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Moog stellt semi-modularen Drum-Computer DFAM vor

Der analoge "Drummer From Another Mother" richtet sich speziell an Klangschrauber und verzichtet bewußt auf Annehmlichkeiten wie MIDI oder USB.

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Moog stellt semi-modularen Drum-Computer DFAM vor

(Bild: Moog)

Der US-amerikanische Synthesizer-Hersteller Moog hat seinen ersten semi-modularen Drum-Computer namens DFAM (Drummer From Another Mother) vorgestellt. Das rein analog aufgebaute Tischgerät nutzt ein ähnliches Konzept wie der Synthesizer Mother 32 und lässt sich auch in Euroracks einsetzen.

Die Ausstattung wirkt auf den ersten Blick spartanisch: Auf der Rückseite befindet sich lediglich ein asymmetrischer Mono-Klinkenausgang – MIDI und USB fehlen. Der interne Sequenzer beschränkt sich auf acht Schritte. Die Klangerzeugung ist monophon und nutzt zwei Oszillatoren (jeweils umschaltbar auf Rechteck und Dreieck), die sich wahlweise mit weißem Rauschen oder einer externen Klangquelle unterfüttern lassen. Wer es aggressiv und metallisch mag, kann den ersten Oszillator aber auch mit dem zweiten per FM-Regler modulieren. Anschließend gelangen die Signale durch das typische 4-Pol-Ladder-Filter – wahlweise als Hochpass oder Tiefpass umschaltbar. Dreht man die Resonanz auf, fängt das Filter selbst an zu oszillieren und kann als Sinus-Oszillator genutzt werden.

Drei Hüllkurven steuern den Verlauf von Pitch- und Filter-Frequenz sowie der Lautstärke. Sie arbeiten deutlich schneller als bei normalen Synthesizern. Stufenlos ändern lässt sich allerdings nur die Abklingzeit (Decay). Die Attack-Zeit lässt sich lediglich bei der Lautstärke von 1 ms auf 100 ms umschalten – je nachdem ob der Anschlag zackig oder weich klingen soll.

Bereits ohne den Einsatz von Patch-Kabeln lassen sich dem Moog DFAM ungewöhnliche Sounds entlocken, wie hier ein Moog-Mitarbeiter beim jüngsten Moogfest demonstrierte.

Doch schon mit diesen wenigen Reglern sind dem DFAM höchst unterschiedliche Sounds zu entlocken. Der Sequenzer kann mit seinen acht Schritten die Lautstärke und Tonhöhe steuern. Steckt man jedoch die kurzen Patch-Kabel in die Patch-Matrix mit 24 Buchsen auf der rechten Seite, dann kann der Sequenzer auch die Filterfrequenz, Decay-Zeit oder selbst sein Tempo steuern. Letzteres lässt sich über einen analogen Regler überaus weitreichend von 10 bpm bis 10000 bpm (!) variieren, sodass der Sequenzer sich auch als Hüllkurven-Generator für experimentelle Sounds missbrauchen lässt.

Laut Moog werden die Synthesizer derzeit für eine Installation namens "BioRhythmia" genutzt. Die Kontrollspannungen zur Steuerung der Instrumente werden dabei von einem Kaktus geliefert, sodass man der Musik der Pflanze lauschen kann. Ob der 30 Jahre alte Kaktus bereits Urheberrechte an seiner Musik geltend gemacht hat, ist bislang nicht bekannt.

(Bild: Moog)

Damit der DFAM synchron mit anderen Geräten musiziert, kann man ihn über die "ADV/Clock"-Buchse mit kurzen Impulsen triggern. Diese können von einem zweiten DFAM, einem Mother 32 oder einem Sequencer stammen, der analoge Trigger-Signale ausgibt – Arturias Beatstep Pro wäre beispielsweise ein sinnvoller Spielgefährte.

Wie bei modularen Synthesizern üblich lassen sich die Sounds nicht als Patches speichern. In der Praxis werden die Klänge deshalb häufig mit einem Sampler aufgezeichnet. Deshalb ist Moogs Entscheidung, sich beim DFAM ganz auf die Klangerzeugung und die Modulations-Optionen der Patch-Matrix zu konzentrieren, durchaus sinnvoll. So gibt er einen exzellenten Futterlieferanten für ungewöhnliche Sounds ab.

In den USA hat Moog bereits mit der Auslieferung der ersten Geräte begonnen. Der Preis liegt bei 679 US-Dollar. Deutsche Händler haben den DFAM bislang noch nicht gelistet. (hag)

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