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Technology Review

Mit Data Mining gegen falsche Tatsachen

Forscher haben untersucht, wie sich Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken wie Facebook verbreiten.

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Die Verbreitung von Fehlinformationen über das Internet ist ein allgemein bekanntes Phänomen. Nutzer schnappen Dinge auf, die schlicht falsch sind – und tragen sie weiter. Doch wie verbreiten sich solche Enten und warum glauben die Menschen an sie? Der Forscher Walter Quattrociocchi von der Northeastern University in Boston untersucht diese Phänomene insbesondere im Hinblick auf soziale Netzwerke, schon seit längerem, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. In seiner jüngsten Studie hat er erfasst, wie Menschen mit falschen Postings auf Facebook umgehen.

Dazu untersuchte er, wie mehr als eine Million Menschen mit politischen Informationen umgingen, die während der besagten italienischen Wahlen auf Facebook gepostet wurden. Insbesondere achtete Quattrociocchis Gruppe darauf, wie die Nutzer diese Informationen mit "Likes" versahen und wie sie kommentiert wurden. Die Postings stammten von Mainstream-Nachrichtenorganisationen, Alternativmedien sowie von Seiten, die sich politischen Kommentaren verschrieben hatten. Das Forscherteam untersuchte dann, wie dieser Personenkreis auf falsche Nachrichten reagierte, die aus satirischen Quellen stammten, von Trollen gepostet wurden oder einfach fehlerhaft waren.

Quattrociocchi und sein Team konnten zeigen, dass viele Nutzer, die traditionellen Medien nicht mehr vertrauen, von alternativen Anbietern angezogen werden – auch deshalb, weil sie zu spüren glauben, dass Politik und Lobby Einfluss auf die Mainstreamnachrichten haben.

Doch die Suche nach verlässlichen Nachrichtenquellen erweist sich als schwierig. "Überraschenderweise sind diejenigen, die alternative Nachrichten konsumieren, weil sie die "Massenmanipulation" des Mainstreams umgehen wollen, für falsche Behauptungen am zugänglichsten", sagt Quattrociocchi. Das zeigt auch, wie sich Verschwörungstheorien verbreiten können. Diese beginnen nicht selten in einer satirischen Ecke, erhalten dann auf die ein oder andere Art Respektabilität und überspringen die Glaubwürdigkeitshürde.

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(bsc)