sinn für den sozialen Kontext von Daten, eine aufgeklärte Gesellschaft und eine Politik, in der demokratische Grundwerte weiterhin zählen". Für Science-Fiction-Blockbuster sei eine solche Agenda freilich schlicht "nicht sexy genug".

Der britische Regisseur Toby Willmott, der in Kurzfilmen wie "Happy Birthday" oder "Lullaby" die vergebliche Schlacht zwischen dem Menschen und systemischen Kräften weit jenseits seiner Kontrolle verbildlicht, pflichtete Hermann auf dem Berliner Podium zumindest teilweise bei. Für ihn ist KI "plausibel und magisch zugleich". Dass jeder Smartphone-Besitzer mit Diensten wie Spotify an jedem Ort mit Internetverbindung seine Lieblingsmusik aus der Cloud streamen oder dank automatischer Übersetzungshelfer "mit dem Taxi-Fahrer" in einem fremden Land sprechen könne, habe man sich vor einigen Jahren noch überhaupt nicht vorstellen können.

(Bild: sdecoret / shutterstock.com)

Heute denken Willmott zufolge vor allem noch viele Kreative, ihre Jobs seien "ziemlich sicher". Computer kämen in diesem Bereich immer noch schnell an einen Punkt, an dem sie passen müssten. Der Filmemacher glaubt aber, dass "die KI uns auch recht einfach überholen könnte".

Sowohl in Hollywood als auch im indischen Bollywood seien schon "dramaturgische Algorithmen" zugange, die Drehbücher auf ihre Erfolgsaussichten beim Kinopublikum hin analysierten, fügte Willmotts Kollege Kubica an, der sich bereits filmisch mit den verschwindenden Berufen auseinandersetzte. Die Drehbuchautoren müssten ihre Werke dann gegebenenfalls anpassen, worauf sie vielfach gekränkt reagierten.

Der Mann vom Fach ist sich sicher: "In naher Zukunft könnte der 'Tatort' von einem Algorithmus geschrieben werden", nachdem in der Krimi-Serie jüngst erst das kaum mit "Alexa" zu verwechselnde KI-System "Maria" eine Hauptrolle spielte. Es gebe da so viele feste Regeln und Muster für den Handlungsablauf wie etwa zum Auffinden toter Körper oder zum Ermittlungsprozess, die weitgehend automatisiert ausgefüllt werden könnten.

Dass Roboter Empathie entwickeln oder dies wünschenswert wäre, glaubt Kubica dagegen nicht. Eine Maschine müsse selbst nichts fühlen, betonte er. Das sei genauso wie im Kino: Auch dort habe die Leinwand keine Gefühlsregungen, selbst wenn die Zuschauer über das darauf Gezeigte weinten wie die Babys. Bislang wisse keiner, was da "im Kopf und im Herz alles abläuft bei uns". Generell sei es über die Darstellung von KI im Film möglich zu lernen, "was es heißt, Mensch zu sein".

Dass Science-Fiction aufgemotzt mit Künstlicher Intelligenz mit Ausnahme etwa von Star Trek zum Desaster neige und menschliche Rebellen ihren Widerstand im Einsatz für eine bessere Welt "nicht immer überleben", ist für Aleksandra Sowa, Mitgründerin des Horst-Görtz-Instituts für Sicherheit in der Informationstechnik, aber kein vorgezeichnetes Regelwerk, das so auch in der Wirklichkeit eintrete. "Wir müssen nicht glauben, dass es so kommt", sagte die zertifizierte Datenschutzbeauftragte. Die Lösung laute: "Regulierung ähnlich wie beim Datenschutz oder bei der Software-Programmierung."

(Bild: FlashMovie / shutterstock.com)

Dafür müssten am besten international Standards gesetzt und damit etwa die IT-Sicherheit in die Systeme von Anfang an eingebaut werden, unterstrich Sowa. Da es sich selbst bei lernenden Algorithmen auch "nur um ein Stück Code" handle, könnten diesen klare Regeln gesetzt werden, so wie ein Kind erzogen werde. Entsprechende Vorschriften sollten quasi "von den Eltern, der Gesellschaft oder den Lehrern" kommen. Als Beispiel nannte sie einen autonomer Saugroboter, der gelernt habe, auf dem Boden kriechende Insekten sich nicht einzuverleiben.

Prinzipien wie die Gesetze, die der Science Fiction-Autor Isaac Asimov in den 1940ern entwickelte, "können durch Designer und Programmierer angewendet werden", ging David De Roure vom Alan-Turing-Institut in London mit Sowa weitgehend konform. Roboter dürften also niemals einen Menschen schädigen oder gar töten, sollten einem Menschen immer gehorchen und ihre eigene Existenz schützen, solange sie damit nicht in Konflikt kämen mit dem ersten oder zweiten Grundsatz. Er räumte aber ein, dass bei komplexen Systemen wie dem vernetzten Heim oder gar Smart Cities mit vielen verschiedenen integrierten KI-Produkten eine Regulierung schwierig werde. Die Entwickler müssten jedenfalls Techniken designen, "die Ethik unterstützen".

Aus dem Publikum wollte ein Sci-fi-Begeisterter wissen, ob das "sie gegen uns" mit übergriffigen Maschinen ewig so weitergehe oder nicht eine Symbiose zwischen Mensch und Maschine der nächste Schritt der Evolution sein dürfte. Prothesen und Techniken zur Stimulation tiefer Hirnregionen könnten schon darauf hinweisen, dass es hier künftig einmal "nur noch eine Gattung" geben werde.

(Bild: Bruce Rolff / shutterstock.com)

Sie halte den Cyborg für das wahrscheinlichere Szenario als die Herrschaft der KI über den Menschen, nahm Sowa diesen Faden auf. Sie hoffe zumindest "dass wir zu meinen Lebzeiten noch einen externen Speicher fürs Gehirn bekommen". Sie persönliche bräuchte eine solche maschinelle Hilfe auf alle Fälle. Solche Körpererweiterungen könnten den Menschen besser machen, ob daraus eine echte neue Spezies erwachse, sei aber nicht ausgemacht. Mit dem Smartphone gebe es zumindest schon ein Gerät, "das uns mit den Social-Media-Plattformen vernetzt", gab sich De Roure da schon mit kleineren Schritten zufrieden.

"Ich würde mein Bewusstsein heute nicht in die Cloud laden", zeigte sich Kubica vorsichtiger. An der Dichotomie zwischen Mensch und Maschine sei auch mit schuld, dass viele Erdenbürger KI und Computer nicht wirklich verstünden und auch Programmcode nicht lesen könnten. Es sei daher Aufgabe der Entwickler, die Technik transparent zu machen. Das Bewusstsein verändere sich im Lauf des Lebens sowieso immer wieder gründlich, meinte Willmott. Viele Menschen hätten zudem wohl auch ihrerseits die Begierde, sich in eine Maschine zu verwandeln. So bleibt im Abspann auf jeden Fall viel Stoff für zahlreiche weitere kurze und längere Science-Fiction-Filme, die schaurig-schön KI ins Zentrum rücken. Und vielleicht auch für etwas mehr Optimismus: Live long and prosper! (jk)