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Mt. Gox: Bitcoin-Preise angeblich durch Bots manipuliert

Neue Spekulation um die insolvente Bitcoin-Börse Mt. Gox: Laut einer Analyse sollen Bots die Preise an der Börse getrieben und mindestens rund 570.000 Bitcoins aufgekauft haben.

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Die Spekulationen um die insolvente Bitcoin-Börse Mt. Gox gehen weiter: Laut einer am Sonntag aufgetauchten Analyse von Transaktionsdaten könnte der Bitcoin-Preis an der Börse durch Bots manipuliert und hochgetrieben worden sein. Der anonyme Autor, der sich selbst als Bitcoin-Trader bezeichnet, will dabei zwei automatische Handelsmuster erkannt haben, die im großen Stile Bitcoins bewegt haben sollen.

Der ehemalige Firmensitz von Mt. Gox in Tokyo: Steuerte hier jemand die Bots "Markus" und "Willy"?

(Bild: dpa, Kimimasa Mayama)

Der erste Bot, "Willy“ genannt, soll dabei von Ende September bis mindestens November agiert haben. Über verschiedene Accounts soll der Bot in Phasen seiner Aktivität ungefähr alle 5 bis 10 Minuten 10 bis 20 Bitcoins gekauft haben. Bei jedem der "Willy"-Accounts sollen die Felder für Nationalität mit "??“ besetzt gewesen sein, jeder soll relativ konstante Summen, meist um die 2,5 Millionen US-Dollar, ausgegeben haben. Insgesamt wurden so bis November 2013 112 Millionen US-Dollar für 270.000 Bitcoins ausgegeben, ein Großteil davon im November. Zudem soll "Willy" auch danach noch aktiv gewesen sein und konnte offenbar sogar dann handeln, wenn das Handelssystem von Mt. Gox offiziell down war.

Der Autor sieht damit "Willy" als wesentlichen Treiber der Kurs-Rallye zwischen November und Dezember, bei der der Preis von 200 US-Dollar zeitweise auf bis zu 1200 US-Dollar kletterte. Die meisten Beobachter haben eher die große Nachfrage an den chinesischen Bitcoin-Börsen als damaligen Kursmotor gesehen – und chinesische Regulationen als Grund für die anschließende Talfahrt.

Bitcoin, die digitale Währung

Die virtuelle Währung Bitcoin auf dem Weg ins reale Leben: An speziellen Börsen kann man Bitcoins kaufen und verkaufen, diverse Online-Händler und Läden akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel, erste Bitcoin-Geldautomaten werden aufgestellt.

Der zweite Bot "Markus" fällt laut Analyse dadurch auf, dass er offenbar keine Handelsgebühren an die Börse zahlte. Ebenfalls auffällig ist die immer wieder gezahlte Summe von 15,13 US-Dollar, die laut Analyse aber nicht den teilweise großen Bitcoin-Gegenwerten der Trades passen. Dies könne auf fehlerhafte oder fehlende Daten in dem Tabellenfeld deuten. Insgesamt soll Markus auf 300.000 Bitcoins gekommen sein, was zusammen mit "Willy“ 570.000 Bitcoins ergibt, deren Verbleib allerdings im Dunkeln liegt. Insgesamt soll die Börse Mt. Gox bei ihrem Zusammenbruch 850.000 Bitcoins an unbekannte Angreifer verloren haben – der Autor sieht hier einen Zusammenhang.

Unklar ist, wie vertrauenswürdig die zugrundegelegten Daten sind, die aus einem angeblichen Mt.-Gox-Leak stammen und Transaktion von April 2011 bis November 2013 umfassen sollen. Die Zip-Datei, in der die Daten zunächst verteilt wurden, enthielt nachweislich Malware, was nicht für Vertrauenswürdigkeit spricht. Andererseits wollen Nutzer auf Reddit zumindest einen Großteil des Datenmaterials bereits verifiziert haben.

Ebenfalls noch völlig offen ist, wer hinter diesen Bots stehen könnte. Denkbar ist natürlich, dass sich Hacker von außen Zugriff verschafft haben. Der anonyme Autor des "Willy-Reports" hält einen "Inside Job“ aber für wahrscheinlicher. Der Autor betont, niemanden direkt beschuldigen zu wollen – aber das tut Spekulationen keinen Abbruch, die vor allem den ehemaligen Mt.-Gox-Chef Mark Karpeles als Strippenzieher hinter den Bots sehen. Versuche, dem Gox-Bot auf die Schliche zu kommen, gab es zumindest schon zuvor, ebenfalls kursierten auch schon Geschichten über Karpeles und "Willy“. (axk)

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