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Mit Triple Play zum Next Big Thing

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Zum zweiten Male lud Hubert Burda Vertreter der Internet-Branche und der Medienhäuser zu seinem Digital Lifestyle Day, einem nunmehr zweitägigen Spektakel in der Münchener Innenstadt. Etwa 800 Gäste kamen in das KF-1, einem ausgekernten und zum coolen Veranstaltungsort umgebauten Gebäude der Hypovereinsbank. Während anderswo die Jagd auf platzende Internetträume wieder aufgenommen wurde, war er hier wieder zu spüren, der Glaube der Entrepreneure und Investoren an das Next Big Thing.

Die neue Euphorie lässt sich am besten mit dem Marketing-Begriff "Triple Play" beschreiben, der den ersten Tag dominierte. Triple Play ist mehr als nur die Breitbandkommunikation mit 50 MBit/s, die T-Online-Chef Rainer Beaujean noch in diesem Sommer in zehn Städten anbieten will. Wenn Telefon, Internet und Multimedia aus dem Datenkabel ins Haus strömen und den digitalen Alltag definieren, dann muss es erstens Firmen geben, die diese Leitungen legen, und zweitens Firmen, die Inhalte für den neuen Medienkonsum lieferten. So präsentierten Burda Media und T-Online die gemeinsam bei der DHV Speyer in Auftrag gegebene Studie Deutschland Online 3. In ihr wurden 6300 Personen befragt, was sie sich vom Breitband versprechen. 94 Prozent der Befragten erwarteten einen günstigen Preis und schnelle Downloads, 76 Prozent ein reichhaltiges Multimedia-Angebot von Filmen, Musik, Spielen und Nachrichten. Gar 80 Prozent sprachen sich für die Ausrüstung aller Schulen mit Breitband-Internet bis zum Jahre 2010 aus, damit neue Inhalte gelernt werden können. Für neue Inhalte fühlte sich auch Premiere-Chef Georg Kofler zuständig, der das Fernsehen der Zukunft als IP-TV pries, als "Traum vom interaktiven Fernsehen". Was aber genau kommt, was mehr ist als IP-Bundesliga, konnte nicht einmal Rainer Beaujean von T-Online benennen. Interaktiver soll die Bundesliga werden, mit vielen abrufbaren Statistiken und mehr Kamerapositionen, die der Kunde auswählen kann.

Triple Play wurde auch von der EU-Kommissarin Viviane Reding ins Spiel gebracht, die für Informationstechnologie und neue Medien zuständig ist. Sie forderte die Politiker in Europa auf, Triple Play zu spielen und dabei Innovationen (Forschung), Investment (Unterstützung von Start-ups) und Integration (europaweit einheitliches Copyright und Patentrecht) zu einem schlagkräftigen Bündel zu formen. Reding sprach sich für die großzügige Liberalisierung von Werbeformen bis hin zum "Product Placement" in Fernsehfilmen aus, damit all die neuen Inhalte für das Gucken on Demand finanzierbar sind. Anschließend diskutierte eine Runde von Investoren etwas konfus, wie Europa im globalen Konkurrenzkampf "aufholen" kann. Das Beispiel Skype zeigte das Dilemma auf: 2003 gestartet, bereits 2004 profitabel und 2005 mit 50 Millionen Dollar Marktführer, nur um vom Giganten eBay für insgesamt 4,1 Milliarden Dollar geschluckt zu werden. Gegen die immensen Geldströme auf europäische Erfindungsgabe und eine neue Gründermentalität zu setzen erinnerte an das Pfeifen im Hurrikan.

Echte Innovationen waren am ersten Tag rar gesät. Wie auf Lebensstil-Konferenzen üblich, eröffneten die Blogger, Vlogger und Podcaster das Programm, die ihre Version vom Bürgerjournalismus und Medienarbeit von unten präsentierten und untereinander diskutierten. Einen neuen Akzent setzte das amerikanische Supermodel Anina mit "Mode von unten" über ihre Community 360° Fashion. Die "jeder kann mitmachen, alles ist umsonst"-Mentalität tauchte mehrmals am Tag auf. Doch als der amerikanische "Supergeek" Dan Dubno all die schönen Gadgets von der jüngsten CES in Las Vegas präsentierte, wurde auch dem Letzten klar, dass man gehörig anschaffen muss, um beim digital Lifestyle á la mode de jour ausgestattet zu sein. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (jk)

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