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Motorola-Produkte kommen bei Schleswig-Holsteinern nicht mehr gut an

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Nach der Schließung der Logistik-Sparte von Motorola in Flensburg und dem Verlust von 700 Arbeitsplätzen legen Politiker einen Kaufboykott von Produkten des US-Handyherstellers nahe. Das berichten die Lübecker Nachrichten (Donnerstag-Ausgabe). "Ich rufe Verbraucher dazu auf, keine Produkte von Firmen zu kaufen, die in dieser Art und Weise tätig sind und ohne Rücksicht auf Menschen ihre Produktionsstandorte quer über die Welt verschieben", sagte der Grünen-Fraktionschef im Kieler Landtag, Karl-Martin Hentschel, dem Blatt. "Verbraucher sollten beim Kauf ihres nächsten Handys genau überlegen, ob sie zu Motorola greifen wollen", erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm der Zeitung. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) besitzt laut Lübecker Nachrichten selbst ein Motorola-Handy. Aus Regierungskreisen verlautete, Carstensen habe sich bereits nach einem neuen Mobiltelefon umgesehen.

Motorola hatte die zuvor bereits durchgesickerten Pläne zur Schließung der Logistik-Sparte in Flensburg am heutigen Mittwoch offiziell bestätigt. Die rund 700 Mitarbeiter wurden am Nachmittag auf einer Betriebsversammlung informiert. Die Schließung soll bereits bis Ende September abgewickelt sein. Als Begründung gibt das Unternehmen an, man wolle sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren. "Wir sind kein Logistik-Unternehmen. Wir haben uns deshalb entschlossen, die Logistik-Aktivitäten für Europa an einen externen Dienstleister auszulagern", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Motorola GmbH, Ralf Gerbershagen. Als weitere Gründe wurden zu hohe Fixkosten und die ungünstige geografische Lage Flensburgs als Logistik-Standort genannt. Die Arbeitsplätze sollen zum kanadischen Logistik-Unternehmen Cinram in die Nähe von Aachen (Nordrhein-Westfalen) verlagert werden.

Gespräche der schleswig-holsteinischen Regierung mit Vertretern der Motorola-Zentrale in den USA verliefen ergebnislos. Motorola hatte seit 1994 insgesamt 26 Millionen Euro an Fördergeldern des Landes erhalten. Mitarbeiter, die nach Alsdorf wechseln wollen, sollen nach Angaben von Gerbershagen für ein Jahr zu den gleichen Konditionen wie in Flensburg beschäftigt werden. Für nicht wechselwillige Mitarbeiter werde es den Sozialplan geben, der bereits im April bei der Schließung der UMTS-Fertigung in Flensburg ausgehandelt worden war. Die Beschäftigten erhalten eine Abfindung und werden für zwölf Monate in einer Transfergesellschaft aufgefangen, um sich weiterzubilden und einen neuen Job zu suchen. Nach der Verlagerung der gesamten Handy-Produktion von Flensburg nach Asien und der Schließung der Logistik-Sparte bleiben von einst mehr als 3000 Mitarbeitern noch rund 200 im ehemals modernsten Handy-Werk Europas. (pmz)