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Mode 3.0: Der Online-Handel mit Textilien wird immer wichtiger

Amazon will modischer werden, Zalando auch auf komplizierte Fragen seiner Kunden eine Antwort finden. Der Bekleidungshandel im Internet dürfte sich in den nächsten Jahren noch einmal drastisch verändern.

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(Bild: dpa, Laurin Schmid/Archiv)

Deutschlands größter Textildiscounter KiK will sein Online-Geschäft in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. Der Umsatz im Internet soll von 20 Millionen Euro in diesem Jahr auf 100 Millionen Euro 2020 steigern, wie KiK-Chef Heinz Speet am Donnerstagabend in Düsseldorf berichtete. Zusätzlich zum eigenen Online-Shop plant der Billiganbieter ab Mai den Start einer Verkaufsplattform auf eBay.

"Der Handel verändert sich massiv. Wer da nicht mitgeht, wird in ein paar Jahren massive Probleme haben", begründet Speet die Online-Expansion des Billiganbieters. Tatsächlich hat inzwischen fast jeder große Textilhändler in Deutschland – ob H&M oder C&A, Karstadt oder Kaufhof – einen Online-Shop, auch wenn damit längst nicht immer Geld verdient wird.

Der Hintergrund: In kaum einem anderen Handelsbereich boomt das Online-Geschäft so sehr wie bei Textilien. Nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) landete im vergangenen Jahr schon gut jeder siebte Euro, der für Mode ausgegeben wurden, in der Kasse eines Online-Shops. Der Marktanteil der Internethändler lag bei rund 15 Prozent – mit weiter steigender
Tendenz.

Die Wachstumsraten der Online-Shops der stationären Platzhirsche sind teilweise durchaus beeindruckend. So legte der E-Commerce bei der Metro-Tochter Kaufhof im vergangenen Geschäftsjahr – allerdings von niedrigem Niveau kommend – um 64 Prozent zu.

Gemeinsam ist den Internet-Auftritten der stationären Händler meist, dass sie in der Optik an mehr oder weniger aufwendig inszenierte Versandhauskataloge erinnern. Ob dies auf die Dauer ausreicht, um Amazon, Zalando und Co. erfolgreich Paroli zu bieten, ist eine andere Frage. Denn die Internet-Stars arbeiten bereits mit viel Energie an den Online-Shops der Zukunft. Und die könnten ganz anders aussehen.

Rubin Ritter, Vorstandsmitglied von Zalando, gab kürzlich auf der Fachtagung "Tengelmann eDay" Einblick in die Zukunftswerkstatt des Online-Shops. Heute komme der Kunde noch auf die Seite und suche sich aus einem sehr breiten Sortiment etwas aus. In Zukunft aber werde der Verbraucher viel komplexere Fragen und Erwartungen haben, glaubt Ritter.

"Er wird zu Beispiel sagen, ich möchte gerne aussehen wie ein bestimmter Schauspieler. Zalando, könnt ihr mir sagen, was ich dafür kaufen muss und könnt ihr mir das auch schnell liefern?", meinte der Manager. Noch würde eine solche Anfrage das Unternehmen überfordern, räumte Ritter ein. Doch arbeite Zalando daran, dies zu ändern.

Auch Jens Uwe Intat von Amazon ließ auf der Tagung keinen Zweifel daran, dass der US-Riese noch viel im Modegeschäft vorhat. Lange Zeit habe Amazon mehr Wert auf Effizienz als auf Ästhetik bei der Produktpräsentation gelegt. Doch in Zukunft werde man auch im Bereich der Luxusmode mehr von Amazon sehen.

Junge Unternehmen wie Stylight.de zeigen, wie so etwas aussehen könnte. Die Homepage des Start-Ups erinnert weniger an einen Versandhauskatalog als an eine Modezeitschrift. Lesegeschichten wie: "Warum dein Finanzberater jetzt zum Kauf einer Chanel-Tasche rät" oder Bekleidungstipps wie "Das perfekte Büro-Outfit für morgen" verknüpft die Seite mit passenden Einkaufstipps, die direkt angeklickt werden können und den Leser auf die Verkaufsseiten von rund 100 Partner-Shops bringen. (axk)