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Mit WLAN durch die Anden

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Nichts für den heimischen Balkon: Javier Triviño und Ermanno Pietrosemoli vor einer umgebauten Satellitenantenne.

Nach rund 90 und 200 Kilometern haben nun zwei venezolanische Teams die Rekordmarke bei der WLAN-Ausdehnung auf 279 km getrieben. Dabei kamen ausgemusterte Antennen von Satellitenbodenstationen von rund 2,7 m Durchmesser sowie gewöhnliche WLAN-Router WRT54G zum Einsatz. Ein schwedisches Team überbrückte zwar auch schon 310 km, setzte dazu aber einen Stratosphärenballon und Verstärker ein.

Die Venezolaner errichteten eine Station auf einer Kliffkante des Bergs El Águila in 4100 m über Normalnull, die andere auf einem lediglich 125 m hohen Hügel in der Ebene bei El Baúl. Bevor die als Access Point und Client mit Open-Source-Firmware konfigurierten Router zum Einsatz kamen, richteten die Teams die Antennen mit einem Signalgenerator und Spektrumanalyzer auf bestmöglichen Empfang aus. Anschließend konnte der Client in El Baúl zwar schon die Beacon-Signale des AP auf dem El Águila aufnehmen, aber Daten gingen erst nach einem Eingriff in der Firmware durch. Denn die reine Funklaufzeit für Hin- und Rückweg kam mit 1,8 Millisekunden schon in die Nähe dessen, was ein schneller Ping innerhalb einer Wohnung braucht.

Klares Wetter und eine freie Fresnel-Zone sind für solche Rekorde Voraussetzung. Eine entspannte Einstellung zu Regulierungen hilft auch. Denn mit dem geschätzten Antennengewinn von 30 dBi und der auf 100 Milliwatt hochgestellten Ausgangsleistung des Routers kommt eine effektive isotrope Strahlungsleistung (EIRP) von rund 100 Watt zusammen, gut das Tausendfache des hierzulande erlaubten.

Die Weitfunker profitierten dabei davon, dass Venezuela eine förmliche Regulierung für WLAN-Produkte erst einführt. Für Geräte mit anderweitigen Zertifikaten – etwa nach Tests gemäß FCC (Part 15.247, max. 4 W EIRP) oder ETSI (ETS 300328, max. 0,1 W EIRP) – gestattet das Land per Einzelausnahme den Import unter der Voraussetzung, dass keine vorhandenen Funksysteme gestört werden. Davon konnten die Rekordler in der dünn besiedelten Andenregion wohl ausgehen. Einen Rekordversuch mit ähnlicher Ausstattung von der Zugspitze herab sollte man aber lieber lassen. Ein bebilderter Bericht der Venezolaner ist als PDF-Datei zu haben. (ea)