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Technology Review

Müll aus dem Meer wird zu Sportgeräten

In Chile recyceln zwei Unternehmer Müll aus dem Ozean zu umweltfreundlichen Skateboards.

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Sonne, Sand und Surfen – die Kalifornier Ben Kneppers (30) und David Stover (28) konnten nie genug davon kriegen. Immer öfter aber wurde ihr Vergnügen durch Plastikmüll gestört. Besonders ärgerlich waren sogenannte Geisternetze, die illegal im Meer entsorgt werden oder verloren gehen. Sie werden zur tödlichen Falle für Fische und Vögel und verfangen sich oft in den Surfbrettern.

"Wir haben immer am Meer gelebt", sagt Maschinenbauingenieur Kneppers. "Und wir wollten etwas verändern", fügt Stover an. Ihre Idee: Aus alten Netzen coole Skateboards machen. Die Jungunternehmer setzten ihre Recycling-Idee in Chile um, berichtet Technology Review. Dort lockt ein Start-up-Programm Gründer aus aller Welt ins Land.

Eine raffinierte Produktionskette sorgt dafür, dass der Öko-Traum Realität wurde. In Küstenorten wurden Sammelstationen für den Netzmüll eingerichtet. Lkw der Fischerei- Industrie bringen sie günstig als Beiladung nach Santiago de Chile.

Da entsteht in der neuen Recyclingfabrik aus je neun Quadratmetern Netz ein neues Rollbrett. Die Netze werden gereinigt, eingeschmolzen, abgekühlt, zerhäckselt und erneut geschmolzen. "Dann bildet sich die optimale Konsistenz fürs Endprodukt", so Stover. Die zähe Masse wird in eine fischförmige Eisenform injiziert: Das Deck eines Bretts entsteht.

Die ersten 2000 Fischdesign-Decks haben die Gründer bereits nach Kalifornien verschifft. Dort erhielten sie Achsen, Rollen und Kugellager. Zwischen 135 und 200 Dollar kosten die Boards namens "Bureo". Die Konkurrenz ist zwar oft günstiger, dafür aber ohne ökologischen Zusatzwert.

Die weltweit ersten "Öko-Boards aus dem Meer" kommen jetzt im September auf den Markt (auch aus Deutschland unter info@bureoskateboards.com bestellbar). Der Rohstoff dürfte Kneppers und Stover so schnell nicht ausgehen: Geisternetze machen etwa ein Zehntel des weltweiten maritimen Plastikmülls aus – 640000 Tonnen, schätzt die Naturschutzorganisation WWF. (Joseph Scheppach) / (bsc)