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Missing Link: Was ist eigentlich aus alten Smartphone-Betriebssystemen geworden?

Sie hießen BlackBerry OS, Tizen, Firefox OS oder webOS. Gescheiterte Alternativen zu Android und iOS gibt es genug. Wir zeigen, wo sie heute weiterleben.

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Zwar dominieren iOS und Android den Smartphone-Markt, doch im Laufe der Smartphone-Geschichte haben es Hersteller immer wieder mit eigenen Systemen versucht.

"Missing Link"

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

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Ein eigenes Betriebssystem bedeutet in erster Linie Freiheit: Der Entwickler kann damit machen was er möchte. Ändert sich seine Hardware, kann er das System anpassen, ändert er sein System, kann er die Hardware darauf abstimmen. Er muss keine Lizenzgebühren zahlen oder Einschränkungen von Google oder Microsoft hinnehmen. Wie kritisch das sein kann, zeigt der chinesische Hersteller Huawei: Wegen Handelskonflikten zwischen den USA und China muss Huawei auf wichtige Android-Bestandteile wie den Play Store verzichten – mit einem eigenen System wäre das nicht passiert.

Heute beherrschen Android und iOS den Markt. Die anderen Betriebssysteme sind aber nicht verschwunden, sie laufen nur nicht mehr auf dem Smartphone.

(Bild: Statista)

Aber ein eigenes Handy-Betriebssystem ist gleichzeitig ein Risiko. Was passiert, wenn die Systeme den Durchbruch nicht schaffen? Oft leben Sie in komfortablen Nischen weiter. So mag es zwar Firefox OS nicht mehr geben, aber der darauf aufbauende Fork KaiOS findet sich auf vielen Feature-Phones wieder. Einige Autos setzen beim Infotainment auf BlackBerry OS und Samsungs Betriebssystem Tizen kommt in erstaunlich vielen Produkten des koreanischen Konzerns zum Einsatz – nur nicht auf Smartphones.

Trotz ihrer Unterschiede haben sie eine Gemeinsamkeit: Auf dem Smartphone sind die Systeme am Ende gnadenlos durchgefallen. Wir erklären wieso.

Over-the-Air-Updates, Push-Dienste, Exchange- und Groupware-Möglichkeiten – Unternehmen fanden früh gefallen an den Funktionen von BlackBerryOS und den dazugehörigen Geräten des Herstellers Research in Motion (RIM) aus Kanada. Dank der Tastatur unterhalb des Displays wurden die markanten BlackBerrys fast schon zum Synonym für den Manager. Die Provider verdienten dank spezieller Tarife gut daran und bewarben das kanadische Ökosystem entsprechend. Regelmäßige Updates versorgten BlackBerry OS mit neuen Funktionen, ebenso flutete RIM den Markt mit verschiedenen Smartphone-Modellen.

Einen großen Schub erhielt BlackBerry OS im Sommer 2005 mit der Integration des BlackBerry Messenger (BBM). Der erlaubt neben dem Versand von Texten und Bildern auch Voice-Chats. Für den geschäftlichen Einsatz seinerzeit jedoch viel wichtiger: Nutzer mussten sich durch den Austausch eines Schlüssels – anfangs in Form einer PIN, später alternativ per QR-Code – gegenseitig authentifizieren. Nicht zuletzt solche Funktionen waren es, die die Beliebtheit von BlackBerry OS rapide steigen und RIMs Umsatz wachsen ließen. Setzte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2005 1,3 Milliarden US-Dollar um, überschritt man nur vier Jahre später die Marke von 10 Milliarden. Der Marktanteil lag zu diesem Zeitpunkt dank knapp 30 Millionen verkaufter Smartphones bei etwa 20 Prozent. Im Geschäftsjahr 2010 wurde mit rund 50 Millionen Smartphones der Absatzhöhepunkt für BlackBerry OS erreicht, der Marktanteil verringerte sich ab diesem Zeitpunkt aber rapide.

Ende 2009 erreichten Blackberry-Smartphones ihren höchsten Marktanteil. Anschließend ging es steil bergab in die Bedeutungslosigkeit.

(Bild: Statista)

In Unternehmen konnte sich vor allem Apple durchsetzen. Mit iOS 2 und 3 hielten Funktionen Einzug, die RIM bis dahin fast exklusiv für sich hatte – darunter Push-Services, Optionen für Administratoren, CalDAV- und LDAP-Unterstützung. Zudem konnte Apple auch finanziell überzeugen: Providern wurden Rabatte angeboten, die in Form von besonderen Geschäftskundentarifen an Unternehmen weitergegeben wurden, das teure RIM-Backend wurde überflüssig.

RIM benannte sich in Blackberry um und veröffentlichte mit BlackBerry 10 noch einen großen Nachfolger von BlackBerry OS. Vergeblich. Das Unternehmen gab 2016 auf, eigene Smartphones zu entwickeln und vergab stattdessen eine Namenslizenz an TLC.

Aber das Betriebssystem der Kanadier ist nicht so tot, wie es scheint. Dank der umfangreichen Sicherheitsmerkmale lebt es sogar in einigen Smartphones weiter – allerdings nur in denen von Samsung. Denn die Koreaner haben sich 2014 die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Kanadier geschnappt, und sie in den eigenen Sicherheitsdienst Samsung Knox integriert. Knox schottet die privaten und geschäftlichen Daten eines Nutzers strikt voneinander ab und bietet weitere Sicherheits-Funktionen für Android, die besonders im Unternehmensbereich gefragt sind.

Und auch in Autos lebt BlackBerry als Betriebssystem weiter. Denn für die Entwicklung von BlackBerry 10 übernahm die Firma den kanadischen Software-Entwickler QNX Software Systems. QNX ist ein Echtzeitbetriebssystem mit Microkernel und war für Embedded-Systeme konzipiert. Heute nutzen ihn viele Automobilhersteller für ihre Infotainment-Systeme. Funktionen, die Blackberry für Blackberry 10 entwickelte, finden sich heute in QNX und damit auch in Autos von beispielsweise BMW, Audi oder VW wieder – vor allem in Hinblick auf Bedienoberflächen und Bedienung.

Der Stammbaum von Samsungs mobilen Betriebssystem Tizen ist etwa so verzweigt und kompliziert wie der eines alten europäischen Königshauses: In Tizen kommen Einflüsse aus Linux Mobile (LiMo) und der eigenen Samsung Linux Platform (SLP) zusammen. Auch MeeGo, das aus Moblin von Intel und Maemo von Nokia entstand, ging unter anderem in Tizen auf. Zusätzliche Einflüsse kommen von der koreanischen Eigenentwicklung Bada. Aber Tizen hat eine langfristige Zukunft vor sich – bloß auf dem Smartphone-Thron wird man das Betriebssystem nicht finden.

Nein, das ist kein königlicher Stammbaum. Nur die Entwicklungsgeschichte von Tizen.

Im September 2012 veröffentlichte Samsung Tizen in der Version 2.0 und man spekulierte bereits über Handys für Entwickler. 2015 erschien dann für normale Nutzer das Samsung Z1 in Indien, Bangladesh und Sri Lanka mit dem lang erwarteten Tizen-Betriebssystem: 4-Zoll-Bildschirm, Zweikern-CPU mit 1,2 GHz, 78 Euro. Einige weitere Z-Handys mit dem Betriebssystem folgten, ohne den großen Durchbruch zu schaffen.

Gegen günstige Android-Handys mit Zugriff auf Millionen Apps kam ein Tizen-Smartphone schlicht nicht an. Dafür ist es durch den großen Stammbaum sehr flexibel: Tizen-Programmierer können heute Web-Apps in HTML gestalten oder native Apps in C programmieren. Selbst .Net-Anwendungen in C# sind möglich.

Das Samsung Z1: Das erste Smartphone mit dem Tizen-Betriebssystem. Der Erfolg blieb allerdings aus.

Das Betriebssystem ist auf dem Handy gefloppt, hat heute aber mehrere komfortable Nischen gefunden: Die Smartwatches von Samsung laufen beispielsweise mit Tizen, von der Gear 1 bis zur aktuellen Watch Active 2. Dort lässt es sich per Touchscreen, Knöpfen und Lünette bedienen und bringt über einen eigenen Store Apps aufs Handgelenk. Samsung lieferte die Gear 1 ursprünglich mit Android Wear aus, über ein Update konnten Nutzer aber 2014 Tizen installieren.

Etwa beim Fernseher QE88Q9FGMT QLED, mit dem man sich eine Bilddiagonale von 88 Zoll ins Wohnzimmer holt. Dort gibts Tizen im Großformat und man drückt sich per Fernbedienung durch Kanäle, Einstellungen oder die Netflix-App.

Auf einigen Samsung-Kompaktkameras der NX-Serie läuft ebenfalls Tizen. Mittlerweile sind eben selbst Kameras nur kleine Computer mit einer großen Linse. Und auch die benötigen ein Betriebssystem. Nebeneffekt: Wer eine Sicherheitslücke im System findet, kann eigene Software installieren, wie es ein IT-Spezialist bei der NX300 getan hat.

Smartwatches, Fernseher, Kameras: Das kann sich sehen lassen. Aber auch auf einigen kuriosen Geräten hat es Tizen verschlagen. Der OBD2-Dongle Connect Auto von Samsung läuft etwa auf Basis von Tizen. Der Dongle baut etwa ein Hotspot auf und schickt Fahrdaten an eine spezielle Samsung-App. Wie eine Art Fitbit fürs Auto.

Nicht nur das Auto behält Tizen im Blick. Auch den Kühlschrank überwacht das Betriebssystem. Denn Tizen ist Grundlage von Samsungs Family Hub, das auf den vernetzten Kühlschränken des Unternehmens läuft und etwa einen Blick ins Innere des Geräts erlaubt. Kalender, Fotos und Notizen zeigt Family Hub ebenfalls an.

Tizen steckt zudem im M9500 und M8500, Blu-ray-Player für Inhalte in Ultra HD. Außerdem findet man es in vielen kleinen IoT-Geräten von Samsung, etwa den Powerbot Saugrobotern, als abgespeckte RT-Version.

Auf dem Mobile World Congress (MWC) 2013 war Firefox OS ein Höhepunkt: Das Betriebssystem mit dem bekannten Namen von Mozilla galt als echte Alternative zu Android und iOS. Huawei, LG und Alcatel haben damals schon die ersten Geräte mit dem Betriebssystem angekündigt. Zudem wollten 18 Mobilfunkbetreiber Firefox OS unterstützen – darunter etwa die Telekom und Telefónica. "Ich wünsche dem Mozilla-Team von ganzem Herzen Erfolg", sagte René Obermann, damals Vorstandsvorsitzender der deutschen Telekom.

Bekannter Name, große Firmen, angekündigte Geräte: Die Startbedingungen von Firefox OS waren auf dem Mobile World Congress optimal. Ende 2013 kam auch das erste Handy mit Firefox OS nach Deutschland: Das Alcatel One Touch für 90 Euro.

990 Tage nach dem Auftritt auf dem MWC 2013 stellte Mozilla das Projekt für Smartphones ein. Eine letzte Version 2.6 sollte es noch geben, dann hatte es sich auf Handys ausgefuchst. Bedrohlich war Firefox OS für Android und iOS nie, der Anteil am Markt der Smartphone-Betriebssysteme verschwindend gering.

Die Architektur von Firefox OS.

Die Architektur von Firefox OS

Die Architektur von Firefox OS besteht aus drei Schichten, die die Anwendungen vom Kern trennen:

  • Die Bedienoberfläche Gaia: Die Entwickler haben sie als Weboberfläche in JavaScript und HTML5 konzipiert. Gaia steuert den Homescreen, die Standard-Apps und die Bildschirmsperre. Bei den Apps unterscheidet Firefox OS zwischen gepackten Apps, die auf dem Gerät installiert sind und gehostete Apps, die auf einem Server ausgeführt werden.
  • Die Rendering-Engine Gecko: Diese Schicht rendert nicht nur HTML5, sondern bietet auch Schnittstellen für SMS, GPS oder die Kamera – also für alles, was ein Smartphone so ausmacht. Gecko findet sich auch im echten Firefox-Browser wieder. Im Mittelpunkt steht der b2g-Prozess, der auf große Teile der Hardware zugreifen kann. Das System packt jede App in eine Sandbox, die über eine eigene Ablaufumgebung verfügt.
  • Die Infrastrukturschicht Gonk: Sie baut im Grunde auf einem Standard-Linux-Kernel auf, der auch bei Android als Basis dient. Dazu kommen Hardwaretreiber und Bibliotheken für etwa GPS oder die Kamera, damit Gecko sie nutzen kann.
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Nach dem Todesstoß von Mozilla zuckte Firefox OS noch kurz: Das Unternehmen Acadine Technologies des ehemaligen Mozilla-Präsidenten Li Gong wollte das auf Firefox OS basierende System H5OS weiterhin Providern anbieten. 40 Entwickler von Mozilla folgten ihm und 100 Millionen Dollar gabs als Startkapital. Das Ergebnis: H5OS hat es nie auf ein Smartphone geschafft, die Firmenwebsite ist heute nicht mehr erreichbar.

Panasonic nutzt Firefox OS als Basis für sein Smart-TV-Betriebssystem My Home Screen, etwa für den 4K-Fernseher mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale TX-55FXW654. Während Firefox OS auf eine offene Infrastruktur setzte, kontrolliert Panasonic sehr genau, wer für My Home Screen Apps entwickeln darf. Entwickler-Accounts werden nur nach Einladung vergeben, und Programmierer müssen vorher angeben, welche App sie für das System entwickeln wollen. Panasonic entscheidet dann, ob sie diese App in ihrem Store haben möchten.

Der größte Erfolg von Firefox OS dürfte KaiOS sein, ein Fork von B2G OS, das wiederum ein Community-Fork von Firefox OS ist. Es läuft auf Millionen Feature-Phones, also auf Handys, die noch so aussehen, als hätte es das iPhone nie gegeben – wie die Neuauflage des Nokia 8110. Feature Phones sind in der Regel recht günstig, damit dürfte ein ursprüngliches Ziel von Firefox OS erhalten geblieben sein. Auch die Zukunft sieht gut aus, denn im Juni 2018 investierte Google 22 Millionen Dollar in das Betriebssystem. Doch die Offenheit von Firefox OS hat es nicht in die Zukunft geschafft: KaiOS ist Closed Source.

Kaum ein Unternehmen der IT-Branche hat eine so wechselvolle Geschichte hinter sich wie Palm. Mitte der 90er-Jahre brachte das erste wenige Jahre zuvor gegründete Unternehmen den PalmPilot auf den Markt, der den PDA-Markt wesentlich beeinflusste und als ein Vorgänger des Smartphones gilt. Mitte der 90er erlebte Palm eine wechselhafte Geschichte, die schließlich zur Geburtsstunde von webOS führte. Vorgestellt wurde das Betriebssystem im Januar 2009, zusammen mit dem Palm Pre.

Obwohl Palm viel Erfahrung mit Betriebssystemen und mit Palm OS eine weit verbreitete Plattform hatte, wurde webOS von Grund auf neu entwickelt. Als Basis fungierte ein Linux-Kernel, im Mittelpunkt standen die Bedienung per Touchscreen und wahlweise über physische Tasten sowie Multitasking. Letzteres galt in Bezug auf die Bedienoberfläche als das fortschrittlichste seiner Zeit. Auf Knopfdruck wurden alle laufenden Programme in Form von Karten angezeigt, zwischen denen man mit Wischgesten wechseln konnte.

Das Palm Pre mit WebOS.

In den ersten beiden Jahren brachte Palm insgesamt vier Smartphones mit webOS auf den Markt. Den Anfang macht im Juni 2009 das Palm Pre, es folgten im November das kleinere Palm Pixi sowie im Januar 2010 die leicht verbesserten Modelle Pre Plus und Pixi Plus.

Nach der Übernahme von Palm durch HP erschien im Herbst 2010 das Palm Pre 2. Im Sommer 2011 folgten das HP Veer, das HP Pre 3 sowie mit dem HP TouchPad das erste Tablet mit webOS. Quasi mit dem Verkaufsstart des HP Veer und HP Pre 3 gab man bekannt, dass die PC-Sparte inklusive webOS verkauft werden solle.

Für das bereits in der Entwicklung befindliche webOS 4.0 sowie neue Smartphones und Tablets bedeutete das das abrupte Aus inklusive eines aufsehenerregenden Schlussverkaufs des TouchPads und Pre 3. Dabei sollte die neue Hardware webOS wieder attraktiver machen. Die teilweise Bedienung über physische Tasten war nicht mehr zeitgemäß, Android und iOS lockten mit großen, reinen Touchscreen-Smartphones. Auf diesen Zug wollte HP aufspringen, wenn man später aufgetauchten Dokumenten Glauben schenkt.

Zwar verzögerte sich die Aufteilung von HP bis 2015, doch webOS fand mit LG bereits Anfang 2013 einen neuen Eigentümer. Zunächst sollten lediglich Fernseher mit dem Betriebssystem laufen. Dafür überarbeitete LG in erster Linie die Bedienoberfläche sowie die Bedienphilosophie, übernahm dafür etwa die Multitasking-Funktion.

Anfang 2015 wurde dann das erste mobile Gerät seit Sommer 2011 gezeigt. Im Januar präsentierte LG zusammen mit Audi einen namenlosen Prototypen, Ende Februar wurde daraus die Watch Urbane LTE. Dass hier anders als bei der gleichzeitig vorgestellten Watch Urbane nicht Android Wear zum Einsatz kam, begründete das Unternehmen seinerzeit mit der LTE-Integration sowie einigen abweichenden Bedienmöglichkeiten.

Doch mit der Ankündigung der Uhr endete das Kapitel webOS auf Mobilgeräten auch wieder. Im Handel landete die Watch Urbane LTE nie. Beim wenige Monate später vorgestellten Nachfolger setzte LG auf Android Wear. LG experimentiert mit dem Einsatz des Betriebssystems, beispielsweise in smarten Kühlschränken. Zuletzt kündigte LG auf der IFA 2019 einen smarten Kühlschrank mit webOS an.

Die LG Watch Urbane: Eine chice Uhr, die niemals erschienen ist.

(Bild: LG)

Die im März 2018 angekündigte Open-Source-Version webOS OSE hat bislang für keinen Schub gesorgt. Entwickler haben mit ihr Zugriff auf den Quellcode, Werkzeuge sowie die Dokumentation und werden von LG mit Updates versorgt.

In Zukunft soll webOS, vermutlich in Form von webOS OSE, auch in IoT-Geräten als Betriebssystem zum Einsatz kommen. Treibende Kraft dahinter ist Qualcomm. LG selbst arbeitet darüber hinaus an einem Ableger für die Automobilbranche, vor allem für Infotainmentsysteme. Smartphones und Tablets mit webOS sind derzeit nicht geplant. Dennoch lebt das Betriebssystem zumindest in Teilen weiter. So wurden die Multitasking-Ansichten in Android und iOS unübersehbar von webOS inspiriert. Mit LuneOS gibt es zudem ein Open-Source-Betriebssystem, das sich optisch an webOS orientiert.

Egal ob Tizen, Firefox OS, webOS oder BlackBerry OS – vergeblich war ihre Entwicklung in keinem Fall: Tizen ist das Alles-Betriebssystem für Samsung geworden, für alle Geräte der Koreaner, die keine Handys oder Tablets sind. Firefox OS bildet die Grundlage von KaiOS und lebt so auf Millionen Feature-Phones weiter. WebOS konnte die Irrungen von Palm und HP überstehen und hat die Nische in Fernsehern von LG gefunden. BlackBerry OS bildet die Grundlage für viele Car-Infotainment-Systeme und fährt so in Millionen Autos mit. Sie sind keine iOS- oder Android-Killer geworden, aber auch keine Versager. (str)
(mne)