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MuPAD verschwindet - aber nur als Produktname

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Die Sciface Software GmbH, seit dem Wegfall der Projektförderung durch die Universität Paderborn und das Land Nordrhein-Westfalen allein verantwortlich für Pflege und Vermarktung des Mathematik-Programms MuPAD, ist vom Softwarehaus MathWorks aufgekauft worden. In der Folge soll die einzig verbliebene Allround-Edition MuPAD Pro nur noch bis zum 28. September als eigenständiges Produkt zu kaufen sein. Danach soll es die Software nur noch als Bestandteil der Symbolic Math Toolbox zum MathWorks-Paket MATLAB geben.

Wie Mathworks ausdrücklich mitteilt, bedeutet die Übernahme keineswegs das Ende von MuPAD. Das Programm soll weiterhin in Paderborn gepflegt werden. Außerdem behalten nicht nur bestehende MuPAD-Pro-Lizenzen ihre Gültigkeit, sondern "im größtmöglichen Ausmaß" sollen sich auch MuPAD-Anwendungen in der neuen Umgebung von MATLAB ausführen lassen.

Auch wenn sich die genannten Konsequenzen auf das Produktangebot schon sehr bald bemerkbar machen, scheint die Übernahme ein recht frisches Verhandlungsergebnis zu sein. Anfragen zum künftigen Personalbestand in Paderborn sowie über absehbare Lizenzbedingungen für das MATLAB-integrierte MuPAD sind erst noch durch das neue Mutterhaus in USA zu beantworten, auch wenn der ausgeprägte Optimismus des Sciface-Geschäftsführers Dr. Oliver Kluge Kluge durchaus schlüssig erscheint. "Ich sehe die Entwicklung auch persönlich als sehr, sehr gut für MuPAD an" erklärte er gegenüber heise online. Vor dem Hintergrund, dass auch Konkurrenzprodukte wie Mathematica und Maple in der Vergangenheit numerische und symbolisch-mathematische Funktionen immer enger miteinander verflochten haben, scheinen entsprechende Optionen aus der Zusammenarbeit von MuPAD- und MATLAB-Entwicklern nur schlüssig, und auch Scifaces Bemühungen, MuPAD zusätzlich als integralen Bestandteil umfassenderer Softwarepakete zu vermarkten, dürften vom Zusammenspiel mit MATLAB profitieren.

Andererseits lässt sich eine gewisse Enttäuschung nicht ganz verhehlen: MuPAD war zu Zeiten seiner Entstehung ohne weiteres vergleichbar mit so prestigeträchtigen Programmen wie Mathematica, doch alles Engagement der Paderborner Mitarbeiter etwa zum Einsatz von MuPAD für Unterrichtszwecke konnte nicht verhindern, dass sich die amerikanischen Konkurrenten im Lauf der Zeit deutliche Marktvorteile verschaffen konnten. Zunächst mit dem Rückzug des kostenlosen MuPAD Standard und jetzt mit dem endgültigen Aufgehen in einem amerikanischen Softwarehaus besiegelt Sciface zumindest das Ende eines deutschen Vorzeigeprojekts. Auch wenn die Errungenschaften des Paderborner Know-hows vermutlich weiter gedeihen werden. (hps)

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