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Mitgliedsländer über .eu-Domain uneinig

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In der kommenden Woche soll der Telekommunikationsrat der EU über die lange angekündigte .eu-Domain entscheiden. Noch aber sind sich die Vertreter der Mitgliedsländer nicht einig darüber, wie Europas Top Level Domain organisiert werden soll. Vor allem die Fragen, wer was registrieren darf und wieviel Einfluss die Mitgliedsstaaten auf die Registry-Organisation haben sollen, sind strittig. Der federführende Industrieausschuss im Europäischen Parlament hatte sich in dieser Woche für eine Begrenzung der staatlichen Aufsichtsrolle ausgesprochen. Durchsetzen werden sich die Parlamentarier aber kaum.

Große Bedenken gibt es laut Auskunft der Berichterstatterin des Industrieausschusses in der EU, Colette Flesch, bei einigen Mitgliedsstaaten vor allem mit Blick auf die Registrierung von geographischen Bezeichnungen. Die Aufnahme nationaler, regionaler und lokaler Ortsbezeichnungen steht ebenso wie eine entsprechende Sperrliste ganz oben auf der Wunschliste der Mitgliedsländer. Gerade die Länder, in denen der ccTLD- Namensraum strikter reglementiert ist, darunter etwa Frankreich, sind auch ingesamt an strengeren Regeln interessiert. Der Domainspezialist des Bundeswirtschaftsministeriums, Michael Leibrandt hofft hier auf einen Kompromiss. "Wenn man die Registrierung mit zu vielen Auflagen verbindet – Handelsregisterauszug, Ausweis oder was da alles im Raum steht – wird .eu meiner Meinung nach nicht attraktiv genug."

Noch offen ist, wie viel Mitspracherecht die Mitgliedsländer sich generell sichern werden. Von der Idee der Selbstregulierung spricht derzeit kaum noch jemand, obwohl ein im Rahmen der Kommissionskonsultation vorgelegter Vorschlag des so genannten Interim Steering Committee eine Selbstverwaltungsstruktur analog zur internationalen Domainverwaltung vorsah. Flesch spricht zwar von einem zusätzlichen Selbstverwaltung-Gremium für die Registry, aber mit der Verteilung der Kompetenzen zwischen Rat und Kommission bleibt für diese am Ende vermutlich nicht mehr viel zu tun.

Spätestens seit dem von der EU-Kommission vorgelegten Verordnungsentwurf droht .eu damit eine gesetzlich eingerichtete und hoch regulierte TLD zu werden. Ob dies ein Erfolgrezept ist, muss sich erst noch zeigen. Der Regelungswirrwarr dürfte allerdings das Interesse möglicher Betreiber dämpfen. Ohnehin sehen alle Pläne vor, dass die Registry auf Non-Profit-Basis betrieben wird.

Im übrigen ist die Branche selbst kaum einiger als die EU-Behörden. Ein halbes Dutzend unterschiedliche Gremien hat sie inzwischen gegründet, mit mehr oder weniger ähnlichen Zielen. Nach dem offiziellen EC-POP, EuroPOC und dem wenig beliebten Registrarkonsortium CoEUR will nun auch CANeu (Co-operative Alliance for the Namespace .eu) Registrarunternehmen und die zunehmend am Registrybetrieb für die .eu interessierten LänderNICs an einen Tisch bringen. Beim Start der neuen Initiative wurde sogar erwogen, einen von den EU-Behörden unabhängigen Antrag bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) einzureichen. Zum geplanten Treffen im Juli hat man nun aber die EU-Vertreter mit an den Tisch gebeten.

Bis dahin müssen sich Rat und Parlament entschieden haben und sei es nur über eine Vertagung. "Ich denke, wir finden einen akzeptablen Kompromiss," sagte der Vorsitzende des Telekommunikationsrates Per-Göran Blixt im Gespräch mit heise online. "Sollten wir keinen finden, halte ich eine reine Industrieinitiative auch für denkbar. Das wäre besser, als wenn gar niemand die Domain bekommt." Monika Ermert / (em)