Mount & Blade 2 – Bannerlord angespielt: Mittelalterspektakel für Hartgesottene

Das sperrige Mittelalter-Strategie-Rollenspiel Mount & Blade 2: Bannerlord verspricht viel, verlangt dem Spieler aber auch einiges ab.

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(Bild: Taleworlds)

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Intuitive Bedienung? Zugängliches Spielprinzip? Moderate Lernkurve? "Mit uns nicht!", dachte sich wohl das Team des türkischen Entwicklerstudios Taleworlds, das "Mount & Blade 2 – Bannerlord" entwickelt. Die Early-Access-Version ist in allen Belangen größer, komplexer und ambitionierter als der Vorgänger und steckt voller Ideen, die gleich für mehrere Spiele gereicht hätten. Auf Steam ist das Mittelalter-Brett jetzt schon ein Hit: Fast 250.000 Spieler stürzten sich zeitweise in die Schlacht um Burgen, Städte und Handelsrouten.

Aber wer behauptet, dass das Mittelalter ein kunterbuntes Regenbogenidyll war? "Bannerlord" ist ein enorm komplexer Mix aus Rollenspiel und Schlachtensimulator, in dem die Spieler mit anderen Clans um die Vorherrschaft kämpfen. Zuerst müssen die Spieler eine kampffähige Truppe zusammenstellen, mit der sie durch das Land ziehen, Handel treiben oder Banditennester ausheben. Später müssen Burgen verteidigt oder belagert werden, um sich langsam ein immer größeres Reich anzueignen. Spielerisch ist es am besten als ein Mix aus Hack’n'Slay, Total War und etwas Handelssimulation zu beschreiben. Neben der Solo-Kampagne dürfen die Spieler auch auf Multiplayer-Karten in Spielmodi wie Deathmatch, Siege oder Skirmish gegeneinander antreten.

Die Möglichkeiten sind enorm und machen das Spiel im Genre einzigartig: das Hack’n Slay Kampfsystem ist komplex und anspruchsvoll, in größeren Schlachten müssen ein paar hundert Soldaten kontrolliert werden. Um Handelskarawanen effektiv einzusetzen, dürfen sich die Spieler schon mal Papier und Bleistift bereitlegen, um die Warenwerte zu notieren. Dazu kommt noch ein bisschen Crafting in der Schmiede, ein bisschen Stadtplanung und die Navigation der Spielwelt. Später im Spiel kann man sogar Clans gründen und eine eigene Familie aufbauen.

Die Spielfigur kann wie in einem Rollenspiel mit Rüstungen und Waffen ausgestattet werden und natürlich in Erfahrungsstufen aufsteigen. Der Spieler vergibt Fokuspunkte, um Fähigkeiten wie Nah- und Fernkampf oder Führungsqualitäten zu steigern. Die Vasallen können zwar auch in Kampfklassen und Rängen aufsteigen, aber hier hat Taleworlds Nachsicht mit den Spielern und begnügt sich mit dem Nötigsten.

Schon vom ersten Moment an wird man als Spieler von den zahlreichen Möglichkeiten und Eigenheiten nahezu erschlagen. Es gibt zwar ein Tutorial, um Nah- und Fernkampf zu erlernen, aber wie die Truppen gesteuert werden, muss man selbst entdecken. Ähnliches gilt für das Aufleveln der eigenen Spielfigur, das mit Fokus- und Attributspunkten oder Lernraten erst verwirrt, bevor man die Feinheiten dieses komplexen Systems zu schätzen weiß.

Mount & Blade 2: Bannerlord angespielt (5 Bilder)

Mount & Blade 2: Bannerlord ist groß, komplex, und sperrig. (Bild: heise online)

Bei den Actionszenen hakt es noch gewaltig. Die Nahkämpfe mit mehreren Gegnern werden zu einem chaotischen Gekloppe und in den Massenschlachten fehlt der Überblick über die Truppen. Das mag zwar dem realistischen Kampfverhalten der damaligen Zeit entsprechen, ist spielerisch aber frustrierend. Ebenso wie der visuellen Abwechslung bei Missionen und Charakteren fehlt es dem Spiel auch hier deutlich an der Feinarbeit: Bugs gibt es noch ohne Ende.

Bannerlord ist eine Early-Access-Version mit allen Ecken und Kanten. Das sollte jedem Käufer bewusst sein. Die Entwickler gehen aber offen mit den Problemen um und patchen fast täglich kleinere Fehler aus dem Spiel. Für die ganz großen Fans gibt es sogar eine spezielle Alpha-Version, in der experimentelle Verbesserungen stecken. Wenn "Mount & Blade 2" konsequent verbessert wird, können Mittelalter-Fans sich auf rosige Zeiten freuen. Bis es soweit ist, wird es mindestens noch Monate dauern, in denen Bannerlord und von den Spielern viel Geduld und Ausdauer verlangt.

"Mount & Blade 2: Bannerlord" ist ein nahezu konkurrenzloser Rohdiamant, der noch lange geschliffen werden muss, bis die tollen Ideen wirklich glänzen können. Bis jetzt ist es vor allem ein Versprechen für das größte, anspruchsvollste Mittelalterspektakel der letzten Jahre. Dass sowas auch schiefgehen kann, haben schon wesentlich größere Studios wie Bioware mit "Anthem" oder Bethesda mit "Fallout 76" erlebt. Wo die Reise für Bannerlord hingeht, ist noch offen – das Potenzial ist aber da.

Mount & Blade 2: Bannerlord ist am 30.03. in der Early-Access-Version als Download für Windows erschienen. Es kostet ca. 50 €. USK nicht geprüft. (dahe)