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Technology Review

Mit Holz hoch hinaus: das höchste Holz-Hochhaus

2018 eröffnet das weltweit höchste Hochhaus aus Holz. Das klingt kuschelig, aber auch feuergefährlich. Kann man trotzdem unbesorgt einziehen?

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Mit Holz hoch hinaus

Ab 2018 soll in Wien das höchste Holzhaus der Welt stehen.

(Bild: Rendering: Kerbler Gruppe)

Häuser aus Holz erreichen immer neue Höhen. Jüngstes Beispiel ist das "HoHo Wien" mit 24 Stockwerken. 2018 soll es 84 Meter in den Himmel ragen. Damit ist es das größte Holzhochhaus der Welt. Das berichtet die neue Ausgabe Technology Review (ab heute im Handel und im heise shop bestellbar). Es beherbergt Büros, ein Hotel und Restaurants. Drei Viertel des Gebäudes bestehen ab dem Erdgeschoss aus Holz, die Treppenhäuser sind aus Beton. Bisheriger Rekordhalter ist ein 18-stöckiges Studentenwohnheim in Vancouver mit 53 Metern.

Und die Architekten denken bereits über noch höhere Gebäude nach. In London soll der "Oakwood Tower" entstehen, mit 300 Metern und 80 Stockwerken. Auch in Chicago ist ein Holzriese geplant: Der "River Beech Tower" kommt auf 244 Meter und 80 Etagen.

Die Frage ist nur: Soll man wirklich einziehen? Hochhäuser können furchtbare Feuerfallen sein. Sind sie aus Holz gebaut, liegt die Brandgefahr auf den ersten Blick noch um einiges höher. Doch Stefan Winter, der den Lehrstuhl für Holzbau an der TU München leitet und selbst in einem Holzhaus wohnt, versichert:
"Holz ist in dieser Hinsicht genauso sicher wie andere Werkstoffe." Stahl werde bei Bränden sehr schnell weich, und bei Beton komme es im Brandfall zu Absprengungen, die ebenfalls schnell die Stabilität beeinträchtigen. "Massives Holz brennt im Gegensatz dazu kontrolliert ab, und die dabei entstehende Schicht aus Kohle schützt den Kern und hält ihn vergleichsweise kühl."

Zur Sicherheit verlangt das deutsche Baurecht zudem einen Betonkern für Treppenhaus und Aufzüge. Aber selbst dies hält Winter für nicht zwingend nötig. Es seien durchaus Hochhäuser denkbar, die komplett aus Holz bestehen. "Es würde genügen, die Wände mit nicht brennbarem Material wie Gipsfasern auszukleiden", so Winter. "Technisch ist das kein Problem."

Wer also einzieht, kann die Vorteile des natürlichen Baustoffs genießen. "Die Wände puffern die Feuchtigkeit, sodass auch im Winterhalbjahr angenehmes Raumklima herrscht“, erklärt Winter. Hinzu kommen die warmen Holzoberflächen, die auch bei frostigen Außentemperaturen kaum Kältegefühle aufkommen lassen.

Neben den Bewohnern profitiert auch das Klima. 2800 Tonnen CO2 soll nach Firmenangaben allein das HoHo in Wien gegenüber der konventionellen Bauweise einsparen – vor allem, weil relativ wenig Zement zum Einsatz kommt. Dessen Produktion setzt große Mengen Treibhausgase frei. Außerdem bleiben in dem natürlichen Baustoff Holz große Mengen des Klimagases für Jahrzehnte gespeichert. "Sein Einsatz ist also sehr sinnvoll – wenn es aus nachhaltiger Produktion stammt", so Winter. Rohmaterial ist jedenfalls genügend vorhanden: "Würde man alle Neubauten in Deutschland aus Holz errichten, bräuchte man dafür nur rund 15 Prozent des jährlichen Einschlags hierzulande", rechnet Winter vor. Das Wiener HoHo besteht aus 3600 Kubikmeter Holz, was 0,6 Promille des jährlichen Holzüberschusses in Österreich entspricht.

Diesen und weitere Artikel lesen Sie in der neuen Januar-Ausgabe von Technology Review (ab 21.12.2017 im Handel und im heise shop bestellbar.)

(Christian Buck) / (jle)

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