Mobilfunk mit LTE-Advanced: Auf dem Weg zu 450 MBit/s und Gigabit

In Deutschland fasst die nächste Mobilfunk-Ausbaustufe, LTE-Advanced, gerade Fuß, erste Angebote mit der Obergrenze von 300 MBit/s kann man seit Ende 2014 buchen. Aber "genug" scheint es in der Mobilfunkbranche nicht zu geben.

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LTE-Advanced: Auf dem Weg zu 450 MBit/s

(Bild: Nokia)

Von
  • Dusan Zivadinovic

Die zweite Evolutionsstufe des 4G-Mobilfunks, LTE-Advanced (LTE-A) hatte zunächst einen zähen Start. Die allermeisten Unternehmen, die heute Mobilfunknetze der vierten Generation betreiben (4G), setzen noch immer das "einfache" LTE ein, das maximal 150 MBit/s aus dem Internet zum Teilnehmer befördern kann.

LTE-Advanced, die nächste Entwicklungsstufe, hatten erste Netzbetreiber in Australien und Südkorea zwar schon 2013 implementiert, aber für die weitaus meisten übrigen Provider war das Ausbautempo noch zu hoch. Das hat sich inzwischen geändert. Die GSA (Global mobile Suppliers Association) meldet nun weltweit 49 Netzbetreiber, die die LTE-A in Produktivsystemen einsetzen.

Davon betreiben 22 Provider LTE-A-Netze gemäß der LTE-Kategorie 6 (Cat-6). Die Netze senden also bis zu 300 MBit/s und Teilnehmer können bis zu 50 MBit/s übermitteln (3GPP-Spezifikation Release 10). In Deutschland hat bisher einzig die Deutsche Telekom diese Ausbaustufe erreicht. Sie gehört mit Betreibern aus Australien, Estland, Finnland, Hong Kong, Portugal, Rumänien, Russland, Österreich, Singapur, Schweiz, Slovenien, Spanien, Süd-Korea und Groß Britannien zu einer erlesenen Gruppe.

Weitere 22 Netzbetreiber stehen mit LTE-A-Tests und -Feldversuchen in den Startlöchern. Indirekt ist das für den gesamten Weltmarkt von Bedeutung, denn je mehr Betreiber auf die Cat-6-Technik setzen, desto mehr nimmt das Interesse der Chip- und Smartphone-Hersteller zu, entsprechende Geräte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Man kann in naher Zukunft also eine deutliche Zunahme an Cat-6-Geräten erwarten. Bisher teilen sich diese Nische nur Samsung und Huawei mit einigen Smartphones und einem Mobilfunk-Router. Bis weitere Smartphone-Hersteller nachziehen, dürfte es also nur eine Frage der Zeit sein. Unter Druck, in absehbarer Zeit liefern zu müssen, sind alle, von Apple bis ZTE.

Unter Einsatz der Trägerbündelung kann man in 4G-Mobilfunknetzen in wenigen Jahren schon Spitzendatenraten auf Gigabit-Niveau erwarten. Dafür werden bis zu 100 MHz zusammengefasst. Die Technik lässt sich aber auch mit zusätzlichen räumlich separierten Datenströmen kombinieren.

(Bild: Nokia)

Unter den neuen Funktionen, die das 3GPP-Gremium für LTE-Advanced spezifiziert hat, findet die Trägerbündelung das meiste Interesse (Carrier Aggregation). Damit können Betreiber zwei oder mehr getrennte Funkbänder koppeln. So hat beispielsweise die Telekom mittels zwei je 20 MHz breiten Funkbändern die Obergrenzes auf 300 MBit/s hochgetrieben; mit 20 MHz sind bei LTE nicht mehr als 150 MBit/s möglich. Vodafone experimentiert immerhin bereits mit einem Cat-8-System; dieses liefert in Teilnehmerrichtung bis zu 350 MBit/s.

Was bringt das dem Nutzer? Die schnellen Netze können mehr Teilnehmer mit hohen Geschwindigkeiten versorgen, Downloads großer Dateien sind eher fertig. Dabei kommt noch ins Spiel: Kurzzeitig muss ein Cat-6-Gerät für eine große Datei bei höherer Geschwindigkeit mehr Energie vom Akku saugen. Aber weil es den Download eher beendet als ein Cat-4-Gerät, entnimmt es unterm Strich sogar weniger.

Die nächste Ausbaustufe der LTE-A-Technik ist auch schon absehbar: Neun Betreiber aus Australien, Japan, Portugal, Katar, Turkei, Schweiz, Süd-Korea und Groß Britannien rüsten ihre Netze gegenwärtig mit Cat-9-Technik aus oder erproben sie in Feldversuchen. Laut der 3GPP-Spezifikation Release 11 liefern Cat-9-Systeme Spitzendatenraten bis 450 MBit/s. In Senderichtung sind damit weiterhin 50 MBit/s möglich. Der Trend dürfte sich noch einige Jahre fortsetzen.

Die übernächsten Ausbaustufen versprechen schon Gigabit-Geschwindigkeiten. Einige Netzbetreiber haben in Laborumgebungen Spitzenraten von 700 bis 900 MBit/s erreicht (Softbank in Japan, Turkcell in der Türkei, Etisalat in den Vereinigten Arabischen Emiraten). Die SK Telecom in Südkorea und Ooredoo in Katar haben die Gigabit-Schallmauer ebenfalls in Laborumgebung durchbrochen (3,8 GBit/s, 4,1 GBit/s).

Aus dem breiten Engagement kann man lesen, dass sich Betreiber weiterhin gezwungen sehen, die Kapazitäten ihrer Netze auszubauen – um den Anschluss zur Konkurrenz nicht zu verlieren, aber hauptsächlich, um den Ansturm der Smartphone-Nutzer aufzufangen. Aus Kundensicht keine optimalen Aussichten für sinkende Preise im Mobilfunk... (dz)