Münchner Sicherheitskonferenz: Zuckerberg befürwortet Regulierungsrahmen

Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es das bevölkerungsreichste der Welt. Daher bekam Facebook-Chef Mark Zuckerberg sein eigenes Interview mit Wolfang Ischinger.

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg findet nicht, dass das Social-Media-Angebot seines Unternehmens die Spaltung der Gesellschaft befördert.

(Bild: Wachiwit/Shutterstock.com)

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg widersprach bei der Sicherheitskonferenz in München Vorwürfen, sein Unternehmen befördere die zunehmende Spaltung der Gesellschaften. Studien der Stanford Universität hätten dies relativiert. Regulierung – auch Inhalteregulierung – muss es laut Zuckerberg grundsätzlich geben. Sein Unternehmen dürfe aber nicht mit klassischen Presseverlegern auf eine Stufe gestellt werden.

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Zuckerberg listete im Gespräch mit dem Macher der Sicherheitskonferenz, Botschafter Wolfgang Ischinger, im voll besetzen Saal des Bayerischen Hofs ausführlich die Maßnahmen auf, mit denen sein Unternehmen gegen missbräuchliche Nutzungen des sozialen Netzwerks vorgehe. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und 35.000 Mitarbeitern habe man in rund 200 Wahlen seit der Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf 2016 insgesamt 50 koordinierte Informationskampagnen abgeschaltet. Die KI spüre dabei Fake Accounts auf, Verbindungen zwischen Accounts und Nutzer-unüblichen Aktivitäten. Neu sei, dass solche koordinierten Informationskampagnen nicht zwangsläufig aus dem Ausland, sondern auch aus dem Inland kämen, sagte Zuckerberg.

Der selbstbewusst auftretende Facebook-Chef erklärte das Eingreifen der Regierung in vier Bereichen für notwendig: Wahlen, Inhalte, Portabilität und Offenheit von Daten sowie Datenschutz. Im Bereich Wahlen empfahl Zuckerberg klare Regeln für Wahlwerbung. Bei der Inhalteregulierung hätte er gerne Normen des Gesetzgebers darüber, welche Inhalte schädlich und illegal sind. Am Ende brauche sein Unternehmen Regeln, die es operativ umsetzen könne. Solange es solche klare Regeln nicht gebe, müssten Unternehmen selbst abwägen. „Ein Privatunternehmen ist nicht legitimiert, diese Grenzen zu ziehen“, sagte Zuckerberg.

Die von einem New York Times-Journalisten in die Diskussion geworfene Frage, warum Facebook anders reguliert werden sollte als die klassischen Presse-Gatekeeper, wies Zuckerberg entschieden zurück. So groß könne man eine Redaktion gar nicht machen, dass sie 100 Millionen Beiträge pro Tag im Stil der klassischen Presse überprüfe. „Es gibt zwei regulatorische Modelle, das für Medien und das Telco-Modell, bei dem nur durchgeleitet wird“, sagte Zuckerberg, „ich glaube, wir sollten irgendwo dazwischen liegen.“ Inwieweit die Bearbeitung der Beiträge durch Algorithmen schon einer redaktionellen Bearbeitung gleichkommt, blieb in der Diskussion unbeantwortet.

Zuckerberg unterstrich selbstbewusst, dass Facebook heute sehr viel mehr gegen die 2016 bekannt gewordenen Missbrauchsmöglichkeiten tue. Das Budget für die genannten Maßnahmen übersteige aktuell bereits den Gesamtumsatz, den das Unternehmen 2012 im Jahr des Börsengangs erzielt habe. „Und da waren wir schon kein kleines Unternehmen“, sagte er. Natürlich arbeite man weiter an Verbesserungen, denn auch die Angreifer schliefen nicht. Beispielsweise nutzten Informationskampagnen inzwischen häufig unterschiedliche IP-Adressen und Server in verschiedenen Ländern, um nicht sofort als koordinierte Aktion aufzufallen. „Die Bedrohungen bleiben, aber wir werden immer besser.“

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Ischingers Frage nach Echokammern und der Polarisierung der Gesellschaft konterte Zuckerberg mit dem Hinweis auf verschiedene Studien, unter anderem der Stanford University, an der auch sein ehemaliger Sicherheitschef Alex Samos mittlerweile forscht. Die am meisten polarisierten Zeitgenossen nutzten das Internet gar nicht, so ein Ergebnis.

Natürlich, so Zuckerberg, setze der Facebook-Algorithmus die Meldung, dass ein Cousin Vater geworden sei, ganz oben in die eigenen Timeline. „Das will man nicht verpassen.“ Dass es bei Echokammern nicht um so unverdächtige News geht, unterschlug Zuckerberg geflissentlich. Sobald man noch mehr Daten habe, werde sich noch deutlicher zeigen, dass das Internet nicht für die Polarisierung der Gesellschaft verantwortlich sei. (tiw)