MotionLogic: Telekom schließt Handydaten-Lieferant des Robert-Koch-Instituts

Die Deutsche Telekom schließt MotionLogic. Die Firma liefert anonymisierte Handy-Daten an das Robert-Koch-Institut zur Lageeinschätzung der Corona-Pandemie.

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(Bild: Shutterstock/Juan Aunion)

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Die Deutsche Telekom schließt ihr Tochterunternehmen MotionLogic. MotionLogic liefert zurzeit noch im Rahmen der Coronavirus-Pandemie Statistiken auf Grundlage anonymisierter Mobilfunkdaten an das Robert-Koch-Institut (RKI), die bei der Bewertung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus helfen können. Die Telekom bestätigte auf Anfrage von heise online, dass der Geschäftsbetrieb von MotionLogic beendet werde. Eine Fortführung der Datenübermittlung an das RKI werde derzeit geprüft.

Die Entscheidung, MotionLogic zu schließen, sei aus wirtschaftlichen Gründen bereits "lange vor Beginn der Corona-Krise" beschlossen worden, heißt es von der Telekom. Die Einstellung des Geschäftsbetriebs erfolgt zu Ende Mai. Die Telekom teilte mit, dass die Corona-Krise nun eine "andere Situation geschaffen“ habe. Gemeinsam mit dem RKI und weiteren Experten prüfe der Konzern deshalb, welche die beste Lösung ist, sofern weitere anonymisierte Mobilfunkdaten an das RKI übertragen werden sollen. Wann eine Entscheidung gefällt wird, ließ die Telekom offen, will jedoch darüber informieren, sobald ein Ergebnis vorliegt.

MotionLogic hatte am 17. März einen ersten Satz Statistiken auf Grundlage anonymisierter Handy-Daten von Telekom-Kunden an das RKI im Umfang von etwa 5 GByte übermittelt, ein zweiter Satz in ähnlichem Umfang ist am Freitag an das Institut gegangen, teilte die Telekom mit. Die Statistiken basieren auf Signalisierungsdaten von Mobilfunkmasten der Telekom, beispielsweise den Zeitpunkt zum Aufbau einer Mobilfunkverbindung und den entsprechenden Mobilfunkmast, über den eine Verbindung erfolgt ist. Die Anonymisierung und Aggregation der Daten erfolge in Echtzeit. Die Informationen würden in Massenstatistiken umgewandelt und erst dann zur Auswertung weitergeben. Dies steht im Einklang mit den Datenschutzgesetzen, heißt es von der Telekom.

Die Statistiken verwendet das RKI dazu, um Bewegungsströme von Menschen nachzuvollziehen. Außerdem dürfte daraus erkennbar sein, inwieweit die ergriffenen Maßnahmen der Bundesländer zur Bewegungseinschränkung eine Wirkung haben.

MotionLogic bietet solch aufbereitete Daten in anonymisierten Massenstatistiken seit 2015 zum Verkauf an. Daraus lassen sich Bewegungsströme von Menschen ableiten und beispielsweise Standorte für neue Läden bewerten, Verkehrsplanungen erleichtern oder die Sicherheit bei Großveranstaltungen erhöhen. Kunden sind unter anderem Kommunen und regionale Verkehrsunternehmen. (olb)