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Motorola plant Polizei-Bodycams mit Gesichtserkennung in Echtzeit

Motorola Solutions kooperiert mit der auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Firma Neurala mit dem Ziel, "intelligente Kameras" für Behörden mit Sicherheitsaufgaben zu entwickeln. Die Suche nach Personen soll erleichtert werden.

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Motorola will Polizei-Bodycams Gesichtserkennung in Echtzeit beibringen

(Bild: dpa, Boris Roessler / Archiv)

Während einer Personenkontrolle im Straßenverkehr oder einer Demonstration könnten Polizisten bald im Handumdrehen auch ohne Einsicht in Ausweispapiere wissen, wen sie vor sich haben. Motorola Solutions hat sch mit dem Bostoner Startup Neurala zusammengetan, um mithilfe von Bodycams und Künstlicher Intelligenz (KI) beispielsweise Gesichter in Echtzeit erkennen zu können. So soll der Polizei und anderen Sicherheitsbehörden eine effizientere Suche nach vermissten Personen oder Objekten ermöglicht werden, teilte das Unternehmen mit.

Neurala-Gründer Massimiliano "Max" Versace hat eine Bilderkennungstechnik auf Basis von Maschinenlernen entwickelt, die auf kleinen computergesteuerten Geräten wie einer Si500-Aufsteckkamera von Motorola Solutions ähnliche Leistungen zeigen können soll wie auf einem deutlich leistungsfähigeren Rechner. Die Arbeit daran förderte laut einem Bericht die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), der Forschungsarm des Pentagons, im Rahmen des Programms Synapse. Die Neurala-Software soll Vorgänge im menschlichen Gehirn nachahmen und wie Neuronen arbeiten können. Sie komme mit wenig Code aus und benötige so wenig Ressourcen.

Mit dem "Lifelong Deep Neural Network" des Partners werde es bald möglich sein, einem Ordnungshüter mit Bodycam etwa das Foto eines vermissten Kinds zu zeigen. Die integrierte KI-Maschine "lerne" umgehend, wie die gesuchte Person aussehe und könne diese Information an Ermittler in der Nähe weitergeben, die ebenfalls mit den Aufzeichnungsgeräten ausgestattet seien, erläuterte Paul Steinberg, Cheftechniker bei Motorola Solutions.

Motorola Solutions setzt in einem Forschungszentrum bereits ein System ein, bei dem über die Live-Video-Analysefähigkeiten von Neoface eine Gesichtserkennung möglich ist. Noch ist dafür aber ein Zusammenspiel mit einem Rechenzentrum im Hintergrund nötig, während die Musteranalyse bei dem neuen Ansatz direkt vor Ort ohne Datentransfers möglich sein soll. Der vormals als Taser bekannte Wettbewerber Axon arbeitet parallel ebenfalls daran, KI-Fähigkeiten in eine künftige Generation Bodycams zu integrieren.

Die Entwicklung dürfte nicht allen gefallen. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk warnte jüngst schon angesichts eines anstehenden Tests "klassischer" Videoüberwachung mit biometrischer Gesichtserkennung vor massiven Eingriffen in die "Freiheit, sich in der Öffentlichkeit anonym zu bewegen". Mit dem EU-Recht sei dies kaum vereinbar. Bodycams sind hierzulande zudem an sich umstritten. (anw)

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