Mobilfunk: 1&1 Drillisch verlängert mit Telefónica

Die United-Internet-Tochter bleibt für weitere fünf Jahre Mobilfunkprovider im Netz von O2 – und schafft damit die Voraussetzung für nationales Roaming.

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(Bild: kriangphrom / Shutterstock.com)

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1&1 Drillisch hat wie erwartet seinen Vertrag über den Zugang zum Mobilfunknetz von Telefónica Deutschland (O2) verlängert. Wie beide Unternehmen am Montagabend mitteilten, wurde der bestehende Vertrag bis zum 30. Juni 2025 verlängert. Damit sichert sich Drillisch für weitere fünf Jahre 20 Prozent der Netzkapazität von Telefónica Deutschland, mit einer Option auf weitere 10 Prozent – und der Aussicht auf nationales Roaming. Zu finanziellen Einzelheiten des Vertrags sagen die Unternehmen nichts.

Mit dem sogenannten "MBA MVNO-Vertrag" gewährt Telefónica Deutschland dem Mobilfunkprovider 1&1 Drillisch einen Bitstrom-Zugang zu seinem Mobilfunknetz. Auf dieser Grundlage kann 1&1 Drillisch seinen Kunden Mobilfunkleistungen unter eigener Regie verkaufen. Die Überlassung der Netzkapazität an einen Wettbewerber war eine Auflage der EU-Kommission für die Genehmigung der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland. Der Vertrag lief über fünf Jahre und musste bis Ende 2019 verlängert werden, sonst wäre er Mitte 2020 ausgelaufen.

Telefónica Deutschland hatte den Wettbewerber E-Plus im Jahr 2014 übernommen. Damit reduzierte sich die Anzahl der deutschen Mobilfunknetzbetreiber von vier auf drei. Mit einigen Auflagen für die Fusion wollte die EU-Kommission deshalb die Möglichkeit schaffen, dass wieder ein vierter Netzbetreiber auf dem deutschen Markt Fuß fassen kann. Schnell hatte sich Telefónica im Sommer 2014 mit Drillisch geeinigt, die nun erneut davon profitieren können.

Neben dem Bitstrom-Zugang für einen Wettbewerber sehen die EU-Auflagen auch vor, dass Telefónica einem möglichen vierten Netzbetreiber Spektrum überlassen muss. Doch dafür hat sich bis Ende 2014 kein Kandidat gefunden. Die nächsten fünf Jahre bestand diese Möglichkeit dann exklusiv für den Mobilfunkprovider, der einen Bitstrom-Vetrag geschlossen hatte: Drillisch hat diese Option vor zwei Wochen gezogen und mietet 2×10 MHz im 2,6-GHz Band von Telefónica.

Drillisch gehört inzwischen zur United-Internet-Gruppe und firmiert seither als 1&1 Drillisch. Das Unternehmen hat im Frühsommer Spektrum für den 5G-Mobilfunkstandard ersteigert sowie ein Frequenzpaket im 2-GHz-Band, das für LTE genutzt werden kann, allerdings erst ab 2026. United Internet will ein eigenes Netz aufbauen und damit 2021 starten.

Mit dem von Telefónica gemieteten Spektrum verfügt 1&1 Drillisch nun auch über LTE-Frequenzen, die sofort für den Netzausbau zum Beispiel in Großstädten einsetzen kann. Die Bundesnetzagentur muss der vor zwei Wochen getroffenen Abmachung noch zustimmen, was aber als Formsache gilt.

Die EU-Auflagen eröffnen 1&1 Drillisch darüber hinaus die Möglichkeit, beim Markteintritt als Netzbetreiber den MVNO-Vertrag in einen Roaming-Vertrag zu gleichen Konditionen umzuwandeln. Damit könnte Drillisch seinen Kunden in der Aufbauphase des eigenen Netzes eine landesweite Abdeckung bieten. Darüber laufen derzeit Gespräche, zu deren Stand sich die Unternehmen nicht äußern. (vbr)