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Mobilfunk im Auto soll Unfälle verhindern

Zwei Pilotprojekte auf der A9 sollen zeigen, wie schnelle Funktechnik und miteinander kommunizierende Autos das Fahren sicherer machen können.

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VDA-Chef Matthias Wissmann, Minister Alexander Dobrindt, Bitkom-Chef Thorsten Dirks und Marcel Huber

VDA-Chef Matthias Wissmann, Minister Alexander Dobrindt, Bitkom-Chef Thorsten Dirks und Marcel Huber, Leiter der Bayrischen Staatskanzlei, beim Start des "Digitalen Testfeld Autobahn" im September.

Per Mobilfunk miteinander vernetzte Autos sollen künftig sicherer unterwegs sein. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Autoexperten stellten am Montag auf der A9 in Bayern zwei Pilotprojekte vor. Dobrindt sprach von einem "Sprung in das digitale Echtzeitalter", der Unfälle und Staus vermeiden helfe. Dobrindt hatte die A9 zum "Digitalen Testfeld" erklärt, auf der das vernetzte und das autonome Fahren in der Praxis ausprobiert werden sollen.

Bei dem einen Projekt werden Autofahrer auf der Überholspur künftig frühzeitig gewarnt, wenn ein zwischen Lastwagen auf der rechten Spur verstecktes Auto nach links ausscheren möchte – und gleichzeitig wird der Ausscherende gewarnt, dass sich auf der Überholspur ein schnelleres Fahrzeug nähert. Bei dem anderen Projekt werden Bremsvorgänge auch an weiter hinten folgende Autos gemeldet, die die Bremslichter der vorderen Fahrzeuge noch gar nicht sehen können.

Für das Projekt wurden die Mobilfunk-Basisstationen des bestehenden LTE-Netzes der Deutschen Telekom im Testbereich durch Einschubmodule, sogenannte "Cloudlets" ergänzt. Sie sorgen dafür, dass die Kommunikation nicht durch das gesamte Netz geleitet werden muss, sondern lokal innerhalb der jeweiligen Funkzelle stattfinden kann. Auf diese Weise können die Signallaufzeiten auf etwa 20 Millisekunden verkürzt werden. Ohne die neue Technik dauert die Übertragung in LTE-Netzen bestenfalls knapp einhundert Millisekunden, unter ungünstigen Bedingungen sogar mehrere hundert Millisekunden. Erst durch die schnelle Übertragung werden Verkehrssicherheitsanwendungen über Mobilfunknetze sinnvoll möglich.

An Bord der Testfahrzeuge befindet sich jeweils eine On-Board-Unit, die mit den Fahrzeugsystemen verbunden ist und über ein Funkmodul mit dem LTE-Netz kommuniziert. Von Continental stammt die Anwendungssoftware sowie die grafische Oberfläche für die Anwendungsszenarien. Außerdem zeichnet Continental verantwortlich für die Integration der LTE-Technik mit den Signalen des Fahrzeugbus (CAN). Die Echtzeit-Kommunikation erlaube "auf Situationen zu reagieren, die weder von den Augen des Fahrers noch den Sensoren des Fahrzeugs erfasst werden können", erklärte Continental-Innovationsexperte Ralf Lenninger. (jo)

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