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MWC

Mobilfunk-Messe schließt mit neuem Besucherrekord

Mit einem neuen Besucherrekord ist am Donnerstagnachmittag in Barcelona der Mobile World Congress (MWC) zu Ende gegangen. "Insgesamt war es eine Rekordmesse", sagte ein Sprecher der Branchenverbands GSMA, der die Messe ausrichtet. Das Gelände der Fira de Barcelona brummte während der vergangenen vier Tage wie ein Bienenstock: Über 60.000 Teilnehmer aus 200 Ländern zählte der Veranstalter in diesem Jahr, 20 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Fast 1400 Aussteller zeigten auf 58.000 Quadratmetern ihre Produkte und Dienstleistungen dem interessierten Fachpublikum, darunter mehr als 2900 Journalisten aus aller Herren Länder.

Neben den aktuellen Trends der Messe – wie den App-"Ökosystemen" oder dem Mobilfunkstandard LTE, mit dem sich Netzbetreiber und Ausrüster beschäftigen – sieht man in Barcelona für gewöhnlich auch erste Anzeichen der Themen, die künftige Messejahrgänge beherrschen dürften. Die Gerätekommunikation über Kurzstreckenfunk (Near Field Communication, NFC) war auch Thema des messebegleitenden Kongresses, Handfestes gab es allerdings noch weniger als erwartet. Das lässt sich auch von den frischgebackenen Kooperationspartnern Microsoft und Nokia sagen: Mit leeren Händen waren sie nach Barcelona gekommen, und doch war die junge Ehe eines der beherrschenden Themen nicht nur auf den Messepartys.

Andere Handyhersteller zeigten zwar wie gewohnt ihre Neuheiten, die große Revolution blieb in diesem Jahr jedoch aus. Doch das, was in den Vitrinen stand, war im Zweifel ein Android-Smartphone. Das Betriebssystem war auf der Messe vor zwei Jahren noch ein Hype ohne Handys, hatte 2010 dann aber seinen großen Durchbruch. Und auf dem Mobile World Congress 2011 war der kleine grüne Android auf nahezu jedem Stand zu finden, während der selbsternannte Herausforderer Windows Phone weitestgehend durch Abwesenheit glänzte.

Darüber hinaus standen Handys und Smartphones etwas im Schatten ihrer größeren Brüder: Zahlreiche Hersteller hatten neue Tablets mit nach Barcelona gebracht und setzten damit einen Trend der Messe. Ein knappes Jahr nach der Markteinführung des iPad haben fast alle Smartphone-Hersteller nachgezogen. Samsung, HTC, LG, Huawei und Viewsonic zeigten neue Tablets in verschiedenen Größen, andere brachten ihre bereits im Januar auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellten Modelle mit und kündigten Termine für Europa an.

Weil abgesehen von Apple, Blackberry und Hewlett-Packard alle auf Android setzen, müssen sich die Hersteller einiges einfallen lassen, um sich von der Konkurrenz abzuheben: LGs 8,9-Zoll-Tablet Optimus Pad nimmt mit Doppellinsenkamera Videos in 3D auf, Samsungs 10 Zoll Galaxy Tab soll mit Businessfunktionen punkten. In beiden ticken Dual-Core-Prozessoren von Nvidia, auf denen die Tablet-optimierte Android-Version 3.0 Honeycomb läuft. Das mit 7 Zoll Displaydiagonale deutlich kleinere HTC Flyer hat stattdessen einen Single-Core-Prozessor von Qualcomm mit 1,5 GHz eingebaut und startet mit Android Gingerbread.

Android, Android, Android: Googles Betriebssystem hat den Smartphonemarkt und die Messe in Barcelona im Sturm erobert. Ob Neuauflagen der Vorjahresgeräte wie bei HTC oder Erweiterungen des bestehenden Produktfolios wie bei Samsung und Sony Ericsson: Alle nennenswerten Smartphone-Neuheiten auf dem Mobile World Congress laufen mit Android, die meisten mit der aktuellen Version Gingerbread. Die Hersteller versuchen, sich mit Integration anderer Dienste abzugrenzen und neue Nutzergruppen zu erschließen.

Nicht nur an der Gadget-Front gab es Neuigkeiten, so etwa für Business-Anwender: VMware stellte eine Virtualisierungslösung für Android-Smartphones vor. Die Übernahme von 3LM durch Motorola dürfte es vielen IT-Verantwortlichen erleichtern, Android-Smartphones im Geschäftsumfeld einzusetzen. Samsung will seine Android-Smartphones ebenfalls mit erweiterten Business-Funktionen ausstatten. Eine Lösung für den exponentiell steigenden Datenbedarf der Netze will das neue Industriekonsortium High Quality Mobile Experience liefern.

Powermat und myFC laden Smartphones und andere akkubetriebene Geräte per Induktion oder Brennstoffzelle, und die Telekom führt eine "Daten-Flatrate" für das Ausland ein. Eugen Kaspersky, Gründer des gleichnamigen Herstellers von Antivirensoftware, empfiehlt Microsoft, sein neues Mobilbetriebssystem Windows Phone 7 als Open Source freizugeben – natürlich nicht, ohne gleichzeitig Werbung für seine neue Security-Suite für Android und Blackberry zu machen. Für Schwellenländer interessant könnte die Gemalto-Lösung sein, die einen Facebook-Zugang über die SIM-Karte auch in einfachen Handys verspricht.

iPhone, Android und Co. mit ihren Apps-Supermärkten waren und sind ein wichtiger Wachstumstreiber für die Mobilfunkwirtschaft, das zeigte sich auch auf der Messe 2011. Der "Krieg der Ökosysteme" ist voll entbrannt, Apps und Markets waren ein ganz heißes Thema. Der App Planet war so groß wie nie zuvor, und auch die Entwickler-Sessions zu allen Mobilplattformen waren gut besucht. Mehr als 45.000 Besucher zählte die GSMA in Halle 7, die den App Planet wieder beherbergte. An den Veranstaltungen im Rahmen des MWC nahmen den Angaben zufolge mehr als 12.000 Entwickler teil.

An den Ständen ließen sich so einige Software-Highlights für Smartphones und Tablets ausprobieren, etwa neue Browser von Opera und Access oder die neue Android-Bedienoberfläche PTPT. Abseits vom Messegelände wurden im Rahmen der sogenannten Mobile Premier Awards Startups mit interessanten App-Ideen prämiert. Unter den Preisträgern: Cardmobili, das als Verwaltung für Mitgliedschafts- und Bonuskarten die Plastikkartenstapel in der Geldbörse vermeiden helfen soll, und wahwah.fm, mit dem Nutzer Musik von einem iOS-Gerät aus an Freunde streamen können.

Der Apps-Boom hat aber auch Nachteile für die Mobilfunkunternehmen. Die Carrier müssen in die Infrastruktur investieren, um die wachsende Nachfrage nach Bandbreite bedienen zu können. Das treibt die Kosten nach oben, während die durchschnittlichen Umsätze der Kunden schon seit geraumer Zeit sinken. Die Mobilfunkbranche versucht daher, den Plattform-App-Stores mit der Wholesale Application Community (WAC) einen eigenen Standard entgegenzusetzen. Nach der Ankündigung der WAC auf dem MWC 2010 feierte die Initiative in diesem Jahr den kommerziellen Start. Auf der Messe konnten sich Entwickler auf einem Developer Event über die technischen Details der Widget-Entwicklung für die WAC-Plattform informieren.

Bei der Suche nach weiteren Einnahmequellen setzen die Mobilfunkunternehmen auch auf mobiles Bezahlen. So sieht Telefonica O2 mit dem steigenden Angebot an internetfähigen Smartphones die Zeit für eine mobile Bezahlsysteme gekommen. Das Unternehmen hat das gemeinsam mit der Telekom und Vodafone entwickelte mpass vereinfacht. Die Telekom setzt darüber hinaus auch auf NFC für den kontaktlosen Zahlungsvorgang. Das Handy wickelt dabei über einen NFC-Chip die Transaktion mit der entsprechenden Gegenstelle per Funk ab.

Mindestens noch einmal wird der MWC in Barcelona gastieren.

(Bild: heise online/acb)

Mobile Zahlungsdienste sind in anderen Regionen der Welt längst Alltag, Europa hat hier großen Nachholbedarf. Das soll sich ändern: "Mobile Payment" und NFC dürften auf den kommenden Messen eine immer größere Rolle spielen. Nachprüfen kann man das auf dem Mobile World Congress 2012, der vom 27. Februar bis 1. März stattfinden wird. Zumindest einmal noch trifft sich die Branche dann in Barcelona. Über den Veranstaltungsort der Messe und der darum visionierten "Mobile World" ab 2013 wird die GSMA im Sommer entscheiden. Noch im Rennen sind neben Barcelona noch Mailand, München und Paris. (jo) / (ll) / (vbr) / (acb)

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