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Mobile World Congress 2018: Auf dem Weg zu 5G

Der Markt lässt erstmals nach und das Smartphone ist längst ein gewöhnliches Gebrauchsgut. Zwar gibt es auf dem Mobile World Congress immer noch viele neue Handys, doch findet man Innovationen eher in der Netztechnik.

MWC 2018: Auf dem Weg zu 5G

(Bild: heise online)

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Ist 2018 das Jahr, in dem wir Peak Smartphone erreichen? Die Zeichen mehren sich: Der weltweite Smartphone-Markt schrumpft. Erste Hersteller ziehen sich aus dem Flaggschiffrennen zurück. Die anderen bringen weiter zweimal im Jahr ein neues Spitzen-Smartphone auf den Markt, haben aber zunehmend Schwierigkeiten, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Musik spielt mittlerweile in der Mittelklasse und den Schwellenländern.

Das wirkt sich auch auf den Mobile World Congress (MWC) aus, der am Montag in Barcelona beginnt. Das jährliche Großereignis der Mobilfunkbranche konnte sich jahrelang der weltweiten Aufmerksamkeit sicher sein, weil hier viele Hersteller ihre neuen Flaggschiffe vorgestellt haben. Abgesehen von Apple und Google, die immer schon ihren eigenen Film gedreht haben, war der MWC der Termin der Wahl für den großen Launch. Über 108.000 Fachbesucher kamen im vergangenen Jahr nach Barcelona, ein neuer Rekord.

Doch schon in den vergangenen Jahren hat der MWC an Strahlkraft verloren, wenn es um neue Smartphones ging. Einerseits schien die Technik weitgehend ausgereizt, echte Innovationen waren Mangelware. Und andererseits setzen die Hersteller zunehmend auf eigene Veranstaltungen, um sich abseits des MWC-Trubels die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu sichern.

Smartphone-Verkäufe Q4 2017 nach Hersteller, Gartner
Hersteller Geräteabsatz Marktanteil Geräteabsatz Marktanteil Absatz +/-
4. Quartal 2017 4. Quartal 2016
Samsung 74,03 Mio. 18,2 % 76,78 Mio. 17,8 % -3,6 %
Apple 73,18 Mio. 17,9 % 77,04 Mio. 17,8 % -5,0 %
Huawei 43,89 Mio. 10,8 % 40,80 Mio. 9,4 % +7,6 %
Xiaomi 28,19 Mio. 6,9 % 15,75 Mio. 3,6 % +79,0 %
Oppo 25,66 Mio. 6,3 % 26,70 Mio. 6,2 % -3,9 %
Andere 162,91 Mio. 39,9 % 195,06 Mio. 45,1 % -16,5 %
Gesamt 407,85 Mio. 432,14 Mio. -5,6 %
Gartner, Februar 2018

Dieser Trend setzt sich auch 2018 fort: Am Sonntag vor der offiziellen Messe-Eröffnung, lange festes Datum für die großen Neuvorstellungen, bleibt von den Spitzenherstellern nur noch Samsung. Die Koreaner stellen hier traditionell ihre neue Galaxy-Klasse vor. Huawei ist auch vor Ort, präsentiert sein neues Spitzen-Smartphone aber lieber auf einem eigenen Event zwei Wochen später in Paris. LG ist aus dem Flaggschiffrennen ausgestiegen und zeigt in Barcelona neue Mittelklasse-Smartphones und eine Variante des V30 mit KI. Sony ist schon seit einigen Jahren auf den Montag ausgewichen.

In diese Lücke stoßen andere: Kleinere Hersteller wie Motorola und Alcatel, das sein Portfolio neu ordnet und auf dem MWC mal wieder einen neuen Anlauf wagt. Newcomer wie Nokia, das im vergangenen Jahr mit der Neuauflage des 3310 allen die Show gestohlen hat und 2018 mit voll gepackten Koffern nach Barcelona kommt. Und nicht zuletzt chinesische Riesen wie Oppo, Vivo und Xiaomi, die hierzulande vielleicht noch nicht so bekannt, aber in der Branche längst eine feste Größe sind. Auch ZTE und Asus zeigen ihre Neuheiten auf dem MWC, der darüber hinaus auch ein Forum für die Nischen-Hersteller ist.

Doch der Mobile World Congress ist weit mehr als nur eine Handy-Messe. Ohne Netz ist auch das schickste Smartphone weitestgehend nutzlos. In Barcelona treffen sich deshalb auch die Netzbetreiber, Ausrüster und Entwickler, die den Mobilfunk am laufen halten. Eines der bestimmenden Themen 2018 ist die nächste Netzgeneration 5G, mit der die Grenzen zwischen Mobilfunk und Festnetz weiter verschwimmen.

Während 5G auf dem MWC in den vergangenen Jahren noch Zukunftsmusik war, wird es jetzt konkret: Die ersten Standards sind fertig, Ausrüster und Netzbetreiber experimentieren bereits mit der neuen Technik, die hohe Bandbreiten und niedrige Latenzen bringen soll. Schrittweise schaffen es die ersten 5G-Installationen in die Netze der Mobilfunk-Anbieter. Dennoch wird es noch ein paar Jahre dauern, bis 5G Realität ist. Auch deshalb wird LTE weiterhin eine wichtige Rolle spielen – nicht nur auf dem MWC.

Wenn es um 5G geht, ist IoT nicht weit: Das Internet der Dinge ist ohne die nächste Mobilfunkgeneration nicht denkbar. Die Vernetzung von Millionen von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen – auch die Autohersteller haben den MWC für sich entdeckt – stellt die Netzbetreiber vor neue Herausforderungen: Das "Internet of Things" verlangt hohe Bandbreite und niedrige Latenz.

Die Mobilfunker fordern dafür mehr Spektrum – das Thema Frequenzzuteilung ist ein Dauerbrenner auf dem MWC. Doch ist es mit mehr Spektrum nicht getan, auch in die Anbindung der Mobilfunk-Antennen an die Kernnetze muss die Branche investieren – Stichwort Glasfaser. Und bei der Frage, welche Frequenzen für 5G zur Verfügung gestellt werden, hat die Politik mitzureden.

Nicht nur deshalb ist der MWC auch ein politisches Forum. Traditionell nutzt die Branche ihre Messe als Bühne, um ihren Forderungen an die Regierungen Nachdruck zu verleihen. Auch die Deutsche Telekom hat diese Bühne immer gerne genutzt, zum Beispiel für Attacken auf die neue Unternehmen wie Whatsapp und Facebook, die ihre Diensten auf den Netzen der alten Carrier anbieten.

Darüber hinaus sind es Themen wie Netzneutralität und Regulierung, über die die Barcelona gestritten wird. Zu Gast sind unter anderem der Vizepräsident der EU-Kommission, Andrus Ansip, und der Chef der US-Regulierungsbehörde, Ajit Pai, der den Vereinigten Staaten den Ausstieg aus der Netzneutralität verordnet hat.

(vbr)

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