Menü
Technology Review

Mit Gesichtserkennung zum Date: "CreepShield" - zwischen Sicherheitswerkzeug und virtueller Hexenjagd

Ein US-Anbieter will die Gesichtserkennung kommerzialisieren und die Technik als Schutzmaßnahme für Social-Media-Nutzer verkaufen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 61 Beiträge

Online-Dating kann schnell unschön werden, wenn sich der Partner als unseriös oder gar gefährlich erweist. Das US-Start-up CreepShield will solche Leute mittels Bilderkennung vorab aussortieren, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Der zunächst nur in Amerika verfügbare Dienst gleicht die Fotos von Internet-Bekanntschaften mit öffentlich zugänglichen Datenbanken von Sexualstraftätern ab.

Die Bedienung ist einfach: Ein Nutzer muss nur den Link eines Bilds in ein Suchfeld bei Dating-Portale wie Match.com, eHarmony, PlentyOfFish oder OkCupid einfügen. Dann wird es mit den Fotos von 475.000 aktenkundigen Sex-Tätern verglichen.

Noch funktioniert der Dienst allerdings mehr schlecht als recht. So ergab ein Test der "New York Times", dass die Software oft reichlich Treffer präsentiert, die kaum Ähnlichkeit mit dem Gesuchten haben. Eine Stichprobe mit einem weißen Mann förderte unter anderem eine dunkelhäutige Frau zutage. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um die gleiche Person handelt, bezifferte die Software auf erstaunliche 49 Prozent. Immerhin: Beide trugen randlose Brillen.

Kevin Alan Tussy, der Gründer von CreepShield, ist laut "New York Times" schon zuvor mit einem ähnlichen Dienst namens NameTag aufgefallen. Er sollte Gesichter, die im Videostream von Google Glass auftauchen, automatisch mit öffentlich zugänglichen Fotos in sozialen Netzwerken vergleichen und gegebenenfalls einem Namen zuordnen. Nach Einspruch der Politik wurde NameTag bislang nicht veröffentlicht.

Der deutsche Datenschützer Thilo Weichert, Beauftragter des Landes Schleswig-Holstein, sieht in automatisierten Gesichtserkennungsverfahren, wie sie auch das Social-Networking-Riese Facebook einst plante, grundsätzlich Probleme. Solche Systeme seien mit heutigem Datenschutzrecht schlicht nicht vereinbar.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)