Mobilfunk: 1&1 Drillisch mietet Frequenzen von Telefónica

United Internet zieht eine Option aus den Fusionsauflagen der EU – und öffnet sich damit ein Türchen zu National Roaming.

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(Bild: TPROduction/Shutterstock.com)

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Telefónica Deutschland vermietet ein Teil seines Spektrums an 1&1 Drillisch. Wie beide Unternehmen am Mittwochabend mitteilten, überlässt Telefónica dem Konkurrenten 2×10 MHz im 2,6-GHz Band. 1&1 kann das Spektrum demnach bis Ende 2025 nutzen. Die Überlassung des Spektrums an einen Wettbewerber war eine der Auflagen der EU-Kommission für die Genehmigung der Übernahme von E-Plus durch Telefónica.

Damit verfügt 1&1 Drillisch in den kommenden Jahren auch über Spektrum für LTE. Bei der 5G-Auktion im Sommer hatte die United-Internet-Tochter 5G-Frequenzen im 3,6-GHz-Band ersteigert sowie Lizenzen für das 2-GHz-Band, die allerdings erst ab 2026 gelten. Mit dem von Telefónica Deutschland gemieteten Spektrum könnte 1&1 diese Lücke überbrücken und beim Start des eigenen Netzes zumindest in den Städten LTE selbst ausbauen.

"Die nun getroffene Vereinbarung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Aufbau unseres 5G- Netzes", erklärte United-Internet-CEO Ralph Dommermuth. "Mit dem von Telefónica angemieteten Spektrum überbrücken wir den Zeitraum, bis unsere eigenen Frequenzblöcke im Bereich 2 GHz nutzbar sind." 1&1 hatte zuvor angekündigt, 2021 mit dem eigenen Netz starten zu wollen.

Den Einzelheiten des Vertrags muss die Bundesnetzagentur noch zustimmen. Das gilt weitgehend als Formsache, weil mit der Überlassung des Spektrums wesentliche Auflagen der Aufsichtsbehörden für die Fusion von E-Plus und O2 erfüllt werden. Die sehen darüber hinaus vor, dass Telefónica Deutschland einem Wettbewerber substanzielle Kapazitäten seines Netzes überlässt.

Darüber hatte Telefónica mit Drillisch einen MVNO-Vertrag geschlossen, demzufolge der Mobilfunkprovider bis zu 30 Prozent der Netzkapazität von Telefónica nutzen kann. Inzwischen hat United Internet Drillisch übernommen. Auch dieser Vertrag steht zur Verlängerung an. Bis zum Jahresende muss die Verlängerung unter Dach und Fach sein, sonst läuft der Deal Mitte nächsten Jahres aus. Dem Vernehmen nach laufen dazu bereits Gespräche.

Die EU-Auflagen hatten das Ziel, einem vierten Netzbetreiber den Weg auf den deutschen Markt zu ermöglichen. Für den Fall, dass 1&1 Drillisch wie geplant mit dem eigenen Netz an den Start geht, dürfen sie aus rechtlichen Gründen nicht mehr zugleich als virtueller Netzbetreiber (MVNO) auftreten. Deshalb sehen die Auflagen die Möglichkeit vor, stattdessen einen Roaming-Vertrag einzugehen.

"Die jetzt angekündigte Frequenzüberlassung ist bedingende Voraussetzung für 1&1 Drillisch, die bisherige kapazitätsbezogene Regelung zur Nutzung des Telefónica Deutschland Netzes als MBA MVNO in ein kapazitätsbezogenes National Roaming umwandeln zu können", erklärt eine Telefónica-Sprecherin gegenüber heise online. Zu den finanziellen Bedingungen der Frequenzüberlassung machten die Unternehmen keine Angaben. (vbr)