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Mobile Banking: Facebook will Daten von Bankkunden

Facebook spricht offenbar mit großen US-Banken über eine mögliche Zusammenarbeit. Nach dem Datenskandal reagieren die Geldhäuser zurückhaltend.

Mobile Banking: Facebook will Daten von Bankkunden

(Bild: Pixabay/heise online)

Das Online-Netzwerk Facebook hat einem Zeitungsbericht zufolge bei mehreren US-Großbanken Finanzdaten von Nutzern angefragt. Hintergrund seien geplante neue Services, mit denen der Konzern Bankdienstleistungen übernehmen und seine Plattform stärker zu einem Online-Handelsplatz ausbauen könnte, berichtete das Wall Street Journal am Montag unter Berufung auf Insider.

Aus Interesse an Informationen etwa zu Einkäufen mit Kreditkarten oder Kontoständen habe Facebook sich im vergangenen Jahr an große US-Geldhäuser wie JPMorgan Chase, Wells Fargo, Citigroup und US Bancorp gewandt, heißt es in dem Bericht. Dabei sollen potenzielle Angebote diskutiert worden sein, die der Internetriese über den Facebook-Messenger für Bankkunden lancieren könnte.

Facebook dementierte die Pläne gegenüber der Zeitung nicht. „Wie viele Online-Unternehmen sprechen wir mit den Finanzinstitutionen regelmäßig darüber, wie man die Einkaufserlebnisse der Leute verbessern kann”, sagte eine Sprecherin und betonte, dass von Banken oder Kreditkartenanbietern erworbene Daten nicht für Werbeanzeigen verwendet oder mit dritten Parteien geteilt würden.

Dem Bericht zufolge haben auch Google und Amazon bereits Kontakt zu verschiedenen Banken aufgenommen, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Mit den entsprechenden Daten könnten die Unternehmen zum Beispiel den Nutzern ihrer digitalen Assistenten Alexa und Google Assistant einfache Bankdienstleistungen wie Überweisungen anbieten.

Dem Bericht zufolge hat die Finanzwirtschaft aber ohnehin Bedenken wegen der Datensicherheit. Gegen Facebook laufen nach dem Cambridge-Analytica-Skandal mehrere Ermittlungen, was die Gespräche erschwere.

Eine Bank hat gegenüber Facebook offenbar bereits abgewunken. Die JP Morgan Bank werde Transaktionsdaten ihrer Kunden nicht mit „diesen Plattformen“ teilen, sagte eine Sprecherin dem Wall Street Journal. „Also haben wir zu einigen dieser Dinge ‘Nein‘ sagen müssen.”

Mobile Banking ist ein wettbewerbsintensives Feld: Die klassischen Banken sehen hier Wachstumspotenzial, müssen aber noch den Vorsprung aufholen, den Pioniere wie Paypal haben. Auf der anderen Seite drängen Fintech-Startups auf den Markt, die den Banken vor allem junge Kunden streitig machen. Und während die Plattformen zwar den Zugang zu Millionen von Nutzern bieten, haben Banken ihre Kundenbeziehungen gerne exklusiv unter ihrer Kontrolle. (Mit Material der dpa) / (vbr)

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