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Mobilfunker freuen sich auf zweite digitale Dividende

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Die Mobilfunkbranche hat auf der Wellenkonferenz (World Radiocommunications Conference) der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) ihren Anspruch auf weitere Frequenzen durchgesetzt. Neben dem 800-Megahertz-Band sollen Mobilfunkdienste künftig auch im Bereich von 694 bis 790 Megahertz (MHz) funken. Vertreter verschiedener Mobilfunkanbieter begrüßten das Ergebnis der am Freitag in Genf zu Ende gegangenen Konferenz ausdrücklich, während die betroffenen Rundfunksender vor finanziellen Belastungen warnen.

"Ohne Frequenzen kann die Mobilfunkindustrie nicht weiter Fahrt aufnehmen, mobile Internetzugänge der nächsten Generation sind auf zusätzliche Frequenzen angewiesen", erklärte Telefonica-CTO Enrique Blanco laut einer Stellungnahme des Branchenverbands GSMA. Bei dem Verband ist man "extrem erfreut" darüber, dass viele Länder den dringenden Bedarf anerkannt hätten, lässt sich Generaldirektorin Anne Bouverot zitieren.

In den kommenden drei Jahren muss in den ITU-Mitgliedsstaaten nun an der konkreten Umsetzung des Beschlusses gearbeitet werden. Dabei gilt es, mögliche Interferenzprobleme abzuklären – insbesondere mit dem Rundfunk, der Teile des begehrten Spektrum um UHF-Bereich erstmals 2007 hatte abtreten müssen. Im Rahmen der sogenannten ersten digitalen Dividende hatten die Sender Bereiche im 800-MHz-Band räumen müssen.

"Überraschend" nannte das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München die Einigung, die die Delegierten Mitte der Woche in einer der letzten Nachtsitzungen gefällt hatten. Denn der Dachverband der europäischen Rundfunkverwalter, die CEPT, hatte sich vorab darauf verständigt, die zweite digitale Dividende noch nicht so schnell auszuschütten. Die Rundfunkvertreter fühlten sich bei den Verhandlungen am Ende ganz offenbar allein gelassen.

Ohne den Zuweisungsbeschluss heute hätten die Mobilfunker allerdings noch fast bis zum Ende des Jahrzehnts auf zusätzliche UHF-Frequenzen warten müssen. Wie ein Sprecher der ITU gegenüber heise online bestätigte, haben insbesondere die afrikanischen und arabischen Staaten darauf gedrängt, das 700-MHz-Band für den Mobilfunk zu öffnen.

Das IRT in München unterstrich in einer ersten Reaktion, "dass eine unreflektierte Übernahme" der "für Afrika möglicherweise durchaus geeigneten" Mobilfunkzuweisung "in Europa zu erheblichen Verwerfungen beim digitalen terrestrischen Fernsehrundfunk und dem Einsatz drahtloser Mikrofone führen würde, ganz abgesehen von den damit einhergehenden Kosten für die Fernsehzuschauer und die Nutzer drahtloser Mikrofone". Damit steht der zweiten digitalen Dividende die gleiche Debatte bevor, die die Umwidmung der Frequenzen im 800-MHz-Band begleitet hat. (vbr)

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