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Mit Drohnen gegen den Kupferdiebstahl

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Um Kupferdiebstahl zu verhindern hat die Deutsche Telekom begonnen, ihre Telefonkabel mit sogenannter künstlicher DNA zu markieren. Obwohl sich der Preis für eine Tonne Kupfer von rund 5200 Euro derzeit auf einem Jahrestief befindet – im vergangenen Jahr lag er noch bei 6500 Euro pro Tonne –, ist er offenbar noch immer hoch genug, die Leitungen aus dem Metall zu einem beliebten Diebesgut zu machen. 2012 musste das Unternehmen bundesweit 270 Diebstähle mit einer Schadenssumme von 1,1 Millionen Euro verzeichnen.

Mit dieser Drohne wurde eine Freileitung markiert.

(Bild: Richard Sietmann)

Das soll nun die Markierung mit der künstlichen DNA verhindern. Dazu werden die Kabel mit einer transparenten Lösung benetzt. Die Substanz bleibt eine zeitlang an den Händen und an der Kleidung der Diebe haften und leuchtet unter UV-Bestrahlung, so dass der Tatnachweis leichter zu führen ist. Zudem besteht das Spray aus Microdots, die eine Art genetischen Code enthalten – eine für das bloße Auge unsichtbare Kodierung relevanter Informationen zu Eigentümer, Hersteller und Lager- oder Installationsort. So ist es möglich, Täter, Tat, Tatort und Eigentümer des Diebesguts zu verlinken.

Deutlich sichtbare Hinweise auf den Einsatz der Technik sollen Täter abschrecken.

(Bild: Richard Sietmann)

Während einer Vorführung demonstrierte die Telekom zusammen mit ihrem Partner ATG Kriminaltechnik am heutigen Montag im Süden Berlins, wie sich mit einem ferngesteuerten Helikopter eine Freileitung, die in der Vergangenheit bereits zweimal zur Beute von Dieben geworden war, mit der künstlichen DNA bestreichen lässt. Die forensische Markierungslösung werde kundenspezifisch gefertigt und sei witterungsbeständig, erklärte Philipp Cachée von ATG bei der Präsentation: "Schnee, Eis, Regen – kein Problem". Für den Dieb sei von außen nicht erkennbar, ob ein Telekom-Kabel markiert wurde oder nicht. Die künstliche DNA diffundiere durch das Hüllmaterial, so dass selbst beim Verbrennen des Mantels am Kupfer Rückstände der DNA erhalten blieben. Dazu, wie die Substanz das Hüllmaterial durchdringt, wollte er jedoch aus "ermittlungstaktischen Gründen" keine näheren Angaben machen.

Philipp Cachée, Leiter Forensik bei ATG, während der Vorführung.

(Bild: Richard Sietmann)

Ähnliche Verfahren, die auch von Firmen wie SDNA Forensische Markierungstechnologie GmbH, ACTC Anti Crime Technology Coporation GmbH oder SmartWater angeboten werden, setzen unter anderem bereits die Deutsche Bahn, die niederländische ProRail und die britische Network Rail ein. Die Deutsche Bahn hatte 2012 mehr als 2700 Diebstähle mit einer Schadenssumme von rund 17 Millionen Euro registriert. Mit ihr und weiteren Unternehmen engagiert sich die Deutsche Telekom in einer Sicherheitspartnerschaft gegen den Metalldiebstahl; zu der Allianz gehören auch die RWE AG, der Verband Deutscher Metallhändler (VDM), die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) und die Vatten Europe Mining AG.

Sein Unternehmen wolle mit dem Einsatz der forensischen Markierungstechnik "gezielt und präventiv Angriffen auf die kupfergebundene Kommunikationsinfrastruktur" begegnen, sagte der Leiter des Sicherheitsmanagements der Deutschen Telekom, Manfred Strifler. Dabei müsste sein Unternehmen den Buntmetalldiebstahl eigentlich nicht fürchten, wenn sich Deutschlands größter Netzbetreiber nur endlich von der Kupferübertragungstechnik verabschieden würde – mit Glasfaser-Anschlussleitungen gäbe es das Problem nämlich nicht. (anw)