Menü
Technology Review

Mit Twitter Wahlen vorhersagen

Der Kurznachrichtendienst bei Brexit und Trump-Entscheidung lieferte ein genaueres Ergebnis als professionelle Statistiker, hat eine Analysefirma ermittelt.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 7 Beiträge
Twitter als Werkzeug zur Wahlvorhersage

Können soziale Netzwerke "Signale" liefern, die bei politischen Entscheidungen genauer sind als Umfragen und andere Werkzeuge aus der traditionellen Demoskopie? Die US-Datenanalysefirma Right Relevance ist sich da ziemlich sicher, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Kurznachricht statt Umfrage") – und führt die jüngsten Wahlerfolge von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl sowie dem Brexit-Lager bei der britischen Abstimmung zum Verbleib in der EU an.

"Unsere Analysen zeigten etwas, aber wir selbst haben nicht daran geglaubt", meinte Vishal Mishra, CEO des Unternehmens, selbstkritisch. Right Relevance bietet seine Forschungsplattform zum sogenannten Einflussmarketing auch anderen Firmen an. "Wir dachten: Wie kann Trump nur gewinnen? Doch unsere Untersuchungen zeigten es immer wieder." Entsprechend habe das Unternehmen auch die Möglichkeit eines Überraschungssieges des US-Immobilienmilliardärs mehrfach in seiner Online-Berichterstattung angedeutet.

Zu den von Right Relevance verwendeten Signalen gehört die Anzahl der Unterstützer einer Seite auf Twitter – abzüglich möglicher Bots. Mindestens genauso wichtig war dem Unternehmen zufolge aber auch der Einfluss des jeweiligen Kandidaten oder Themas auf der Plattform – gemessen an der Zahl der Tweet-Wiederholungen (Retweets), Erwähnungen (Mentions) und Tweet-Antworten (Replies). Zudem wurde die Qualität des Netzwerks eines Kandidaten oder Themas in Form der vorhandenen Twitter-Verbindungen gemessen sowie die Frage untersucht, ob es dabei gelingt, unterschiedliche Communitys zu überbrücken.

Twitter selbst ist sich nicht sicher, ob es die Signale, die Right Relevance erkannt haben will, wirklich genau genug sind, um der Demoskopie Konkurrenz zu machen. Deb Roy, Professor am MIT und Twitters Chief Media Scientist, der den Kurznachrichtendienst ebenfalls für Wahlanalysen nutzte, meint, dass es durchaus Signale gab, die in die richtige Richtung deuteten, doch als "glasklar" will er diese auch nicht bezeichnen.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

(bsc)

Anzeige
Anzeige