Menü

Mobilitätstudie: Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer 1 – und parkt die meiste Zeit

Personen aus mehr als 150.000 Haushalten haben sich an einer großen Studie zur Mobilität beteiligt. Mehrheitlich nutzen sie das Auto, doch der ÖPNV legte zu.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 189 Beiträge
Mobilitätstudie: Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer 1 – und parkt die meiste Zeit

Die Verkehrsplanung richtet den Blick oft auf die Wegehäufigkeit. Nach Jahrzehnten gibt es erstmals einen beachtlichen Rückgang von 3,4 auf 3,1 Wege pro Person und Tag. Eine Ursache könnte der Online-Handel sein.

(Bild: Mobilität in Deutschland 2017, BMVI, Infas)

Das Auto bleibt als Verkehrsträger dominant und Elektrofahrzeuge sind meistens Zweitwagen. Das sind Kernergebnisse der Studie "Mobilität in Deutschland 2017" (MiD 2017), deren Langform nun vorgestellt wurde. Allerdings bleibt ein durchschnittlicher Pkw an einem mittleren Tag – also nicht an einem Spitzentag wie Samstag, an dem viel gefahren wird – nur etwa 45 Minuten lang in Betrieb. "Das bedeutet, dass Pkw fast immer stehen", heißt es.

Haushalte, die ein reines Elektroauto haben, haben meistens noch andere Wagen mit einem konventionellen Antrieb, also Diesel oder Benziner. Nur ein Viertel der E-Autos sind laut MiD 2017 die einzigen Autos im jeweiligen Haushalt.

Elektrisch eher auf kurzen Wegen

Dabei werden Elektrofahrzeuge intensiv vor allem auf kurzen Strecken genutzt, weniger auf langen Strecken. Insgesamt sind aber ohnehin fast zwei Drittel der Pkw-Fahrten im Alltagsverkehr kürzer als zehn Kilometer. Dies zeige, dass die Bedürfnisse der Alltagsmobilität eigentlich sehr gut kompatibel seien mit der Elektromobilität, sagte Verkehrsstaatssekretär Gerhard Schulz. Dennoch gehe es in der E-Mobilität nicht schnell genug voran.

Anzeige

Der Absatz von E-Autos in Deutschland steigt zwar, allerdings auf einem niedrigen Niveau. Als Hauptgründe gelten die geringere Reichweite, der vergleichsweise hohe Preis sowie eine bisher nicht flächendeckende Ladestellen-Infrastruktur.

Ergebnisse der Studie "Mobilität in Deutschland 2017" in Grafiken (19 Bilder)

(Bild: Mobilität in Deutschland 2017, BMVI, Infas)

Die Pkw-Flotte stieg insgesamt in den vergangenen Jahren auf mittlerweile rund 43 Millionen Fahrzeuge in privaten Haushalten. Anders als bei der vorigen Studie dieser Art 2008 komme damit mehr als ein Auto auf jeden Haushalt. Die Ausstattung wachse insbesondere in ostdeutschen Ländern und in den ländlichen Regionen: "Außerhalb der Städte verfügen inzwischen 90 Prozent der Haushalte über mindestens ein Auto." Außerdem wächst die Zahl schwerer Fahrzeuge, die viel verbrauchen. Der Anteil von SUVs, Geländewagen und Vans habe sich in den befragten Haushalten im Vergleich zu 2008 von etwa zehn auf nun etwa 20 Prozent verdoppelt.

Leichter Rückgang des motorisierten Individualverkehrs

Insgesamt zeigt sich der Studie zufolge im Verkehrsaufkommen – der Aufteilung der Wege auf die Verkehrsmittel – ein leichter Rückgang im motorisierten Individualverkehr. Das Auto bleibt mit drei Viertel der Personenkilometer aber das dominierende Verkehrsmittel. Vor allem die ältere Bevölkerung nutzt immer intensiver das Auto, während es unter Jüngeren und in den Städten umgekehrt ist. Daher verliert das Auto insgesamt Anteile an die anderen Verkehrsträger.

Der größte Gewinner in der Kilometerbilanz ist der öffentliche Verkehr mit Bussen und Bahnen, dessen Anteil von 15 auf 19 Prozent steigt. Die Anteile der Personenkilometer blieb unter Radfahrern und Fußgängern über die Jahre jeweils konstant bei 3 Prozent.

Die Verkehrsplanung richtet den Blick oft auf die Wegehäufigkeit. Nach Jahrzehnten gibt es erstmals einen beachtlichen Rückgang von 3,4 auf 3,1 Wege pro Person und Tag. Erste Ergebnisse, wie zum Beispiel niedrigere Mobilitätsquoten bei den Jüngeren sowie eine hohe Bedeutung von Onlinehandel und Homeoffice, böten hierzu Erklärungsansätze, heißt es in der Studie.

Junge Menschen "weniger Auto-orientiert"

Junge Erwachsene in den größeren Städten seien "weniger Auto-orientiert als ihre Altersgenossen" in den vergangenen Jahren, heißt es weiter. Dies drücke sich auch darin aus, dass weniger Junge einen Führerschein machen. 87 Prozent der Deutschen ab 17 Jahren verfügten laut Untersuchung 2017 über eine Fahrerlaubnis – das waren zwei Prozentpunkte weniger als 2008.

Insgesamt legen die Deutschen gut 3,2 Milliarden Kilometer zurück. Als Folge des Anstiegs der Bevölkerung und der Beschäftigung erreiche die Verkehrsnachfrage damit einen neuen Höchststand. Pro Person sind das täglich 39 Kilometer.

Das Verkehrsministerium hatte nach 2002 und 2008 das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) im Jahr 2017 zum dritten Mal mit der Studie beauftragt. Wesentliche Ergebnisse waren bereits im Sommer vorgelegt worden, ein umfangreicher Ergebnisbericht soll in etwa drei Wochen vorliegen. An der Studie hatten sich mehr als 60 regionale Partner beteiligt, mehr als 150.000 Haushalte wurden befragt. Das Bundesverkehrsministerium bezeichnet sie als weltweit größte empirische Untersuchung zur privaten Mobilität. (mit Material der dpa) / (anw)

Anzeige