Mobilfunk-Anbieter testen Roaming-Abrechnungen via Blockchain

Die Deutsche Telekom und andere Mobilfunkanbieter wollen ausprobieren, ob sie ihre Roaming-Deals über Blockchain abwickeln können.

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(Bild: phive/Shutterstock.com)

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Roaming-Abrechnungen zwischen den einzelnen Mobilfunkanbietern sind bislang ein kompliziertes Geschäft – mit einem Blockchain-Netzwerk soll das nun vereinfacht werden. Mit an Bord bei dem Test sind die Deutsche Telekom, T-Mobile US, Telefonica, Orange und der Industrieverband GSMA.

Aktuell verrechnen die Firmen in aufwändigen Verfahren mit jährlich neu ausgehandelten, bilateralen Verträgen und verschiedenen Rabattstaffeln die Nutzung der fremden Netze. Dabei haben sich seit Jahren Clearinghäuser als Verrechnungsstellen etabliert. Der Prozess funktioniere zwar verlässlich, erfordere aber viel Papierwerk sowie händische Arbeit und sei wenig effizient, erklärte die Telekom auf Anfrage.

Perspektivisch würden "neue Dienste wie NB-IoT, LTE-M oder VoLTE und andere qualitätsbasierte Dienste" den Ablauf noch komplizierter machen, sagte Telekom-Manager Rolf Nafziger. "Mit unserer Blockchain-Lösung automatisieren wir erstmals Teile des Prozesses. So machen wir ihn sicher, bewältigen die zusätzliche Komplexität und erhöhen gleichzeitig die Effizienz."

Die technische Basis stammt vom Hyperledger-Projekt, das unter dem Dach der Linux Foundation entwickelt wird. Es handelt sich bei der Roaming-Blockchain um ein geschlossenes Netzwerk, jeder der Teilnehmer betreibt eigene Knoten und verfügt auch über Rechte zur Erzeugung neuer Blöcke. Stromaufwändiges Mining wie beim Bitcoin, mittels dem in einem Netzwerk unbekannter Teilnehmer Vertrauen hergestellt wird, ist bei einer solchen Blockchain nicht nötig. "Unsere Lösung ist skalierbar", heißt es in der Pressemitteilung.

Alle Verträge sollen in dem System über eine Weboberfläche erfasst und als Hashwert im Blockchain-Backend hinterlegt werden. Auch der digitale Unterschriftenprozess erfolgt über dieses Web-Interface. Zur Überwachung des Vertragsprozesses dient ein Smart Contract, der den Vertrag im Blockchain-Netzwerk als abgeschlossen kennzeichnet, wenn alle Parteien ihre Signaturen geleistet haben.

In einem ersten Schritt werden zunächst die Rabattvereinbarungen zwischen den Providern in Software abgebildet. Langfristiges Ziel des Ganzen soll dann aber ein komplett digitalisierter Geschäftsprozess sein, bei dem sich auch die Clearing-Häuser einsparen lassen. Für eine Blockchain entschied man sich deshalb, weil sich damit das ganze Vertragswerk rechtssicher abbilden lässt, führte die Telekom aus.

Andere technische Verfahren wie DocuSign würden wieder manuellen Eingabeaufwand auffordern. Mit der Blockchain ließe sich auch automatisierter Zugriff durch andere Systeme gewährleisten, so dass man eine "Implementierungskette“ ohne Brüche erreichen könne.

Der Quellcode für das Blockchain-System ist derzeit noch nicht öffentlich, soll aber bald allgemein verfügbar gemacht werden. Der Telekom zufolge erwäge man derzeit die Optionen – GitHub, die Apache Foundation, die Linux Foundation oder auch die Publikation über den Branchenverband GSMA kämen in Frage. Experimente, wie Blockchain-Technik Prozesse automatisieren könnte, finden sich in verschiedenen Branchen. Banken testen etwa, wie sich Ausgabe von Schuldscheinen oder Elemente des Wertpapierhandels damit abbilden lassen. (axk)