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Missing Link: Tschüss Auto, hallo Robo-Taxi! Verkehr à la Silicon Valley

Digitale Verkehrs-Dienstleistungen könnten den Verkehr revolutionieren. Tesla, Uber und Google liefern Daten und Algorithmen und verunsichern die Autoindustrie.

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(Bild: pixabay.com)

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Digitale Konzerne treten an, ein neues Feld zu erobern: den Verkehr. Elektrischer Antrieb, geteilte Privatautos und selbststeuernde Fahrzeuge – für jede dieser Herausforderungen steht stellvertretend ein Unternehmen aus dem Silicon Valley Pate: Tesla, Uber und Google. Bei ihnen stehen Daten und Algorithmen im Zentrum ihrer Aktivität, sie sind Profis sind, wenn es um Kundenbeziehungen und Services geht. Die Autoindustrie ist verunsichert: Wollen die Leute überhaupt noch Autos kaufen, oder doch lieber einen digitalen Service nutzen, den dann Uber, Google oder Tesla anbieten?

"Missing Link"

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

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Ein Beitrag von Timo Daum

(Bild: Timo Daum/Fabian Grimm)

Timo Daum, geboren 1967, studierte Physik an den Universitäten Karlsruhe und Hamburg. Seit 2004 ist er als Dozent in den Bereichen Wirtschaftsinformatik und zu Themen der Digitalen Transformation an Fachhochschulen im In- und Ausland tätig. Er arbeitet zudem u.a. als Multimedia-Designer und Anwedungsentwickler. Nach seinen Büchern "Das Kapital sind wir: Zur Kritik der digitalen Ökonomie" und "Die Künstliche Intelligenz des Kapitals" (Edition Nautilus) ist gerade sein neues Buch "Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen" beim Oekom-Verlag erschienen.

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Die sonst so glanzvolle Leistungsschau der deutschen Autoindustrie, die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, geriet dieses Jahr zum Fiasko. Der Frankfurter Oberbürgermeister wurde nicht eingeladen und veröffentlichte daraufhin seine geplante Rede prompt in der FAZ. Während drinnen wie gewohnt PS-starke Individual-Verkehrsmittel besichtigt werden konnten, demonstrierte und blockierte draußen bei Kaiserwetter die Klimabewegung gegen die Autoindustrie als Hauptverursacher von klima- und Menschen-schädlichen Emission. Die IAA wird wohl angesichts massiver Besuchereinbrüche, brancheninterner Kritik am Grundkonzept der Auto-Show und den der erfolgsverwöhnten Industrie bevorstehenden „mageren Jahre“ – so Autoexperte Dudenhöffer – zum letzten Mal stattgefunden haben.

Abseits der großen Fahrzeug-Inszenierungen gab es auch anderes zu entdecken. VW-Tochter MOIA, die in Hamburg einen vollelektrischen Ride-Sharing-Dienst testet, stellte ihre eigens dafür bei Karmann in Osnabrück umgebauten schwarz-goldenen Transporter aus. Bei den Fachvorträgen und vielen Ausstellern, von Bosch bis Ridecell, drehte sich alles um IT-Fragen und Mobility as a Service (Verkehr als Dienstleistung). Insbesondere ein Begriff war bei den Fachvorträgen immer wieder zu hören: die Flotte.

Die Autoindustrie versteht sich seit jeher als Hersteller eines Produkts, das sie an den Endkunden verkauft. Weltweit sind derzeit ca. 90 Millionen Fahrzeuge unterwegs, das entspricht einem immensen Markt von geschätzten 2 Billionen Euro. Im Schnitt erzielt sie dabei einen Umsatz von 38.000 Euro und einen Gewinn von 2200 Euro pro Fahrzeug, bei Kleinwagen eher weniger. Porsche erreicht schon mal 10.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug und ist damit Branchenprimus. Sobald ein Auto verkauft ist, verabschiedet der Hersteller seinen Kunden und hofft, dieser möge in ein paar Jahren wiederkommen, um ein neues Auto zu kaufen. Was der Kunde oder die Kundin in der Zwischenzeit mit dem Fahrzeug anstellt, darüber erfährt der Hersteller wenig, und es interessiert ihn auch nicht weiter.

Die Sicht von IT-Unternehmen ist eine ganz andere: Aus ihrer Sicht sind die 16 Billionen Kilometer, die pro Jahr weltweit zurückgelegt werden, eine immense Geschäftsmöglichkeit. Die Kunden verbringen schließlich viel Zeit in den Fahrzeugen, während der sie mit Werbung und Unterhaltung versorgt werden können, und für jeden zurückgelegten Kilometer können Gebühren erhoben werden. Je mehr Zeit auf der Plattform, mit dem Gerät, auf dem Dienst verbracht wird, desto besser. Aus der Spieleindustrie wurde hierfür der Begriff "time on device" entlehnt, die aktive Nutzungszeit eines Geräts oder Dienstes. Für die Verwertung von digitalen Diensten ist das ein entscheidendes Kriterium, ebenso bei den Plattformen des Webs.

Um diese Nutzungszeit maximal auszunutzen, und gleichzeitig die Kosten niedrig zu halten, ist eine Flotte an fahrerlosen Robo-Taxis am besten geeignet. Also der Betrieb einer elektrischen, autonom fahrenden, vernetzten Flotte. So kann der Netzwerkeffekt zum Tragen kommen, eine Mobilitätsplattform entsteht, die für Dritte interessant ist, die bei den Fahrten anfallenden User-Daten können lukrativ vermarktet werden – wen das an die Logik von Internet-Plattformen erinnert, liegt genau richtig: Das ist das Szenario des Plattform-Kapitalismus übertragen auf den Straßenverkehr. Und genau dieses Modell, das heute noch futuristisch anmutet, wird von den Digitalkonzernen mit Fiebereifer angestrebt.