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Mit Milliarden an die Weltspitze bei KI: Wo Deutschland steht

KI-Kenntnisse gehören ins Studium

Inhaltsverzeichnis

Steven Peters

Steven Peters hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und im Maschinenbau promoviert, er leitet das Team Artificial Intelligence Research bei Daimler. "Bei uns geht es um maschinelles Lernen, es gilt komplexe Muster in großen Datenmengen zu finden und nutzbar zu machen." Auch beim automatisierten Fahren werden solche Systeme zum Einsatz kommen und in Kamerabildern beispielsweise zwischen Fußgängern, Fahrzeugen oder Verkehrsampeln unterscheiden können. Die erste KI-Anwendung hat Daimler seit 2013 mit dem Fußgänger-Notbremssystem in Serie.

In diesem Jahr brachte der Automobilbauer mit der neuen A-Klasse ‚Mercedes-Benz User Experience‘ auf den Markt, das aus dem Verhalten des Nutzers lernt. Die Anwendung passt sich dadurch den Gewohnheiten des Fahrers an und erkennt Lieblingssender im Radio und übliche Routen – beides schlägt das Programm dann intuitiv vor. Das wesentliche Knowhow für KI-Entwickler bei Daimler liegt nach Aussage von Peters im tiefen Verständnis von Statistik. "Eine mathematiklastige Ausbildung ist für einen solchen Job sehr wichtig." Statistiker, Mathematiker, Informatiker und Physiker entwickeln heute KI bei Daimler. Peters hofft, dass das Wissen über die Chancen von maschinellem Lernen schnell in die Breite kommt und eines Tages jedem Ingenieur Grundkenntnisse über KI im Studium vermittelt werden.

Jonathan Sperl

Jonathan Sperl ist ein promovierter Mathematiker, der zehn Jahre in der Forschung gearbeitet hat, vorwiegend in der Bildverarbeitung. So kam er zu Machine Learning, einer Disziplin von KI. Seit eineinhalb Jahren ist er bei Siemens Healthineers, der Medizintechniksparte des Unternehmens und dort für die Algorithmen in einem neuen Medizinprodukt zuständig. "Ich koordiniere die Programmierung von KI-Algorithmen zur Vermessung diverser Organe im Brustkorb." Lunge, Aorta, Herz, Brustwirbelsäule.

Die Daten stammen von einem bildgebenden Gerät, einem CT-Scanner. Ist etwa die Hauptschlagader an einer Stelle zu dick, kann das ein Hinweis auf ein Aneurysma sein. Das kann leicht zum Tod führen, wenn es platzt. KI an dem System ist die Bildanalyse: die Anwendung identifiziert Organe, vermisst und vergleicht sie mit Referenzwerten. Und sie kann anhand der gemessenen Grauwerte in der Lunge erkennen, ob Hinweise auf pathologische Veränderungen vorliegen. Im Herbst 2018 wurde das Produkt vorgestellt, jetzt rechnet Siemens mit der Zulassung im Frühjahr 2019. In etwa 40 Produkten von Siemens Healthineers ist KI vorhanden. Sperl programmiert in Python, er braucht statistische Kenntnisse und ein Domainwissen in Medizin. KI-Kollegen von ihm sind gelernte Mathematiker und Informatiker.

Christopher Masch

Der Wirtschaftsinformatiker Christopher Masch hat sich neben seinem Studium mit Big Data beschäftigt. "Daten analysieren fand ich spannend, doch das Thema fand in meinem Studium nicht statt, geschweige denn Künstliche Intelligenz überhaupt." Seit gut zwei Jahren arbeitet er als Data Scientist bei der R+V und entwickelt KI. Die Versicherung bekommt sehr viele Nachrichten, um die 80.000 Dokumente pro Tag. Schon seit 2002 nutzt sie KI-Software zur Analyse von Text und Bildern.

"Wir analysieren die Schreiben, ob der Kunde mit uns zufrieden ist oder nicht." Anhand von Logos auf dem Briefkopf können Dokumente zugordnet werden Masch entwickelt Software zur Text- und Bilderkennung und ergänzt damit das bestehende Programm. Seit Herbst dieses Jahres können R+V-Kunden ihr digitales Kundenportal mit einem Video-Identifikationsverfahren selbst freischalten. Die Prüfung der Person macht eine Maschine mittels künstlicher Intelligenz. Es ist die zweite KI-Anwendung im Unternehmen. (mho)