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Missing Link: Wie Russen einmal erfolgreich Cyberwar führten

Donald Trump wurde auch dank russischer Hilfe zum US-Präsidenten gewählt. Dafür gibt es inzwischen genug Indizien. Wichtig ist es nun, daraus Lehren zu ziehen.

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Missing Link:

(Bild: Shutterstock)

Inhaltsverzeichnis

Zwei Jahre nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verfestigt sich das Bild jener Umstände, die zu dem überraschenden Votum geführt hatten. Vor allem in diesem Jahr ist dabei immer klarer geworden, welchen Anteil Hacker in Diensten des russischen Staats hatten und wie sie einen Cyberwar führten, auf den die Weltmacht USA nicht vorbereitet war. Das lag auch daran, dass er so ganz anders ablief, als es der Begriff gemeinhin suggeriert, denken doch die meisten bei "Cyberwar" an die durch Hacker lahmgelegte Fabrik oder gekappte Stromversorgung. 2016 war es jedoch ganz anders und noch ist nicht klar, ob daraus die richtigen Lehren gezogen wurden.

Vor allem der US-Sonderermittler Robert Mueller hat in diesem Jahr Licht ins Dunkel gebracht, wenn es um die Geschehnisse von 2016 geht. Aber auch der US-Kongress und eine Reihe von Reportern haben ihren Teil dazu beigetragen, dass immer klarer wird, was 2016 passiert ist. Nun hat mit Kathleen Hall Jamieson eine absolute Expertin zu US-Wahlkämpfen ihr Urteil abgegeben. In ihrem nur auf Englisch verfügbaren Buch "Cyberwar: How Russian Hackers and Trolls Helped Elect a President; What We Don't, Can't, and Do Know" trägt die Professorin an der University of Pennsylvania zusammen, warum sie meint, man könne mit hinreichender Gewissheit sagen, dass russische Hacker Donald Trump mindestens über die Ziellinie gehievt haben.

"Missing Link"

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

Ihre Ausführungen füllen die Lücken zwischen bereits hinlänglich diskutierten Begebenheiten des US-Wahlkampfs und begründen darüber hinaus das Urteil. Basierend darauf kann man ein Bild zeichnen, in dem ganz verschiedene Akteure kein gutes Bild abgeben, vor allem weil sie den Angreifern teilweise tatkräftig geholfen haben. Allen voran die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, durch Auslassung wichtiger Zusatzinformationen und durch die Fokussierung auf bestimmte Themen quasi über das Stöckchen gesprungen zu sein, das ihnen die Angreifer hingehalten haben. Letztlich haben sich aber genügend Wähler überzeugen lassen, weswegen das Wahlergebnis selbst nicht infrage steht.

Wir erinnern uns: Eines der beherrschenden Themen des US-Präsidentschaftswahlkampfs waren jene E-Mails von Hillary Clinton, in denen angeblich jede Menge Diskreditierendes stand. Anfang 2016 war es Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU gelungen, in das E-Mail-Konto von Clintons Wahlkampfchef John Podesta einzudringen und Nachrichten abzugreifen. Die wurden an die Whistleblower-Plattform Wikileaks weitergereicht, von der sie später im Wahlkampf strategisch geschickt veröffentlicht wurden. Zwar fand sich in den E-Mails nichts wirklich inkriminierendes, aber auch wegen Fehlern in Clintons Wahlkampf konnten bestimmte Inhalte gegen sie gerichtet werden.

Clinton-Kritiker stürzten sich vor allem auf die Abschriften von Reden, die Clinton hinter verschlossenen Türen bei Banken gehalten hatte. Durch eine geschickte Auslassung wurde dabei eine Passage fälschlicherweise so gedeutet, als würde Clinton dafür plädieren, in der Öffentlichkeit das eine zu sagen und in geschlossenen Meetings das Gegenteil. Dieses Detail wurde im Wahlkampf immer wichtiger, genauso wie die konstante Quellenangabe "Wikileaks". Indem die Medien so die wahren Urheber auch noch verschleierten, auch als lange klar war, wer dahinter steckt, verhinderten sie auch einen Blick auf deren Motive, die sich von denen unterschieden, die Wikileaks hochzuhalten vorgibt.

Diese Details sind unerlässlich, weil es um ein prägendes Element des Wahlkampfs geht. Clinton hatte den Fehler gemacht und die Reden nicht veröffentlicht. Damit gab sie zuerst ihrem Vorwahlkonkurrenten Bernie Sanders Anlass zu Kritik und später den Republikanern – die ihr unterstellten, sie habe etwas zu verheimlichen. Den russischen Angreifern war es gelungen, dem Wahlkampf eine Stoßrichtung zu geben. Allein bei der Nachrichtenagentur AP waren 30 Reporter mit den E-Mails beschäftigt. Zweifellos wäre die Wahl anders verlaufen, wenn auch Donald Trumps Steuerbescheide veröffentlicht worden wären oder die Schweigegeldzahlungen an eine Porno-Darstellerin.

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