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Module statt Betriebssystem: Android-Anpasser Cyanogen ändert Strategie

Bislang wollte Cyanogen den Smartphone-Herstellern ein komplettes Android liefern, jetzt geht es nur noch um Software-Module. Der Strategiewechsel wirkt sich auch auf das CustomROM CyanogenMod aus.

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Module

Android-Erweiterungen von Cyanogen

Der Entwickler alternativer Android-Betriebssysteme Cyanogen ändert nach einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung seine Strategie und tauscht den Chef aus. Herstellern von Android-Geräten sollen statt eines kompletten Betriebssystems künftig nur noch Elemente davon angeboten werden.

Die Hersteller sollen "dynamische Module" und "MODs" von Cyanogen verwenden können. Bei den MODs handelt es sich um Android-Erweiterungen, die bislang zu einem großen Teil von Microsoft stammen, zum Beispiel die nahtlose Integration von Skype in die Telefonie-App, das Steuern von Funktionen per Spracherkennung Cortana oder die Möglichkeit, OneNote-Notizen von überall aus anzulegen.

Die Erweiterungen sollen die Smartphone-Hersteller in das Android ihrer Wahl integrieren können, "egal ob es sich um ein Standard-Android oder ihre eigene Variante handelt", kündigte der neue Firmenchef Lior Tal in einem Blogeintrag an. Außerdem sollen Entwickler in Zukunft auch die Cloud-Dienste von Cyanogen anzapfen können. So wolle Cyanogen sein ursprüngliches Ziel eines "offeneren und smarteren Android" erreichen. Der Strategiewechsel hatte sich bereits vor einigen Monaten abgezeichnet, als das Unternehmen einem Großteil seiner Betriebssystem-Entwickler kündigte.

Tals Vorgänger Kirt McMaster, der einst ankündigte, er werde "Android Google wegnehmen" und "Google eine Kugel durch den Kopf schießen", wechselt an die Spitze des Verwaltungsrates. Mitgründer und Technikchef Steve Kondik verlässt den Posten des Technikchefs und soll künftig die Forschung leiten.

Android wird bei Google entwickelt, ist aber im Kern ein offenes Betriebssystem, das Hersteller mit oder ohne Dienste des Internet-Konzerns verwenden können. Unter anderem in China, wo viele Google-Services gar nicht verfügbar sind, brauchen die Anbieter Alternativen für ihre Smartphones und Tablets.

Der Plan von Cyanogen war, ein Betriebssystem auf Basis von Android zu entwickeln, das ohne Google-Dienste auskommen, aber die gleichen Funktionen über andere Anbieter zur Verfügung stellt. "Wir wollen den Herstellern ein Android in die Hand legen, das besser ist als die Standard-Version", sagte Steve Kondik Anfang 2015.

McMaster räumte in einer vom Blog Android Police veröffentlichten E-Mail an die Mitarbeiter nun aber am Montag ein, ihm sei schon Ende vergangenen Jahres klar geworden, dass dieses Modell nicht "schnell genug skalierte". Deswegen sei gemeinsam mit dem ehemaligen Facebook-Manager Tal der neue modulare Ansatz entwickelt worden.

Hervorgegangen war das Unternehmen Cyanogen aus dem unkommerziellen Android-Ableger CyanogenMod, an dem weiterhin Entwickler aus aller Welt in ihrer Freizeit arbeiten. Cyanogen hatte jedoch ebenfalls viel Arbeit in CyanogenMod gesteckt – Ressourcen, die dem CustomROM künftig fehlen werden. (mit Material von dpa) / (cwo)

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