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Moin Moin, .hamburg: Zweite deutsche Städte-TLD ist online

Der Betreiber setzt auf einen starken Lokalpatriotismus in der Hansestadt. Anders als bei der Hauptstadt-Endung .berlin hat die lokale Verwaltung die Top-Level-Domain von Anfang an unterstützt.

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Mit .hamburg ist nach .berlin die zweite deutsche Städte-TLD online. Seit 11 Uhr am heutigen Mittwoch kann sich jeder eine Web-Adresse unter der neuen TLD sichern. Einzige Bedingung ist, dass mindestens eine Person in den Whois-Angaben der Domain seinen Sitz in der Metropolregion Hamburg hat. Zwischen 30 bis 60 Euro kosten die .hamburg-Adressen je nach Registrar.

Die Hamburg Top-Level-Domain GmbH setzt auf Lokalpatriotismus

(Bild: punkthamburg.de)

Oliver Süme, Geschäftsführer der Hamburg Top-Level-Domain GmbH, glaubt an den Nutzen der neuen Städte-Endung: "Mit .hamburg lässt sich hervorragend der Lokalbezug zur Metropolregion Hamburg herstellen. Unternehmen können zeigen, dass sie hier Dienstleistungen anbieten, Privatpersonen, dass sie Hamburger sind."

.berlin ging im März online, als erste Städte-Endung weltweit. Nach einer Begegnung mit dem .berlin-Gründer Dirk Krischenowski im Jahr 2006 hatte Süme beschlossen, dass auch Hamburg eine eigene Internet-Endung gut stehen würde. Im gleichen Jahr begannen die ersten Kooperationsgespräche mit dem Hamburger Senat.

Hamburg sammelte Ende 2011 über eine Ausschreibung Bewerbungen für den Betrieb von .hamburg. Ein anderer Interessent war der Massenbewerber Top Level Domain Holdings, der über seine Firmentochter Mind + Machines auch hinter den Betreibern von .bayern und .nrw steht und sich zudem noch erfolglos um den Betrieb von .berlin beworben hatte. Im Februar 2012 kam der Kooperationsvertrag zwischen der Stadt und der Hamburg Top-Level-Domain GmbH zustande.

Während .berlin anfangs mit Widerstand des Berliner Senats zu kämpfen gehabt hatte, war die Hamburger Politik von Anfang an mit im Boot, erzählt Süme: "Wir hatten eine starke Unterstützung der Stadt. Es war zu keinem Zeitpunkt ein Kampf mit ihnen. Sie haben .hamburg als Teil der Stadt-Strategie verstanden." Über den Kooperationsvertrag hat die Stadt Regeln für den Betrieb der Registry definiert. Zudem wurde eine kleine Beteiligung der Stadt an der Registry-GmbH vereinbart. Laut Online-Handelsregister sind es allerdings nur knapp 0,8 Prozent. Größte Anteilseigner sind mit etwa 30 Prozent Oliver Süme unter der .berlin-Gründer Krischenowski.

Der Kooperations-Vertrag mit Hamburg wurde vor kurzem als Antwort auf eine Anfrage über das Portal FragdenStaat veröffentlicht, allerdings ohne Anhänge. Aus dem Vertrag gehen beispielsweise die Zahlungen der Registry an die Stadt hervor: Hamburg erhält für die ersten 50.000 Domains jeweils 3 Euro, übersteigt die Zahl 100.000, steigt der Betrag auf 6 Euro.

Einige Adressen werden auch nach dem Beginn der allgemeinen Verfügbarkeit nicht sofort registrierbar sein. Hamburg hat sich über eine Whitelist etwa 3700 Domains für eigene Zwecke reservieren lassen, als Beispiele nennt Süme lohnsteuer.hamburg oder muell-entsorgung.hamburg. Circa 300 politisch sensible und anstößige Domainnamen wie "heilhitler" stehen auf einer Blacklist und dürfen von niemandem genutzt werden. Noch nicht zugänglich sind zudem etwa 5000 Namen, die die ICANN vorläufig sperrt, da sie auch in internen Netzwerken Verwendung finden, was theoretisch zu Problemen führen könnte. Und auch die Hamburg Top-Level-Domain GmbH selbst hält einige "Premium-Domains" wie juwelier.hamburg oder club.hamburg zurück. Die etwa 4000 Adressen sollen ab 2015 zu einem erhöhten Festpreis verkauft werden.

Süme schätzt, dass es etwa 80.000 Vorbestellungen gibt, die von den verschiedenen Registraren an seine Registry geschickt werden. Er ist optimistisch, dass .hamburg auch mittelfristig auf genügend Interesse stoßen wird. Städte-Endungen, so glaubt er, werden zu einem festen Bestandteil der Internet-Nutzung werden: "Wir werden uns in ein paar Jahren daran gewöhnt haben, dass eine .hamburg-Adresse normal ist, so wie beim Telefonieren jedem klar ist, dass man eine 030-Vorwahl für Berlin und 040 für Hamburg hat. Genau so selbstverständlich wird in einigen Jahren auch die Nutzung von Städte-Endungen sein." (Stefan Mey) / (anw)

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