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Mit der Ziege zur Computermesse

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Die Universität Rostock präsentiert sich auf der CeBIT mit dem so genannten Animal Computer. Die Wissenschaftler wollen mit einem Computer, der für die Interaktion mit Tieren angepasst wurde, beispielsweise ihre Kenntnisse über die sensorischen und kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren erweitern und so psychische Über- oder Unterforderung der Tiere vermeiden oder auch "automatisierte Haltungsumwelten" durch Integration der Lernfähigkeit von Tieren entwickeln. Der Animal Computer ist eine gemeinsame Entwicklung von Professor Dirk Timmermann vom Fachbereich Elektrotechnik und Dr. Hartmut Franz vom Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf. Zur CeBIT haben die Forscher die Ziege "Rosel" mitgebracht; sie steht stellvertretend für über 200 Zwergziegen aus ihrer Dummerstorfer Ziegenschule in Halle 16 am Stand D40 der Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns.

Der Animal Computer besteht im Wesentlichen aus einem Standard-PC, an dessen Monitor vier große Knöpfe angebracht sind, die sich auch ohne Hände bedienen lassen. Auf dem Monitor werden Symbole gezeigt – beispielsweise drei Kreise und ein X. Die Tiere müssen die Systematik der gezeigten Muster erkennnen – die Auswahl des richtigen Symbols wird durch eine Portion Trinkwasser oder ein Futterpellet belohnt. Die Tiere zeigen sich erstaunlich lernfähig; eine signifikante Mehrheit der Ziegen hat das Prinzip nach einem Tag begriffen und ist sogar in der Lage, aus Feldern mit Punkten das Feld mit den meisten oder wenigsten Punkten zu selektieren. In der nächsten Ausbaustufe soll das Gerät auch Gerüche ausgeben könnnen. Zwei der Computer sollen noch in diesem Jahr im Rostocker Zoo installiert werden und so zur intellektuellen und sportlichen Anregung – die Belohnung wird irgendwo im Gehege ausgeteilt – der Zootiere dienen.

Der Anregung von und der Kommunikation mit Haustieren dient ein ganz ähnliches Projekt: Die MIT-Biologin Irene Pepperberg, die dem Papagei Arthur beibringen will, wie man als Vogel im Internet surft. Der Webbrowser für Papageien läuft unter der vorläufigen Bezeichnung InterPet Explorer. Der Papagei zeigt sich allerdings bisher weitgehend resistent gegen die Reize des Bildschirms; nach Auffassung von Hartmut Franz liegt das daran, dass er nicht direkt für richtige Aktionen belohnt wird. Der Forscher will den Animal Computer auf Brieftauben ansetzen, um die intelligentesten Vögel einer Zucht zu finden. Diese Brieftauben, glaubt Franz, wären besonders leistungsfähig: "Um 700 Kilometer Wegstrecke zurückzulegen, muss man sich schon erinnern, wie man mit Wind oder Regen umgeht". (wst)