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Münchner Amoklauf: Debatte über gewalthaltige Computerspiele flammt wieder auf

Schluss mit Ego-Shootern, fordert der Chef der CDU/CSU-Fraktion, Volker Kauder, nach den Münchner Todesschüssen. Auch Innenminister de Maizière klagt über "gewaltverherrlichende Spiele". Andere mahnen zur Zurückhaltung.

Münchner Amoklauf: Debatte über gewalthaltige Computerspiele flammt wieder auf

(Bild: dpa)

Der Amoklauf am Freitag in München mit insgesamt zehn Toten hat einen neuen Streit über gewalthaltige Computerspiele und ihre Wirkungen ausgelöst. Laut "Spiegel TV" verbrachte der Schütze David S. viel Zeit mit Gewaltspielen im Internet und gehörte einer "Counter-Strike"-Clique an. "Diese Ego-Shooter-Spiele müssen einmal hinterfragt werden", betonte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, gegenüber der Welt am Sonntag. Es gebe für alles Grenzen, "wenn Gewalt damit gefördert wird".

Auch das Internet allgemein machte Kauder mit dafür verantwortlich, dass Extremismus und Hass verbreitet würden. "Die Sprache im Netz verroht", monierte er. Die Menschen hätten sich auch fast daran gewöhnt, dass zu Gewalt aufrufende Propaganda online überall zu finden sei. "Darüber müssen wir mehr reden", meint Kauder: "Die Freiheit des Netzes ist kein absoluter Wert." So sei es etwa auch unerträglich, dass das Video des Attentäters von Würzburg immer noch im Internet kursiert. Der junge Mann, der vier Zugreisende schwer mit einer Axt verletzte, "bekommt damit noch mehr Aufmerksamkeit".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière beklagte am Samstag "das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet". Dieses habe eine schädliche Wirkung gerade auf die Entwicklung auch junger Menschen. Das könne kein vernünftiger Mensch bestreiten, unterstrich der CDU-Politiker. Dabei handle es sich um eine Entwicklung, die "in unserer Gesellschaft mehr diskutiert werden sollte als bisher". Der Minister warnte zudem davor, über soziale Netzwerke Falschmeldungen insbesondere über sicherheitsrelevante Vorfälle publik zu machen. Unionsvize Stephan Harbarth sprach sich dafür aus, "Symphatiewerbung" für Terror etwa in Fotos, Videos, Texten oder Kommentaren in Blogs wieder unter Strafe zu stellen.

Lars Klingbeil, Netzexperte der SPD-Bundestagsfraktion, twitterte dagegen, dass jetzt nicht "Zeit für politische Forderungen" sei. Politische Schnellschüsse seien fehl am Platz. Der Vize der Linksfraktion, Frank Tempel, rief nach einer neuen Diskussion, "wie Amokläufe zu verhindern sind" und warf Fragen auf: Wie könne ein Jugendlicher etwa völlig unproblematisch an eine Waffe und Munition herankommen? Wie sei Hilfsbedarf insbesondere bei Jugendlichen besser zu erkennen und zu behandeln? Unterbleiben müssten "wilde Spekulationen in den wilden Medien" noch während laufender Polizeieinsätze, mit denen versucht werde, Hysterie anzufachen und aus falschen Schuldzuweisungen Kapital zu schlagen.

Die Piratenpartei warf vor allem de Maizière vor, mit "billigem Populismus" flugs die sogenannten Killerspiele als Ursache für die Taten von München und Würzburg ausgemacht zu haben. Dabei werde beim Ballern auf dem Bildschirm außer Pixeln "niemand verletzt oder gar getötet". Eine "wissenschafltich-fundierte Diskussion" mahnte der Game-Bundesverband an. Monokausale Zusammenhänge dürften nicht konstruiert werden. Der eco-Verband der Internetwirtschaft warb dafür, die Debatte über die Haftung für illegale Inhalte im Internet zu versachlichen. Provider unternähmen große Anstrengungen, um illegale Inhalte zu bekämpfen. Über Grenzfälle müssten aber Richter urteilen. Das Netz lasse sich nicht mithilfe privater Unternehmen lückenlos überwachen. (Stefan Krempl) / (anw)

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