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Möglicherweise noch ein Copyright-Problem für Android

Mit der Übernahme von Sun durch Oracle fing der Ärger für Android an: Im vergangenen Sommer verklagte der neue Java-Besitzer Google. Die virtuelle Maschine Dalvik, die alle Android-Anwendungen ausführt, solle Java-Patente aus dem Sun-Patent-Pool verletzen und urheberrechtlich geschützten Java-Code enthalten. Google bestritt die Vorwürfe und sieht sein Vorgehen durch die Open-Source-Lizenz, unter der Java steht, gedeckt – zumal Dalvik nicht auf Suns Java Virtual Machine, sondern auf der freien Java-Implementierung Apache Harmony aufsetzt.

Jetzt will Florian Müller, Betreiber des Blogs "FOSS Patents" und Gründer der Initiative NoSoftwarePatents, einen weiteren Copyright-Verstoß von Google entdeckt haben. Laut seiner Analyse soll Google Teile aus den Header-Dateien des Linux-Kernels in der C-Bibliothek von Android verwenden. Die C-Bibliothek bildet auf Unix- und Linux-Systemen die Schnittstelle zwischen Anwendungen und Kernel: Sie stellt Anwendungen standardisierte Systemaufrufe zur Speicher-, Prozess- und Dateiverwaltung zur Verfügung, die sie in Kernelfunktionen umsetzt. Dazu muss die C-Bibliothek im Kernel verwendete Datenstrukturen und Konstanten kennen.

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Google verwendet in Android nicht die in Linux-Systemen übliche Glibc, sondern eine eigene C-Bibliothek namens Bionic. Die ist zum einen schlanker als die Glibc und dadurch besser an die begrenzten Ressourcen von Mobilgeräten angepasst; zum anderen steht sie, anders als die LGPL-lizenzierte Glibc, unter der permissiven BSD-Lizenz. Google begründet das damit, dass man das Android-Userland frei von GPL-Code halten wolle. Der wesentliche Unterschied zwischen GPL und BSD-Lizenz: Die Copyleft-Klausel der GPL erzwingt das Offenlegen von abgeleiteten Werken unter GPL, während man mit BSD-Code machen darf, was man will.

Der Linux-Kernel allerdings steht unter der GPL. Und genau hier sieht Müller das Problem: Die aus den Kernel-Headern in Bionic übernommenen Datenstrukturen unterliegen nach Müllers Ansicht der GPL. Damit sei die C-Bibliothek in Android ein von GPL-Code abgeleitetes Werk und müsse daher selbst unter der GPL veröffentlicht werden. Dann müssten allerdings auch, so Müller, die virtuelle Maschine Dalvik und letztlich alle Android-Anwendungen GPL-lizenziert werden – was praktisch auf den Zusammenbruch des gesamten kommerziellen Ökosystems rund um Android hinauslaufe. Googles einziger Ausweg, behauptet Müller, sei der Umstieg auf die LGPL-lizenzierte Glibc, da die – anders als eine GPL-lizenzierte Bibliothek – auch von proprietärer Software verwendet werden darf.

Vor Gericht hat die Sache allerdings noch niemand gebracht. (odi)

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