Mojo Nation: noch ein neues System zum Dateientausch

Die "ultimative Mischung aus Napster und eBay" hat sogar ein integriertes Micropayment-System.

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Von
  • Florian Rötzer

Sieben Hacker aus der Cypherpunk-Community aus San Francisco hatten rechtzeitig zum Hackertreffen Def Con am letzten Wochenende in Las Vegas einen Beitrag zum neuen Volkssport "Dateien-Tauschen" präsentiert: Mojo Nation arbeitet nicht nur mit einem raffinierten Verschlüsselungssystem, sondern funktioniert auch nur "nach Münzeinwurf": Die eigene, Mojo getaufte Währung soll aber nicht unbedingt an die Urheber fließen, sondern die Zuverlässigkeit des Systems garantieren und die Tragödie der Almende verhindern. Die Geschenk-, Tausch- und Geldökonomie im und rund um das Netz könnte damit gleichzeitig näher zusammenwachsen.

Während Napster und Scour (Nach der Musik der Film) um ihre Zukunft kämpfen und einer der alternativen Tauschserver, CuteMX, vergangene Woche erst einmal dicht gemacht hat und abwartet, bis sich der im Zusammenhang mit der inzwischen wieder aufgehobenen einstweiligen Verfügung gegen Napster entstandene Rauch gelegt hat, nahm Mojo Nation seinen Testbetrieb und wirbt mit einem Funktionsreichtum um die Nutzer, den die meisten Konkurrenten bisher nicht bieten können. So unterstützt die Software als bisher einzige in diesem Sektor sogar eine eigene Micropayment-Funktion.

Damit sollen allerdings nicht etwa hauptsächlich Gebühren für urheberrechtlich geschützte Werke eingefordert werden, die über das System ähnlich wie beim Freenet weitgehend anonym getauscht werden können. Vielmehr geht es den Machern von Mojo Nation darum, durch den Einsatz der von ihnen unter dem Namen Mojo ausgegebenen Währung möglichst viele Surfer dazu zu bewegen, Speicherplatz für das dezentralisierte, nur auf den Ressourcen seiner Nutzer basierende Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Die Mojos, die ein Surfer durch diese Dienstleistung verdient, kann er dann etwas für das Herunterladen von Dateien wie MP3s, Textdokumenten oder Software wieder verwenden. Nach Ablauf des Beta-Betriebs soll sich die Kunstwährung außerdem in bare Münze umwandeln lassen. Die Designer von Mojo Nation wollen auf diesem Weg einen "digitalen Marktplatz für den Austausch von ungenutztem Festplattenraum, Bandbreite und Prozessor-Resourcen" etablieren.

Die sieben Cypherpunks glauben, dass sie mit ihrem ausgeklügelten System die nächste "Killer-Applikation" fürs Internet geschaffen haben. "Wir sind eine Mischung aus Napster und eBay", verriet Jim McCoy, der Geschäftsführer von Autonomous Zone Industries, seine großen Vorbilder gegenüber Wired News. Angst vor der Musikindustrie oder Hollywood hat der ehemals bei Yahoo arbeitende 30-Jährige nicht. "Wir können fast alle Attacken aus dieser Richtung überleben", glaubt der File-Sharing-Protagonist im Vertrauen auf das dezentrale Netzwerk. Seiner Meinung nach entsteht durch den Agenten-Pool, auf dem die Infrastruktur von Mojo Nation beruht, eine weit verteilte Gesellschaft unabhängiger Akteure. Dadurch sei das System insgesamt verlässlicher und fehlertoleranter als ein hierarchisches, zentralisiertes System. Anders als die Programmierer von Gnutella sei man aber zur partiellen Zusammenarbeit mit der Content-Industrie bereit. (Stefan Krempl)

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