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Technology Review

Streitgespräch: Was hilft den Städten – mit Mut und Maut zu besserer Luft?

Was hilft gegen die Stickoxidbelastung in den Städten? Ein Streitgespräch zwischen einem Verkehrsforscher und einem Vertreter der Kommunen.

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Mit Mut und Maut für bessere Luft

(Bild: Thomas Raupach)

Was hilft gegen die schlechte Luftqualität in den Städten? Über diese Frage diskutieren Gerd Landsberg und Stephan Rammler in der aktuellen Ausgabe 7/2018 des Magazins Technology Review (jetzt am Kiosk oder hier zu bestellen). Landsberg ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds; Rammler ist Professor für Transportation Design & Social Sciences an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

"Marktwirtschaftlich regulieren"

Rammler spricht sich unter anderem für eine City-Maut aus: „Man muss die Vernetzung von öffentlichem Verkehr und dem Individualverkehr voranbringen. Aber man muss auch das, was man nicht mehr will, nämlich Autos mit hohen Emissionen, über City-Maut-Konzepte marktwirtschaftlich regulieren.“ Eine „fahrleistungs- und spitzenlastabhängige Maut“ sei sie einfachste Variante, viele „Probleme der fossilen, individualisierten, automobilorientierten Mobilität zu lösen.“ Rammler: „Ich brauche aber den Mut, ein flächendeckendes System aufzubauen und die dafür nötigen digitalen Instrumente einzusetzen. Wir sollten weniger Geld in diese unsägliche Automatisierung der Langstreckenverkehre setzen, sondern mehr Geld in telematische Steuerungssysteme, die eine flächendeckende Maut ermöglichen.“

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Landsberg widerspricht: „Von der City-Maut halten wir nichts. Wir glauben, dass sie eher etwas für sehr große Städte ist, weil sie schwierig zu steuern ist. Worüber man reden kann, sind andere Formen der Maut: Wenn Sie zum Beispiel unbedingt um 17 Uhr zur Stoßzeit über den Kölner Ring fahren wollen, ist das teurer, und dafür zu einer anderen Zeit preiswerter. Aber man muss natürlich aufpassen, dass man die Pendler besserstellt – etwa indem die Maut im ländlichen Raum so niedrig ist, dass die Leute nicht zusätzlich belastet werden.“

"Keine Bewegungsprofile"

Datenschutzprobleme sieht Landsberg darin nicht: „Wir ergötzen uns an Datenschutzfragen, die ich für völlig überzogen halte. Eine streckenbezogene Maut haben Sie schon jetzt für Lkw. Natürlich muss sichergestellt werden, dass keine Bewegungsprofile erstellt werden, aber nach meinem Gefühl sind die Daten bei der öffentlichen Hand deutlich sicherer als bei den Privaten.“

TR 07/2018

Technology Review Juli 2018

Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 07/2018 der Technology Review. Das Heft ist ab 21.06.2018 im Handel sowie direkt im heise shop erhältlich. Highlights aus dem Heft:

Einig sind sich beide, dass es mehr Mut gegenüber den Bürgern gefragt ist. „Ich erwarte von der Politik ein klareres Benennen der Bigotterie der eigenen Wähler“, so Rammler. „Wenn 80 Prozent der deutschen Bevölkerung regelmäßig in Umfragen des Umweltbundesamtes sagen: Wir wollen saubere Städte, wir wollen weniger Klimawandel, wir wollen weniger Verkehr, dann soll mir mal jemand erklären, warum jedes dritte Auto im Augenblick ein SUV ist. Die Wähler halten es gern nach dem Motto: ,Wasch mich, aber mach mich nicht nass‘.“

"Individualverkehr ohne Zukunft"

Landsberg erwidert: „Der Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen, wird in den Städten keine Zukunft haben. Aber das zu sagen, müssen Sie sich erst mal trauen in der Kommunalpolitik. Über Jahrzehnte haben wir Städte für Autos gebaut, das war aber gesellschaftlicher Konsens. Nun wollen wir die Verkehrswende, also müssen wir die Menschen mitnehmen.“

Auf den Vorwurf, die Kommunen hätten zu spät auf die Probleme mit der Luftqualität reagiert, entgegnet Landsberg: „Die Dinge sind so komplex, dass es die einfache Lösung nicht gibt. Sicher kann man sagen: Viele Städte hätten vielleicht früher mehr tun müssen. Aber das sind sehr dicke Bretter. Ich sage nicht, dass wir die nicht bohren müssen, nur können wir das nicht so schnell, wie alle sich das möglicherweise vorstellen.“ Zudem habe das Problem in der Vergangenheit „nicht so die mediale und politische Öffentlichkeit erreicht wie jetzt“.

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Technology Review (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich). (grh)

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