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Moores Gesetz: "Noch zehn bis zwanzig Jahre"

Gab Intel-Mitbegründer Gordon Moore der Silizium-Chiptechnologie vor zwei Jahren noch weitere zehn Jahre, blickt der große alte Mann der Mikroelektronik mittlerweile wieder ein wenig optimistischer in die Zukunft. Moore stellte am heutigen Mittwoch in einer Telefonkonferenz den Fragen der internationalen Presse: Anlass war das nächste Woche anstehende 40-jährige Jubiläum des Artikels, in dem Moore zum ersten Mal die Verdopplung der Integrationsdichte von integrierten Schaltungen alle zwei Jahre formuliert hatte -- eine Originalausgabe der Zeitschrift versucht Intel jetzt über eBay zu ergattern.

Das nach ihm benannten Gesetz werde wahrscheinlich noch "weitere zehn bis zwanzig Jahre" seine Gültigkeit behalten, bis man an "fundamentale Grenzen" stoße, sagte Moore."Die nächsten zwei oder drei Technologie-Generationen" wären jedoch sicherlich noch mit herkömmlicher Technologie machbar. Aber selbst damit sei "nicht das Ende des Fortschritts" erreicht. "Die Ingenieure haben im wahrsten Sinne des Wortes Milliarden von Transistoren auf den Chips zu Verfügung, um ihre Entwürfe zu verwirklichen. Ich denke es wird eine Menge neuer Entwicklungen geben".

Obwohl er in der Nanotechnologie ein großartiges Potenzial sieht, glaubt Moore jedoch nicht, dass molekulare Elektronik die Siliziumtechnologie ersetzen werde. "Für Forschung und Entwicklung in der Silizium-Technologie ist mittlerweile insgesamt rund 100 Milliarden Dollar ausgegeben worden. Um diese Technologie zu ersetzen, brauchen Sie etwas, dass schon wirklich ziemlich ausgereift ist." Entgegen der herkömmlichen Erwartungen werde man wahrscheinlich eher erleben, dass die Mikroelektronik in weitere Bereiche vordringe, erklärte Moore: "Sie können das bereits sehen an Dingen wie DNA-Chips, mikro-elektromechanischen Systemen oder mikrofluidischen Bauteilen."

Wie präzise die Prognose von Moore ist, bleibt abzuwarten. Moore selbst merkt bescheiden an, dass, hätte er das berühmte Papier nicht geschrieben, hätte es jemand anders getan, denn "spätestens zehn Jahre später wären die Trends einfach völlig offensichtlich geworden". Immerhin aber hat Moore bereits 1965 geschrieben, die fortschreitende Miniaturisierung der Elektronik werde zur Verbreitung des Homecomputers führen. Auch wenn er heute zugibt: "Ich hatte keine Vorstellung davon, wofür man Homecomputer wirklich brauchen kann. Ich dachte an Hausfrauen, die vielleicht ihre Rezepte darauf speichern."

Trends wie den Kursschwenk Intels zu Prozessoren mit mehreren Kernen mag Moore dagegen nicht kommentieren, weil er bereits seit einigen Jahren nicht mehr aktiv an der Entwicklung beteiligt sei. Auch die Frage, ob er seinem Gesetz vielleicht etwas hinzuzufügen habe, entlockt ihm nur einen Lacher und den trockenen Kommentar: "Ich ruhe mich lieber auf meinen Lorbeeren aus." (wst)

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