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Mobile Überwachung: BKA testet automatisierte biometrische Gesichtserkennung

Das Bundeskriminalamt hat die Software "Examiner" gekauft, die auch einen Abgleich von Fotos, die mit Mobilgeräten aufgenommen werden, mit zentralen Lichtbilddateien erlaubt. Eine Probelauf soll bald starten.

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Mobile Überwachung: BKA testet automatisierte biometrische Gesichtserkennung

(Bild: cognitec.com)

Das Bundeskriminalamt (BKA) setzt verstärkt auf automatisierte biometrische Gesichtserkennung. Die Polizeibehörde hat dazu im zweiten Halbjahr 2016 etwa die Software "Examiner" der Firma Cognitec Systems aus Dresden beschafft, geht aus einer jetzt vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Die Software solle dazu dienen, "Ermittlungsansätze in Form von Personenidentifizierungen anhand von automatisierten Lichtbildvergleichen" zu gewinnen.

De Maizière hatte zuvor gefordert, dass Lichtbilder und Gesichtserkennungssysteme "perspektivisch mit einer vergleichbaren Zuverlässigkeit wie der Fingerabdruck zur Identifizierung einer Person beitragen" können sollten. Wenn ein gesuchter Schwerverbrecher in einen Bahnhof gehe, müsse dies über einen Abgleich von Gesichtsbildern möglichst rasch erkannt werden. Der "Probewirkbetrieb" von Examiner werde laut dem Innenressort in Kürze beginnen. Sie solle "im Bereich der religiös motivierten Kriminalität" eingesetzt werden. Zuvor war bereits davon die Rede, mit der Software Bild- und Videomaterial zu "islamistisch-terroristischen Gruppierungen und Organisationen" auszuwerten.

Das BKA verwendet bereits seit Längerem die Cognitec-Software FaceVACS, um Straftäter zu jagen oder Kinderpornografie im Internet auszumachen. Die dabei eingesetzten traditionellen Erkennungsverfahren beruhen auf einem zweidimensionalen Gesichtsbild, was zu vielen Aussetzern führen kann, wenn die zu identifizierende Person nicht kooperationsbereit ist.

Examiner verfügt mittlerweile auch über einen mobilen Client für Smartphones oder Tablets, auf denen Android läuft. Die Idee dabei ist, dass ein Strafverfolger vor Ort mit seinem Mobilgerät ein Foto eines Verdächtigen schießt und dieses mit zentralen Datenbanken wie von Inpol abgleicht. Offenbar geht es bei dem Test vor allem um diese neue Komponente.

Das biometrische Verfahren ist derzeit bei Examiner aber noch eingeschränkt, was Datenströme aus laufender Videoüberwachung betrifft. "Das Gesichtserkennungssystem ermöglicht derzeit keine automatische Verarbeitung von Bewegtbildern im Sinne eines Video-Scans und den automatisierten Abgleich von darin enthaltenen Porträts", teilt die Regierung mit. Es könnten jedoch bei dem Examiner-Probelauf "zuvor manuell erzeugte Standbilder" aus Bewegtmaterial einbezogen werden.

Eingesetzt werden soll die mobile Examiner-Software wohl zunächst unter anderem in Berlin. Das Bundesinnenministerium beabsichtige, "in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und dem Bundeskriminalamt den aktuellen Stand der Technik von Systemen zur biometrischen Gesichtserkennung in Live-Videoströmen von Überwachungskameras im Rahmen einer Erprobung am Bahnhof Südkreuz zu testen", hieß es von der Regierung schon Anfang des Monats. Dabei solle zum Abgleich zunächst "eine Datenbank mit Gesichtsbildern freiwilliger Probanden verwendet werden". (Stefan Krempl) / (anw)

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