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Mozilla mahnt Spyware-Hersteller ab

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Die Mozilla Foundation hat Gamma International, Hersteller der umstrittenen Schnüffelsoftware FinFisher, abgemahnt. Laut einem aktuellen Bericht der Bürgerrechtsorganisation Citizen Lab soll sich FinFisher in einigen Fällen als Mozilla Firefox tarnen. Das, schreibt Mozillas Privacy-Verantwortlicher Alex Fowler im Mozilla-Blog, verletze die Markenrechte von Mozilla. Die Organisation stehe seit vielen Jahren für den Schutz der Anwender im Netz. Sie könne nicht tolerieren, dass sich eine Überwachungssoftware, die auch zur Verletzung von Menschenrechten und zum Ausspionieren von Anwendern eingesetzt werde, hinter ihrem Produkt verstecke.

Fowler betont, dass Firefox an sich nicht betroffen ist – selbst wenn FinFisher auf einen Rechner geschleust wurde, werde der Browser nicht beeinträchtigt. FinFisher sei eine völlig unabhängige Software. Auf Grundlage der Analyse von Citizen Lab gehe man aber davon aus, dass FinFisher gezielt den Eindruck erwecken wolle, ein vertrauenswürdiges Mozilla-Programm zu sein; unter anderem, indem es sich als Firefox.exe ausgibt.

Laut Mozilla hat Citizen Lab drei Fälle dokumentiert, in denen sich FinFisher als Firefox tarnt: bei einem Angriff auf politische Aktivisten in Bahrain, im Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen in Malaysia und in einer Demonstration von Gamma. In allen drei Fällen behaupte die installierte Software, von Mozilla zu stammen.

FinFisher ist ein Trojanerbaukasten, den Gamma International weltweit an Regierungen verkauft. Die Software kann unter anderem E-Mail und Skype belauschen und auf Rechnern mit Kamera und Mikrofon auch Räume überwachen. Laut Ciztizen Lab existiert auch eine mobile Variante, die auf Android, BlackBerry, iOS, Symbian und Windows Mobile läuft. Die Software soll unter anderem von Regierungen in Äthiopien sowie in Ägypten, Bahrain und anderen arabischen Staaten gegen die Opposition eingesetzt worden sein. Gamma International behauptet allerdings, man liefere nicht an Diktaturen.

Auch das deutsche BKA soll FinFisher angeschafft haben. Die Piratenpartei hat die Behörde deswegen beim Bundesrechnungshof angezeigt. (odi)