Müllberge als potenzielle Goldgruben

Mülldeponien können Metall im Wert von Millionen Euro enthalten. Mit steigenden Rohstoffpreisen stößt die Idee des "Urban Mining" – einer Ausbeutung dieser Lagerstätten – zunehmend auf Interesse, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

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Von
  • Susanne Donner

Gewöhnliche Mülldeponien können Metalle im Wert von Millionen Euro enthalten. Mit steigenden Rohstoffpreisen stößt die Idee des "Urban Mining" – einer Ausbeutung dieser Lagerstätten – zunehmend auf Interesse, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 4/2011 (jetzt am Kiosk oder direkt im heise Online-Shop zu bestellen).

Über Jahrzehnte wurden Bodenschätze in die Industrienationen verfrachtet und in Hochhäusern, Handys und Autos verbaut. Vor allem die Städte sind somit gigantische und wachsende Minen. Man muss sie nur erschließen. Diesen revolutionären Gedanken des "Urban Mining" hegten die Ressourcenforscher Peter Baccini und Paul Brunner schon Anfang der neunziger Jahre in Zürich. Seit die Vorräte an Bodenschätzen dahinschmelzen – der Weltmarktpreis für Rohstoffe stieg in den letzten Jahren um mehr als 80 Prozent –, wird das Konzept zunehmende ernst genommen.

Denn die vorhandenen Werte sind beträchtlich: Stefan Gäth, Ressourcenmanager an der Universität Gießen, bohrte beispielsweise im hessischen Reiskirchen eine Deponie an. Er überschlug den Wert der gefundenen Metalle und kam auf 65 Millionen Euro. 2008 ließ das hessische Umweltministerium elf weitere Halden untersuchen und stieß auf knapp eine Million Tonnen an Metallen mit einem Wert von 250 Millionen Euro. Die Förderung dieser Metalle ist, das zeigen erste Forschungsarbeiten, allerdings recht aufwendig. Wer eine Deponie öffnet, muss vor allem verhindern, dass größere Mengen Methan frei werden. Ein Container oder Kunststoffzelt wird über der Öffnung platziert und das klimaschädliche und leicht entzündliche Methan abgesaugt. Gleichzeitig wird Sauerstoff in das Loch hineingeblasen.

Doch auch beim Recycling von Elektrogeräten ließe sich der Metall-Ertrag noch stark verbessern, sagen Experten. Denn die Rückgewinnung ist auf die Massenmetalle Eisen, Aluminium und Kupfer ausgerichtet. Die Altgeräte werden überwiegend maschinell geschreddert. Dann werden Kunststoffteile und die verschiedenen Metalle mit Magneten und Wirbelstromabscheidern grob voneinander getrennt. Gold und Silber müssten idealerweise in der Kupferfraktion landen, damit sie im Schmelzofen recycelt werden können. Doch nur ein Viertel des Goldes aus Leiterplatten fand Vera Susanne Rotter von der TU Berlin darin wieder, als sie in einem großen deutschen Recyclingbetrieb nachforschte. Der Rest haftete dem Plastik oder anderen Metallen an. Beim automatischen Zerkleinern gehen große Teile des Goldes, des Silbers und Palladiums verloren, offenbaren auch andere Studien.

Die Lösung des Problems ist trivial, aber personalintensiv und damit teuer. Denn die meisten werthaltigen Metalle befinden sich immer noch auf den Leiterplatten. "Indem solche Bauteile vollständig manuell entnommen und nicht gehäckselt werden, lassen sich Edelmetalle zu über neunzig Prozent zurückgewinnen“, erklärt Rotter. Der verpasste Erlös, den die Abfallwirtschaft damit in Kauf nimmt, geht in die Milliarden. (wst)